Kirchenjahr - Weihnachten

 

Geburt Jesu Christi - Ikone
Ikone - Geburt Jesu Christi (russisch, 16. Jh.)


Meditativ einfache, lichtvolle Weihnachtsikone! Maria hat alles gegeben, sie hat Christus geboren. Sie ruht in Purpur auf einem roten, d.h. auf dem schönsten Bett, die Beine in den Purpur gehüllt, die Arme am Körper, den Blick auf Josef gerichtet.

 

Josef ist in Gedanken versunken, vor ihm der wie Papageno (Mozart)  gekleidete Versucher. Oder ist der suchende Mensch aus dem Kosmos? Oder der Prophet Jesaja „Die junge Frau wird empfangen und einen Sohn gebären…“?. Der Blick Mariens jedenfalls strahlt in der Mitte Sicherheit und Glauben aus.  Sie sucht Josef, um ihn und um uns alle zu überzeugen: „Heute ist der Heiland geboren!“

 

Paradiesische Bäume und Pflanzen sowie auch Tiere sieht man im Feld. Das Gebirge erhebt sich hinauf in den Himmel – aus dem Himmels-segment erscheint der Hl. Geist, der dreifaltig auf den Mittelpunkt der Erde weist: eine Höhle mit dem Kind in einer grabähnlichen Krippe. Ochs und Esel sind die einzigen Vertreter des Kosmos an Christi Grab! Christus ist geboren in jener Höhle, die unsere tiefsten Tiefen sind, wo Alpträume uns quälen oder Angst und Gewissensschuld. Dort erlöst und heilt er durch Tod und Grab unser Leben! Das ist das Innerste der Ikone, der Kern unserer Betrachtung!

 

Oben singen Engel das Lob Gottes in Ewigkeit, mit verhüllten Händen zum Zeichen der Ehrfurcht. Oben rechts wendet sich einer der Engel zur himmlischen Botschaft an die Hirten, in diesem Bild spärlich aber ausdrucksvoll dargestellt. Der Hirte rechts antwortet mit einem Posaunenstoß, dass die Paradiesespflanze sich wegbeugt. Wie auf der linken Seite die Weisen (Sterndeuter) mit ihren typischen babylonischen Mützen kommen auch die Hirten zur Krippe und beten an.

 

Unten rechts baden zwei Mägde das Kind – „Wahrhaft Mensch geworden“! – im Vordergrund die Amme Susanne, die schon das Kleid offen hat, um das Kind an die Brust zu legen.

 

Oft sind sekundäre Szenen eingefügt, vor allem über Johannes den Täufer. Das Wesentliche aber ist besser, es hilft uns zur Meditation: ohne Einzelheiten, ohne Worte, ohne Bild – das Kind lehre uns. 
 

 

Ein "klassisches" Bild der Anbetung - Brügge 1476

 

Hugo van der Goes, Anbetung der Hirten
Hugo van der Goes, Anbetung der Hirten, 1476 (253 x 304 cm, Uffizien Florenz)

Auftraggeber: Tommaso Portinari, Bankmann der Medici in Brügge

 

Stichworte zum Bild von van der Goes

 

Maria und Josef - anbetend.

Josef – Schuh:
       Anspielung auf Mose vor brennendem Dornbusch Hugo van der Goes Hirten

Kind im Strahlenkranz, am Boden - Krippe.

Stall und Stadt, offene Komposition.

Vorne Korn (Brot) und Blumen.

Engel rechts unten und oben links mit Brokatkleidern.

Alle Engel staunen und beten an!

Das Hirtenfeld (rechts oben).

Hirten aus dem Volk,
      sie hören, glauben, kommen, knien, beten an.

Ochs und Esel.

Säule links vorne. Landschaft hinten.

Perspektive (Größe, Farben, Bedeutung).

Augen, Gesichter und  Hände.

Licht und Schatten.

Kleider – Falten und Stoffe.

Stille – alles betet an.