Jesus Christus Pantokrátor      

 

Christus Pantokrator Ikone
Jesus Christus, griechische Ikone aus dem 15. Jahrhundert
 

Beschreibung der Ikone

 

Jesus Christus Pantokrator, der Allherrschende: das Urbild aller Ikonen. Durch die Menschwerdung ist Christus selbst das Wort und das Bild, das Wort der unaussprechlichen Geheimnisse und das Bild des unsichtbaren Gottes.

Wie durch das Vaticanum II die reale Gegenwart Christi im Wort wieder betont wurde, ist nach dem Bilderstreit im 8. Jahrhundert dasselbe für die reale Gegenwart im Bild geschehen. Beispiele noch heute bei uns: Gegenwart des Verstorbenen im Totenbildchen, erstes Foto bei Verliebten, persönliche Andenken. Die „inneren Bilder“, die uns zum Glauben und Leben führten und führen.

Inniger Zusammenhang mit dem Jesusgebet! Die Ikone besteht aus Bild und Wort (Inschrift). Kann man die Inschrift oder das Gesicht nicht mehr erkennen, wird die Ikone ausgesondert und „beerdigt“ bzw. für die Gewinnung der hl. Öle (Karwoche) verbrannt.

 

Allherrscher heißt auch Allerbarmer. Gott ist allmächtig, er braucht seine Macht nicht zu verteidigen, er kann deshalb gütig und barmherzig sein. Nur die kleinen Herrscher und Möchtegerne müssen sich dauernd in Szene setzen. Erhaben und ewig ist der Herr – der Faltenwurf des Kleides zeigt aber Lebendigkeit, Dynamik, Geschehen – und auch die Zeitlichkeit der Inkarnation.

 

Von den Buchinschriften auf den Ikonen (sie konnten meist frei gewählt werden!) sind vor allem zu nennen:

1.  „Kommt zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, die ihr unter Lasten stöhnt“ (auf den allermeisten russischen Ikonen, erklärt die Dulderkraft des einfachen Volkes).

2.  „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (auf den allermeisten griechischen Ikonen, erklärlich aus der antiken philosophischen Vergangenheit).

 

Der Goldgrund: bedeutet Ewigkeit, Zeitlosigkeit, Vollkommenheit, Göttlichkeit. Christus kommt aus der Ewigkeit auf uns zu, grundsätzlich, immer und überall (deshalb gibt es nie eine Landschaft als Hintergrund auf klassischen Ikonen, wohl aber Berge, Wüste, Gebäude.). Erst ab 1650, vor allem nach Peter dem Großen (um 1700) gibt es westlich beeinflusste Ikonen, die aber von den Altgläubigen heftig abgelehnt wurden (Kirchenschisma bis heute!).

 

 

Noch drei Beobachtungen:
 

1.     Die Schrift im Heiligenschein verrät ziemlich sicher, ob es sich um eine griechische oder russische Ikone handelt. Die Griechen schrieben und schreiben die Buchstaben O WH   (gelesen „ho Ohn“ = der Seiende) von links durch den Nimbus nach rechts, die Russen von oben nach unten. Der Artikel „ho“ steht also bei griechischen Ikonen auf der linken Seite des Heiligenscheines, bei russischen aber oben.

2.     Der Kreis des Heiligenscheines sprengt das Viereck (betont durch den Kovtscheg, durch die etwa 2 bis 3 mm Vertiefung des Feldes der Maltafel - bei griechischen Ikonen eher selten): das Viereck ist der Acker des Lebens, der Kreis ist das Zeichen der Unendlichkeit und Ewigkeit, des Heils und der Gnade. Fenster zur Ewigkeit. Oft ragt deahalb der Heiligenschein oben sogar in den Rand hinein - was die Figur noch mehr hervortreten lässt.

3.     Die Griechen malen mit festeren, pastösen Farben (Ei-Emulsion und jeweils weniger Wasser), daher an der senkrechten Staffelei. Die Russen malen plav oder naliv, das ist "schwimmend" mit Farben, die sie sehr flüssig anmachen. Bei dieser unserer Ikone sieht man deutlich die Aufhellungen der Kleider in drei bis vier Schichten - das Gesicht allerdings wirkt durch die Feinheit fast russisch.
 

