Goustave Courbet - Die Steineklopfer


Steine klopfen  -  im Schweiße des Angesichtes

 

Lange vor dem Aufkommen der „klassisch modernen Kunst" (mit dem Impressionismus 1872), entwickelte sich in den Ländern des Frühkapitalismus eine Kunst, die leidenschaftslos das Äußere der Arbeiterwelt darstellt. Der Schritt zum politischen Engagement war nicht mehr groß! Der künstlerische Realismus stellte auch gesellschaftlich Unschönes und Problematisches dar; dadurch wurde die Grenze zum republikanischen, demokratischen und sozialistischen Engagement mit Leichtigkeit und geradezu innerer Notwendigkeit häufig überschritten.

Der eigentliche Realismus darf nicht mit einem reinem Naturalismus verwechselt werden, da er zur äußerlichen Naturtreue dazu auch die innere Wahrheit darstellen wollte. Er dringt über das Äußerliche hinweg zum Wesentlichen der inneren Identität und Aussage vor. Er stellt und präsentiert nicht nur "fotografische" Details vor, sondern er deutet, was gesehen und gemalt wird.

 

Courbet - Steineklopfer

Gustave Courbet, die Steineklopfer, 1849

 

   
 

"Arbeit" in der Bibel

 

Jesus stammt aus der Familie eines Zimmermanns und arbeitet selbst 30 Jahre lang in der Werkstatt und auf dem Bau. Dies wird weder getadelt noch gelobt, es ist eine Selbstverstädlichkeit, eine der Wohltaten Gottes.
 

Geht die Sonne auf, schreitet der Mensch an seine Arbeit und an sein Werk bis zum Abend. Herr, wie groß sind deine Werke! Du hast sie alle mit Weisheit geordnet und die Erde ist voll von deinen Gütern. Psalm 104,23f.
 

Besser unbeachtet bleiben und seine Arbeit verrichten, als großtun und kein Brot haben.
Sprüche 12,9.

 

Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel zu essen hat. Kohelet 5,11.
 

Spiel nicht den Weisen, wenn du zu arbeiten hast. Sirach 10,26.
 

Futter, Stock und Last für den Esel, Brot, Schläge und Arbeit für den Sklaven. Sirach 33,25.
 

Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Matthäus 9,38.
 

Jesus zu den Aposteln, die die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen hatten (Lukas 5,5):

"Fahrt noch einmal hinaus,
lasst das Netzt tief hinunter
und versucht es einmal
auf der anderen Seite des Bootes."

 

Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen... Sie sollen in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen und ihr selbst verdientes Brot essen. 2 Thessaloniker 2,10.
 

Der Bauer, der die ganze Arbeit tut, soll als erster seinen Teil von der Ernte erhalten." 2 Timotheus 2,6.

Bildbeschreibung

In unserem Bild von Gustave Courbet sehen wir zwei Männer bei der Arbeit, aus größeren Gesteinsbrocken Aufschuttmaterial herzustellen. Der Aufbau des Bildes ist einfach: in sengender Sonne geschieht die niedere Arbeit, der Hintergrund ist düster und dunkel. Lediglich oben rechts ist ein Sonnenstrahl und blauer Himmel zu sehen. Die Fluchtlinien zweier Arbeitsgeräte sowie des Alten weisen dorthin.

Sonst stehen die Arbeiter fest am Boden, fast mit ihm verwachsen. Die Farbe der Kleider (trotz ein wenig rot und blau) stechen auch vom Arbeitsplatz nicht hervor. Die ausgebeutete Arbeitskraft assimiliert den Menschen in die Umgebung, auch in Sprache und Kultur. Die zerrissenen, altmodischen Kleider, Holzschuhe und ausgetretene Schuhe bezeichnen den sozialen Stand der Arbeiter. Der Strohhut des älteren Mannes ist wie ein Privileg, wie ein Luxus – er verbirgt aber sein Gesicht. Es liegt im Schatten. Beide Arbeiter zeigen kein Gesicht – die Arbeiter wie eine Menschenmasse, jeder einzelne anonym und ersetzbar.

Während die linke Gestalt fast waagrecht abgenommen ist, macht die rechte eine kraftraubende Drehung. Malerisch gut komponiert, wenn man auch dem rechten Arbeiter besonders anmerkt, dass er diese Arbeit nur im Studio darstellt. Kein Steinklopfer hält so seinen Pickel, seinen Schlägel! Damals haben die Maler oft im Freien die Außenaufnahmen und zuhause im Studio vor dem Modell die Personen gemalt, daher solche Details.

