Paul Gauguin - Traum und Realität

 
Gauguin Arearea Tahiti
Paul Gauguin, Arearea 1892 (Fröhlich sein und glücklich)


Im Hintergrund verehren drei Frauen eine Maoristatue in einem freien, ekstatischen Ritus.
Die Ruhe und das Flötenspiel der sitzenden Frauen, die Andeutung von Pflanze, Tier und Erde
sowie die Harmonie des Bildes vermitteln eine paradiesische Atmosphäre.
 

 

Künstler sind oft lange auf dem Weg zur Kunst und zu sich selbst. Einen weiteren Weg als Gauguin hat wohl niemand genommen: Seemann und Börsenhändler, Kunstträumender im Paris der Impressionisten, freundschaftliche Verbrüderung mit Künstlern wie Vincent van Gogh, ein moderner Nomade und Aussteiger aus der europäischen Zivilisation, seine entscheidenden Aufenthalte auf Tahiti, sein tragischer Lebenslauf mit Träumereien und einem einsamen Tod, von Armut und Unausstehlichkeit begleitet.

Sein unverwechselbarer künstlerischer Stil: Er verwendete leuchtende, reine Farben in starken Kontrasten und setzte klar umrissene Formen nebeneinander, die das Bild in seiner Flächenhaftigkeit betonen. Anders als die Impressionisten wollte Gauguin in seiner Kunst nicht mehr die oberflächlich wahrnehmbare Realität wiedergeben, sondern suchte nach einer tieferen Wahrheit jenseits des Sichtbaren. 

Auf der Suche nach dem Ursprünglichen reiste er an das Ende der damaligen Welt, nach Tahiti in die Südsee. Aber er fand dort auch nur eine von Kolonialismus und aufgezwungenem Christentum weitgehend veränderte Form des ursprünglichen reinen Lebens der "Eingeborenen". In seinen Bildern stellt der Künstler jetzt seine Idealvorstellung von einer unversehrten exotischen Welt dar. Er verbindet darin Natur und Kultur, Mystik und Erotik, Traum und Wirklichkeit auf harmonische Weise. In seinen sehnsüchtigen, idealisierenden Bildern schwingt aber immer Melancholie mit, ja Traurigkeit und Verzweiflung, denn auf der leidenschaftlichen Suche nach einem Ideal von Reinheit, Freiheit und Ursprünglichkeit richtete er sich selbst zugrunde. Nach einem Suizidversuch starb er elend auf einer Südseeinsel mit 55 Jahren.

Seine leuchtenden, verträumten Bilder wurden erst nach seinem Tod von einem breiten Publikum angenommen und geliebt. Seine Bekanntheit stieg ins Schwärmerische und sein Einfluss auf die Malerei des 20. Jahrhunderts war nachhaltig und groß. Die Faszination seines Künstlerlebens und seiner Bilder blieb ungebrochen bis in die Gegenwart - irgendwie seinem zeitweiligen Künstlerfreund van Gogh vergleichbar. Beide wurden zu einer Verkörperung der geballten Kraft und des radikalen Aufbruchs der klassischen Moderne zur Jahrhundertwende des Fin de Siècle um 1900.

 

 

Gauguin - Frauen auf Tahiti

Paul Gauguin
Zwei Frauen auf Tahiti (1891)

Gauguin verbindet hier eine klare, einfache Zeichnung mit einer sympathischen farbigen Darstellung. Der Sand am Wasser, ein angedeutetes Grün, eine abgeschlossene Komposition in einem offenen, aber heimeligen Ambiente. 

Die Ruhe und Anmut der beiden Frauen, ihre bloßen Füße und die wenigen Gegenstände vor ihnen, die lebensfrohen Kleider und das geordnete, geschmückte Haar: So hat Gauguin oft seine Sehnsucht nach einem wahren, ursprünglichen Glück gemalt.


Gauguin - Manao Tupapaú Der Geist der Toten wacht

Paul Gauguin (1892)
Manao Tupapaú
Der Geist der Toten wacht

 

Gauguin erzählt selber, dass er eines Nachts heimkehrte und Tehamana (ein 13jähriges Mädchen, sein Modell und seine Geliebte) im Licht eines Streichholzes mit aufgerissenen Augen nackt auf dem Bett liegen sah. Die Hitze ließ sie nicht schlafen, und sie fürchtete sich vor dem Tupapaú, vor dem Geist der Toten. Der Maler fragte sich, ob er vielleicht für das Mädchen selber ein Tupapaú wäre, der ihr Angst machte, mit seiner Syphilis,
mit seiner Untreue.

 


 

Paul Gauguin: Woher kommen wir?

Paul Gauguin: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wer sind wir?
 

In vier Wochen des Jahres 1897 malte Gauguin in einer Hütte von Tahiti dieses Bild, in tiefster Not und Verlasseneheit sozusagen als sein Testament. Das Bild ist von rechts nach links zu lesen: rechts der Säugling, links der Tod (alte Frau, weißer Vogel für leere Worte - Vanitas). Die blaue Gestalt links im Hintergrund steht für Ewigkeit und Jenseits, im schwarzen Hund rechts sah er sich selbst im Bild. Die Figur in der Mitte des Bildes erntet mit natürlicher Leichtigkeit eine reife Paradiesesfrucht. 

Das ganze Bild macht eher einen gequälten Eindruck, es ist sozusagen sein eigenes Auftragswerk aus innerer Not und Verzweiflung. Mit letzter Kraft hat er malerisch auf verschiedene Sujets seiner eigenen Vergangenheit zurücgegriffen. Dennoch zählt dieses große ( 4 mal 1 Meter) Werk zu den bedeutendsten Bildern des Symbolismus jener Zeit.