 

 

Die Symbolik der Farben:
Jesus ist von Ewigkeit Gott und in der Mitte der Zeit Mensch geworden (Kleider innen am Leib mit göttlichen Farben rot/weiß/gold, außen irdische Farben blau/grün/braun); bei Maria umgekehrt (sie ist ganz Mensch und von der Gnade erwählt – Purpurmantel). Das Geheimnis der Menschwerdung, die inkarnatorische Botschaft für unser Leben.

Die Farben bestehen aus zu Staub zerriebenen Erden und Mineralien, das Bindemittelist Eigelb: Symbolik des Geschöpflichen, des Österlichen, Lebendigen.

 

Der Heiligenschein:
zugleich Jesusaussage und unser Bekenntnis. Die drei Buchstaben im Heiligenschein O W H (griechisch „Ho Ohn“, der Seiende, der für dich da ist). Also ein Bezug auf den heiligsten Namen „JE-SUS“ (Je-schua), in dem zwei Aussagen enthalten sind: JHWH („Je-„ - also „Ich bin für dich da“) und „-schuà“ (stützt, hilft).
Das Kreuz im Nimbus verstärkt die Aussage: Gott mit uns, bereit zu stützen, in Zeit (Kreuz; Leid, Schuld) und Ewigkeit (Kreis, Mittelpunkt zwischen den Augen im „Gesichtspunkt“).  

 

Wortbedeutung von Christus = Messias: „Gesalbter“ (Partizip passiv, griechisch von chríëin, hebräisch von maschàch) als König, Priester, Prophet. Gesalbt also für den Dienst, als Erlöser und Heiland.

 

Inschrift JC XC und orthodoxes Kreuzzeichen: siehe links.

 

Ohne Augen - unleserlich?


Für den orthodoxen Christen ist real gegenwärtig, wer oder was in der Ikone abgebildet ist. Durch die Menschwerdung ist Christus selbst Wort und Bild, das Wort der unaussprechlichen Geheimnisse und das Bild des unsichtbaren Gottes. Der tief gläubige Christ verehrt also jedes religiöse Bild, auch ein flüchtiges Zeitungsbild, und er wirft z.B. ein zerbrochenes Kreuz nicht in den Müll. Ähnlich spüren auch wir: die Gegenwart des Verstorbenen im Totenbildchen, erstes Foto bei Verliebten, persönliche Andenken.

Die Ikone besteht aus Bild und Wort (Inschrift). Kann man die Inschrift oder das Gesicht nicht mehr erkennen, wird die Ikone ausgesondert und „beerdigt“ bzw. für die Gewinnung der hl. Öle (Karwoche) verbrannt. Die Bilderstürmer (z.B. auch bei der französischen Revolution) haben den Bildern deshalb immer zuerst die Augen und das Gesicht zerkratzt oder den Statuen den Kopf abgeschlagen – damit war das Bild gestorben.

 

Die Ur-Ikone "Christus Pantokrator" vom Sinai

Enkaustische Ikone - Sinai 6. Jhd.

 

Christus Ikone Sinai

Die Christusikone vom Katharina-Kloster am Berg Sinai ist eine der wenigen, die den Ikonenstreit des 8. Jahrhunderts im christlichen Osten überlebt hat. Die Macht von Byzanz sowie der Vormarsch des bilderlosen Islam rechten nicht bis ins hoch gelegene Katharinenkloster auf der Sinai-Halbinsel.

Die Ikone wurde vor anderthalb Jahrtausenden in Wachstempera gemalt, d.h. dass als Bindemittel für die Farbpigmente heißes flüssiges Wachs verwendet wurde. Diese aus dem späten Ägypten stammende Technik widersteht allen äußeren Einflüssen - bei einem Brand brennt als Letztes das Ikonenbrett, während die Malschicht nur durch Steine oder Mauerwerk vernichtet wird. So werden tatsächlich oft in der Brandasche alte Ikonenblätter gefunden („Wunder“).

Was bei dieser Christus-Ikone am meisten beeindruckt, sind die Frische der Farben und der Naturalismus z.B. bei der Darstellung des Gesichtes. Sonst sind bereits die Stola, die namenzeichnende Handhaltung sowie die Inschrift im Nimbus vorhanden und erhalten. Gewaltig das Buch in seiner Linken - Wort und Bild! Welchen Eindruck müssen solche Bilder auf nicht kulturverwöhnte Menschen sowie auf Priester und Mönche gemacht haben!