Claude Monet - Frühlingsspaziergang

 

Monet Frühlingsspaziergang
Claude Monet, Spaziergang (1875)

 

 

Monet Frühling Beschreibung


Der große impressionistische Maler Claude Monet hat uns aus dem fernen Jahr 1875 ein Freiluftbild (open air) hinterlassen, das seine Frau Camille mit dem achtjährigen Söhnchen Jean auf einem Frühlingsspaziergang darstellt. Ein fröhliches Bild voller Licht und Farben!

Die noch junge Frau steht auf einem etwas erhöhten Platz mitten in einer Blumenwiese. Ihr langer dunkler Körperschatten nach vorne links zeigt den Stand der Sonne an, rechts oben zu früher Stunde. Das Licht der Gestalten im Gegenlicht ahnen wir durch die Reflexe rückwärts an ihrem Kleid sowie an der Oberseite des Sonnenschirmes. Dieser widerspiegelt beinahe etwas unnatürlich die grünen und im Morgenlicht  flimmernden Gräser unten am Boden, und vom Stand der Sonne her kann er auch der Frau nicht Schatten geben. Moosgrün und hellblau in vielen Nuancen sind außer dem Inkarnat die einzigen Farben im Bild.

Die Frau hat sich soeben mit einem Ruck nach links gedreht, um mit dem Betrachter freundlichen Blickkontakt aufzunehmen. Dadurch hat sich ihr schönes Kleid im unteren Teil in Falten gelegt, während es im Oberteil nur Farbe zeigt.

Der Maler hat offenbar das Bild im Freien mit schnellen, sicheren Pinselstrichen begonnen, dann wohl im Atelier zu Ende gebracht und sich dabei nicht mehr an Einzelheiten erinnert. So bleiben bei beiden Figuren die Arme und Hände unbeachtet, auch die Gesichter sind im Gegenlicht verblasst und bei der Frau kühn durch Wolken- bzw. Sonnenreflexe gezeichnet. Die Frau trägt wohl den Rest einer damals üblichen Kopfbedeckung – oder verweht der Morgenwind eine jugendliche Frisur?

Jean steht tiefer als seine Mutter, dadurch wirkt er kleiner als er ist, die Mutter aber beherrschend größer. Wie eine Osterkerze streckt sich das Kind in die Höhe, ein von der Sonne beschienendes Hütchen drückt ihn nach unten, ein dunkles Halstüchlein wie bei der Mutter passt gut zum himmelblauen Anzug.

 

Frühling - Monet


Wenn man genauer und länger von oben auf das Gras schaut, wächst es einem plötzlich dreidimensional entgegen. Kann man Osterglocken, Erika, Jasmin oder gelbe Dotterblumen erkennen? Wohl kaum, aber der Wiesengrund als ganzer wirkt voller Farben, Lichter, Duft und Leben.

Vom untrüglichen Künstlerauge ist alles in einem Augenblick gesehen und auch in wenigen Augenblicken dargestellt – obwohl er gerade bei der Wiese sicher eine Weile gekleckst hat. Das Bild hat auch keine Zeichnung, wie in der Wirklichkeit baut es sich direkt aus Farbe und Licht auf.  Diese „Revolution des Blickes“, der weniger die Zeichnung und die Eigenfarben der Gegenstände als die vor allem im Freien ständig wechselnde Beleuchtung sieht, also den Eindruck eines Augenblickes, damit beginnt die klassische Moderne in der Kunstgeschichte.


 

Unser Bild ist gut geordnet, es ruht wie eben jeder Moment in sich selbst und ist sozusagen vollkommen. Der Betrachter steht etwas tiefer als Frau Camille, dadurch schaut er an ihr hinauf, sein Blick wird nach oben zum Licht, zum freundlichen Himmel gelenkt. Wir fragen uns: könnte das Bild nicht Osterspaziergang heißen? Ganz ohne Osterhase und knallfarbige Ostereier? Ohne angesprochene religiöse Details? Licht und Sonne, Morgen und frische Luft, Gartengrün und Schäfchen am Himmel –  neues Leben und Auferstehung?

 


Claude Monet - Frau mit Sonnenschirm (1886)

 

Monet Frau mit Sonnenschirm
1886 ist Monet noch einmal auf die "Frau mit Schirm" der im Gegenlicht und Wind zerzausten Spaziergängerin zurück-gekommen. Dies ist im Text von Wikipedia schön beschrieben:

"Eine junge Dame in weißem Jackenkleid hält auf einem Spaziergang an einem sonnigen Sommertag auf einer Wiese inne, dem Betrachter gegenüber in leichter Untersicht. Sie zeigt sich von ihrer linken Seite und von der Sonne abgewandt, die ihren weißen Rock von hinten beleuchtet. Kleid und Schleier bauschen sich im Wind, den sie im Rücken hat. Ein Sonnenschirm schützt sie vor dem Sonnenlicht, die Wiese ist durch ihre Gestalt verschattet. Gesicht und rechter Arm liegen ebenfalls im Schatten und sind nur vage erfasst; der zarte blaue Schleier, der sich im Wind vom Kopf zu lösen scheint, macht die Gesichtszüge unkenntlich. Den Hintergrund bilden Wolken, die den Eindruck rascher Bewegung vermitteln, vor einem sommerlich blauen Himmel.

Das Gemälde zeigt eine reduzierte Palette aus den Grundfarben Blau, Rot und Gelb, nebst ihren Mischungen Grün, Violett und Orange, sowie Weiß; es ist in schnellen Pinselstrichen alla prima angelegt. Die Wiese ist in Farb-Beistrichen ausgeführt, die sich erst im Auge des Betrachters zu Farben vermischen. Die Schatten, auch die des weißen Kleids, sind farbig, ohne Verwendung von Schwarz. Neben der vorherrschenden Farbe Weiß sind die Komplementärfarben   Rot und Grün betont, sowohl in der Wiese als auch in der in Grün verschatteten Seite des Sonnenschirms und der roten Blume an der Taille."
Wikipedia, Monet - Frau mit Sonnenschirm