Rechts ist der ganze Inhalt eines Arbeiterlebens angedeutet, der Zweck seiner Mühen – Haus, Arbeit, Essen. Ein Kochtopf, ein großer (Schöpf-)Löffel, ein Brot. Auf vielen Bildern dieser Zeit des Realismus wird die Reduzierung des Lebens auf diese drei Grundwerte des Menschen dargestellt, Familie an erster Stelle. Hier ist kein Platz für Familie und Freizeit, keine Möglichkeit für Kultur und Fortbildung, der Stein und die Erde holen den Menschen ein. Dieses Bild ist eine Botschaft - und stellt nicht nur "fotografisch" Details dar. Kann man solches sehen, deuten und darstellen, ohne „politisch aktiv“ zu werden? Die Bilder der Realisten wurden damals von den Salonmalern Frankreichs nicht geduldet, wie später auch nicht die Bilder des Impressionismus und anderer Kunstrichtungen. Meine Frage: Sind solche Bilder nicht ewig? Wann können sich Menschenwürde und Freiheit durchsetzen?

 

 

Meine Arbeit, mein Beruf


Millet - Mann mit Hacke
  Jean-Francois Millet  -  Mann mit Hacke 1863

 

Mit solchen Bildern von der Schwere und Armut bäuerlicher Existenz erhielt der französische Maler Jean-Francoise Millet schon früh den Ruf eines Sozialisten und Revolutionärs. Er wehrte sich vehement dagegen, er wollte wie andere Maler des Realismus seiner Zeit nur die Umwelt schildern - und die war zum Teil sehr arm.

Ein noch jüngerer Mann in Holzschuhen stützt sich auf seine Haue, steif und verspannt. Wie ein spitzes Dreieck steht er fest auf der umgestochenen Ackererde, Kopf und Blick nach vorne gewendet. "Wieviel ist noch zu tun?" Müdigkeit und Hitze - das Hemd und die Mütze liegen hinten am Anfang des Feldes. Dornen und Trockengräser sind vor der engen Grabunsfurche zu sehen - und links zurück, soweit das Auge reicht. 

Links hinten ist ein weit auseinandergezogener Erdhaufen, rechts ein quadratisch angelegtes Kornfeld, auf dem mehrere Strohhaufen verbrannt werden - in der heißen stehenden Luft steigen die Rauchfahnen gerade nach oben. Der Himmel verhangen grau, am Himmel mit dem Horizont verschmelzend. Farblich und symbolisch die Mitte des Bildes hängen die steifen Arme und die schwieligen Hände des Mannes herab, auf dem Handstiel der Hacke aufruhend. Die erdbraunen Hände deuten das ganze Bild. Das schweißtriefende Gesicht, sonnenverbrannt und ausdruckslos, so ist es, ja, weiter!

 

Meditation - Mein Protokoll

  • Arbeit ist schöpferisch: es entsteht Neues und Gutes und Schönes.
    Gott hat die Welt nicht fertig geschaffen, damit wir an ihr weiter bauen können.

  • Arbeit kann kreativ sein, besonders wenn man den Erfolg sieht und die Früchte der Arbeit genießen kann.

  • Arbeit muss heute oft für die anderen, die Gesellschaft gemacht werden, besonders wenn es um Hilfe, Dienst und Verantwortung geht.

  • Arbeit wird durch Freizeit ausgeglichen, vor allem wenn die Arbeit streng, eintönig und wenig attraktiv ist.

  • Arbeit ist schön, auch wenn man dabei eine Menge Freizeit verliert. 
    Arbeit hat Würde, Freizeit schafft Sinn und Freude.

  • Arbeit ist oft fremdbestimmt, hat ihre bestimmten Gesetze und fordert von uns Einsatz. Arbeit ist Arbeit - diesen Ausdruck könnte man auch richtig verstehen! Schon für die Kinder: "Also - ich muss jetzt zur Schule gehn!"

  • Arbeit schafft Freiheit und Sicherheit für die Familie, bringt das nötige Geld und sorgt für Selbstachtung. Arbeitslosigkeit wird zum größten Problem.

  • Arbeit hat Recht auf Anerkennung, vorenthaltenes Lob ist vorenthaltener Lohn, das gilt auch für Menschen mit Behinderung oder im Alter.

  • Arbeit wird nicht immer gebührend anerkannt, besonders wo kein Geld verdient wird, z.B. in der Familie, bei der Ausbildung oder als Senioren.

  • Arbeit gilt oft viel wegen Geld und Aufstiegschancen, bei innerer Neigung und einem guten Arbeitsklima, auch wegen Idealismus und Selbstverwirklichung.

     

    Ratschlag zur Meditation dieses Bildes


    Verlieren Sie sich nicht im Sinnieren über Arbeit und deren Sinn, vor allem nicht negativ in deren Schwierigkeiten. Ich sehe vor allem zwei Möglichkeiten.

    Zum einen könnten Sie doch das Bild oder noch besser ein einziges Symbol daraus zuhilfe, z.B. die Arbeitshände oder den Blick des Mannes (sein "G'schau" sagen wir in Südtirol). Was sagen die Hände, die Augen?

    Zum anderen können Sie ihre persönliche Arbeit anschauen, beruflich und sonst, und dabei zur inneren Motivation vorstoßen. Für wen, für was arbeiten Sie? Was gibt Ihnen Kraft?