Heiliger Wundertäter Nikolaus von Myra



Nikolaus von Myra - Ikone
Hl. Nikolaus, Ikone aus Russland, ausnahmsweise signiert mit  "Aleksa Petrov 1294"
Auf Ikonen meist mit der Inschrift im Vokativ benannt: O Nikolaus (hilf mir)!
 

Ein ungewohntes Bild des heiigen Nikolaus, in individueller Zeichnung und frischen Farben, mit kreuzgeschmücktem Pallium und Evangelienbuch.Auf roten Polstern (also nicht auf Erden, sondern im Himmel!) Jesus mit dem Wort Gottes und Maria mit dem Tuch, die Tränen zu trocknen - in Umkehrung der Deesis wenden sie sich dem Heiligen zu, um ihn in seiner Fürbitte für die Notleidenden zu erhören. Die Legende bezeichnet ihn als einen temperamentvollen Streiter und zugleich als einen Mann, der geschickt war zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen.

Oben am Rand der Altar, die Erzengel Michael und Raphael, Apostel und viele Heilige. Unten die Vita, die Lebensbeschreibung, die hauptsächlich aus Wundertaten besteht. Auffallend die dunklen Kleiderfarben auf dieser alten Ikone. Auffallend immer bei Nikolaus die hohe, faltengezeichnete Stirn mit einer Stirnlocke ("Predigertschopf" - eigentlich ein eitler Schmuck). Klein der Mund und groß die Ohren, denn Nikolaus hört und erhört! Allerdings nicht typisch der nach außen gelenkte Blick, wahrscheinlich ging er hin zu einer Ikone des Christus Pantokrator in der Mitte der roten Ecke im Südosten der Bauernstube, denn es handelt sich hier wohl um eine Familienikone mit allen ihren Liebingsheiligen.

 

Nikolaus und die drei Mädchen

 

Nikolaus und drei Mädchen goldene KugelnDie drei goldenen Kugeln oder Äpfel in der Darstellung des Wundertäters Nikolaus erzählen vom Geldgeschenk, das er als Mitgift für eine standesgemäße Hochzeit heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, um zu verhindern, dass der arme Vater seine drei Töchter zur Prostitution hergeben musste.


Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich auch bewahrheitete. Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

 


Nikolaus hilft SeeleutenUm ein in Seenot geratenes Schiff mit drei Pilgern zu retten, die von Ephesus ausfuhren und das für eine christliche Kapelle bestimmte heilige Öl in den Diana-Tempel zurückbringen sollten, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. Er wurde zum wichtigsten Patron der Seeleute!

 

Nikolaus lernte drei oströmische Feldherren kennen, die er zu sich einlud, um sie zur Verschonung der bedrohten Stadt Myra zu gewinnen. Sie wurden Zeugen, wie der Bischof drei unschuldig zum Tod Verurteilte vor der Hinrichtung bewahrte, indem er dem Scharfrichter das Schwert aus der Hand schlug. Zurück in Byzanz wurden die drei Feldherren Opfer einer Intrige und selbst zum Tod verurteilt. Im Kerker erbaten sie die Hilfe des Nikolaus, der daraufhin dem Kaiser und dem Intriganten im Traum erschien. Zutiefst erschrocken veranlasste der Kaiser die Freilassung der Feldherren.


Nikolaus Wundertäter drei ScholarenDrei Scholaren (wandernde Studenten) waren nach Athen unterwegs und nahmen Quartier in einem einsamen Gasthof in der Nähe von Myra. Der Wirt, der Wertsachen bei ihnen vermutete, ermordete die drei. Um die Leichen loszuwerden und zudem noch einen Gewinn zu machen, zerschneidet er die Leiber und pökelt die Fleischbrocken in einem Fass ein. Am Morgen danach erscheint der Heilige Nikolaus in dem Gasthaus. Er verlangt Pökelfleisch und deckt das Verbrechen auf. Auf seine Fürbitte werden die drei Studenten von Gott wieder zum Leben erweckt.

 


Am Abend vor dem Nikolausfest (6. Dezember) stellten Kinder ihre Stiefel, Hausschuhe oder Strümpfe vor die Tür. Diese wurden über Nacht von Nikolaus mit Süßigkeiten gefüllt. Schon Martin Luther übte in seiner Familie - mit Widerwillen - die Beschenkung der Kinder am Niklausabend, hätte das Schenken allerdings gerne dem Christkind zu Weihnachten übertragen. Heute ist die Furcht vor dem höllischen Krampus gewichen, zu dem Knecht Ruprecht im Dienst des Nikolaus geworden ist. Das Moralisieren beim Besuch des Nikolaus in der Kinderstube ist geblieben, aber auch die grenzenlose Zuneigung der Kinder (oder der Insassen im Altersheim!) zur Vater- und Bischofsfigur Nikolaus.


"Die Legende ist wirklicher als die Wirklichkeit selbst."

Johann Wolfgang von Goethe