Franz Marc - Das blaue Pferd

 

Marc - das blaue Pferd
Franz Marc, Das blaue Pferd (1908)


Der bedeutende Maler Franz Marc (+ 1916 in der Schlacht von Verdun) war eine Zeit lang in die Tierwelt verliebt. Er bemühte sich vor allem, die Tiere nicht aus der Sicht des Menschen, sondern ganz aus der Erlebniswelt des Tieres zu sehen, verstehen und zu malen. Das Gefühl des „animalischen, reinen Tieres“ erregte im Künstler warme Gefühle.

Wie ein Kinderbild (unwiderstehlich vor allem für jedes Mädchen) steht ein blaues Pferd vor uns, in der Bedeutungsperspektive den Rahmen ausfüllend, über alle Berge und jede Natur erhaben. Etwas kantig und ungelenk steht es auf seinen vier Beinen, das vordere rechte etwas ausgelegt zu einer neuen Bewegung, den Kopf leicht zur rechten Seite geneigt. Es schaut nachdenklich nach unten, ganz in sich gekehrt mit halb geschlossenen Augen.

Eine feine Farbperspektive vom Vorder- in den Hintergrund, alles im Bild wirkt dreidimensional. Die Hügellandschaft in symbolischer Farbgebung, eine ausnahmsweise gegenstandsgrüne fette Pflanze im Vordergrund mit einem geknickten und einem hoch aufragenden Blatt. Oben ein rötlicher Himmel wie an einem neuen Morgen. Dünner und ergiebiger Farbstrich, der die Leinwand sichtbar einbezieht.

Pferde sind nicht blau, das starke und ruhige Tier präsentiert sich hier aber in symbolischer Farbgebung, die Erscheinungsfarbe ist ganz der von innen strahlenden „Wesensfarbe“ gewichen. Dasselbe sehen wir im Hintergrund vom Himmel bis zu den Hügeln, vom Standort der Hufe bis zu den ganz dunklen ultramarinblauen Hufen und der Mähne.  Wahrhaftig ein harmonisch kräftiger Farbklang für ein in Solo auftretendes königlich-himmlisches Tier.

Das Pferd blickt nicht aus dem Bild hinaus, es sinnt nach. Worüber – das erschließt sich uns in der Meditation. Das Bild ruht in sich, nirgends ist es angeschnitten. Das Pferd könnte traben und galoppieren. Ein Kind könnte es führen, aber auch  einen Reiter querfeldein tragen. Die ausstrahlende Ruhe sowie die Bereitschaft und Unbefangenheit, sich auf neue Abenteuer einzulassen, kommt von der Situation des Malers. Er lebte damals frei von den ärgsten Finanzsorgen und hatte die erste Anerkennung seines künstlerischen neuen Weges erfahren. Vor allem aber war es wohl die Freundschaft mit den Malern im „Der Blaue Reiter“, Wassily Kandinsky vor allem, die ihm einen geradezu prophetischen Auftrieb gab. Es ging damals um eine epochemachende Wandlung der Kunstentwicklung, die geradewegs zur abstrakten Malerei führte. Sein früher Tod 1916 auf dem Schlachtfeld von Verdun war ein unschätzbarer Verlust für die deutsche und internationale Entwicklung der Kunst.

 

 

Meditation (mein Protokoll)


Während der Meditation werden vor uns bekannte Bilder auftauchen, von Pferden auf der Weide, von Reitern und Rittern. Erst unter Kaiser Karl dem Großen (um 800) wurde das Pferd als Arbeitstier eingesetzt, vorher war es Rittern und Soldaten vorbehalten.

So habe ich mit 14 Jahren beim Häufeln unter den Reb-Pergeln noch ein Pferd geführt, barfuß, mit Kraft am "Dschingele" (Strick), dass es nicht ständig mit dem Kopf oben an die Trauben stoße. Noch Franziskus (+ 1226) verbot seinen Minderen Brüdern den Besitz oder Gebrauch eines Pferdes. Noch heute gilt das Pferd als Symbol des Hoheitsvollen und Hochherzigen, des würde- und weihevollen höchsten Adels unter den Tieren.

Dazu kommt für unsere Betrachtung der Eindruck von Ruhe und Selbstvertrauen in dem Bild aus der Zeit einer künstlerischen und auch gesellschaftlichen Zeitenwende. So kann uns das „Blaue Pferd“ (wer denkt nicht an die „Blaue Blume“ der Romantik?) begeistern wie ein Kind, anfeuern wie einen Ritter, überzeugen wie einen sportlichen Pferdehalter.

All unsere seelischen Kräfte, Idealismus und auch Depression, sind in der Geborgenheit dieses Bildes versammelt, das uns wie der bestmögliche Zuspruch als Leitmotiv durch den Tag in die Zukunft führen kann. 

Wir kraulen das Pferd an der Mähne und fragen das Pferd: "Wie heißt Du? Was denkst du jetzt? Aus welchem Stall kommst du? Wo wirst du deine Kraft auslassen? Ich bin noch nie geritten, doch jetzt nimm mich mit - mit dir …!“ 

 

                   Franz Marc, Die gelbe Kuh (1911)

 

Marc - die gelbe Kuh

 

Franz Marc wollte sich bei seinen Naturbildern ganz in die Erlebniswelt der Tiere einfühlen. Doch verband er damit bald auch  eine tiefe Symbolik.

Die Farben in diesem Bild sind symbolisch, gelb war für ihn die Farbe des Lebens, mütterlich und kraftvoll.

Und erst der Sprung der Kuh: die Hinterbeine in der Luft und die Vorderbeine geradezu athletisch landend, glutrot die landschaftliche Umrandung des Tieres, Kopf und Schwanz in Ekstase. Eine Botschaft von Kraft und Energie, die übrigens der Künstler damals seiner Frau gewidmet hat.