Robert Delaunay - Saint Séverin

 

Delaunay - Saint Séverin

Delaunay - Saint Séverin (1909)

 


Ein Bild von einer großen Einheit in Gegensätzen. Eine gotisch hinaufstrebende Architektur mit asymmetrisch laufenden Linien. Die Augen müssen sich an die schiefen Säulen erst gewöhnen. Es ist natürlich nur der Eindruck des Malers, der dies so sieht. Eine starke Bewegung zieht nach oben, wo das Bild angeschnitten ist. Ein Basis-Höhenverhältnis von eins zu fünf. Der Boden gerät bei längerer Betrachtung in Bewegung, wie Sand- oder kleine Erdhaufen sieht er aus und man kann sich diesem Eindruck nicht mehr entziehen. Auffallend das Schattenspiel der Pfeiler am Boden rechts sowie der scharf eindringende Lichtstrahl am Boden links.
 

Ein Spiel von Hell und Dunkel. Rechts zwischen dünnen Säulen bzw. Pfeilern eindringendes mildes Licht, links konkav erhöhte Säulenbündel in strahlendem Lichtglanz. Im Hintergrund eine Rundkapelle, deren Gewölbe durch eine einzige Säule getragen wird. Vorne Licht von einem angedeuteten Kirchenfenster, im Hintergrund ein Fenster ohne Lichteinfall. Überall ein einfarbiges, ernstes Licht mit farbigem Schatten, im Gewölbe in blau übergehend.
 

Meditation - mein Protokoll


„In diesen heil’gen Hallen kennt man die Rache nicht“ (Mozart, Zauberflöte, Sarastro’s Arie der Freimaurerei): Wer könnte nicht Musik hören in diesem erhabenen Raum? Ich jedenfalls höre eine Choralschola mit zeitlosem Gesang. Ich höre eine Orgel mit brausendem Plenum. Ich höre die Farben ihrer Flöten, Zungen und Mixturen. Ich habe jetzt Zeit, ich komponiere, ich schaue und höre, ich rieche Blumenduft und schmecke Gewürze. Der lyrische, warme und charakterstarke Klang der Holzblasinstrumente macht träumen. Ob in diesem Hell-Dunkel auch Trompeten und Posaunen bestehen? Schlaginstrumente nicht. Wohl aber Volksgesang – nur wo ist das Volk?
 

Wo ist Christus in diesen Hallen? Hat er sich verborgen? Sind Altar und Tabernakel aus der Rundkapelle im Hintergrund entschwunden? Gottes Wort könnte in diesem Raum nur gelispelt werden. Und hätte das Kirchenvolk Platz, könnte sich eine Prozession entfalten? Offene Fragen, die sich stellen – denn das Grundgefühl in diesem Raum ist wohl noch die unerlöste Höhle archaischer Zeiten. Die Höhle gibt Schutz wie der Mutterschoß, aber ist auch voll Gefahr und Drachen.

Das obige Bild von Delaunay kann meiner Erfahrung nach einen gewaltigen Eindruck vermitteln, es ist wie ein Wendepunkt hin zur christlichen Auffassung eines Tempels:  Durch die Taufe wohnt Gott im Herzen und in den Taten des Gläubigen, zur Feier des Glaubens braucht es aber einen Versammlungsraum. Dieser wird je nach Zeit und Kultur festlich gebaut und gestaltet, aber ein Tempel mit Cella für die Gottesstatue ist er nicht.

Im Rundbau, der im Hintergrund des Bildes von Delainay angedeutet wird, ist offenbar die heidnische Götterstatue verschwunden, die mittlere Säule ist jetzt Christus, der die Kirche stützt. Die Kirche aus lebendigen Steinen ist erst im Aufbau – am Boden hat die Arbeit bereits begonnen. Ich mag das Bild und es hat eine große Botschaft für mich, da wird nichts abgerissen oder groß verändert, aber es wird neues Leben in diese Hallen kommen.

 

Claude Monet
Rouen, Kathedrale Notre Dame (1992-1994)
Berühmte impressionistische Bilderserie

 

Rouen Kathedrale Monet

Die Kathedrale von Rouen -
so heißt eine 33 Gemälde umfassende Bilderserie von Claude Monet, die zwischen 1892 und 1894 entstand. Diese Bilderserie gehört zu den spannendsten, auffälligsten und überzeugendsten Studienserien der Malerei. Unter schwierigsten Umständen, auch unter Selbstzweifeln, rang der Künstler um die Darstellung seiner Überzeugung: vom selben Haus aus malte er sich fast zum Umkommen, schnell mit kurzen Farbstrichen um das wahre Licht ringend.

20 Jahre nach seinem bahnbrechenden Bild "Impression - Sonnenaufgang über dem Hafen von Le Havre" wollte es Monet ganz genau wissen: er verzichtet auf alle Maldogmen seiner Zeit, auf Komposition und Perspektive, auf Form und Gegenstandsfarbe, er konzentriert sich nur mehr auf den atmosphärischen Eindruck des Augenblicks, das Spiel von Licht und Luft in der sich ändernden, flimmernden Tageszeit.

 

 

 

 Monet Rouen am Morgen  Rouen Kathedrale Sonnenschein Monet
Monet - Rouen in Morgenstimmung                   Kathedrale Rouen im Sonnenschein
 

 

Monet Kathedrale Rouen Sonnenuntergang  Rouen Kathedrale in heller Nacht

Monet - Rouen bei Sonnenuntergang               Kathedrale Rouen in heller Nacht  


Der neue Blick -
ein neues Schauen und Sehen -
Impressionismus.


Siehe Webseite  Monet - Kathedrale von Rouen