Marc Chagall - Weiße Kreuzigung

 

Chagall Weiße Kreuzigung
Marc Chagall, Weiße Kreuzigung, 1937
 

 

Jesus Christus: er trägt ein jüdisches Kopftuch – die beiden Hände betend ausgestreckt im "Tau" (letzter Buchstabe in Hebräisch, also "für alle") – Lendentuch (jüdischer Gebetsschal) – hebräische Inschrift – Leiter (Jakobsleiter, Gottvertrauen).

Über dem Kreuz: Die Urväter Abraham, Isaak und Jakob sowie Rahel klagen und weinen über die Schoáh (Horror) und die Kinder „ und wollen sich nicht trösten lassen, denn sie sind nicht mehr.

Zu Füßen des Kreuzes die siebenarmige Menóra (Sabbatleuchter) – das "Ewige Licht“  erleuchtet das weiße Kreuz bis zum Bildrand oben rechts (oben und rechts ist die „gute, göttliche“ Seite). Ein Osterlicht in Kreuz und Leiden!

Oben links und rechts - Die Opfer des Kommunismus hinter dem Zaun des "Schtädtels" – brennende Dörfer – Bootsflüchtlinge –  geschändete Synagoge – das Heiligste im Schmutz. Heute schon fast unglaublich - der linke und rechte Terror des 20. Jahrhunderts mitten in Europa!

Friedlich inmitten der Häuser von Witebsk eine Familie,  vielleicht Chagall selber mit den Seinen. 1917 erhoffte sich der Maler Freiheit und arbeitete selbst für Solidarität mit den Entrechteten – aber schon Monate später verließ er enttäuscht das Land. Und so passiert dasselbe in vielen Ländern und Städten, überall auf allen Kontinenten.

 

Ganz unten links - Ein Mann rettet die Thorarolle, der Häftling aus dem KZ, der weinende Rabbi.

Ganz unten rechts - Der ewig fliehende Jude (Ahasver) – brennende Gottesbücher –  Frau mit Kind (Zukunft). 

Oben dringen Fremde ein in das Bild, um zu zerstören, unten verlassen es die Glaubenden fluchtartig nach außen.

Kein Zuhause, Flüchtlingsschicksal. Die ruhige, erhabene Haltung des Gekreuzigten sticht wohltuend ab von der Unruhe des Geschehens im Hintergrund.

 

 

Papst Franziskus hatte schon in Argentinien diese "Ikone des Gekreuzigten" als Andachtsbild auf seinem Schreitisch stehen. Es ist auch heute noch sein Lieblingsbild. 

Mit ihm vergessen auch wir nie die Opfer von Gewalt und Terror, die Opfer der Schwachen, Frauen, Arbeitslosen, der Eltern mit ihren Kindern, der benachteiligten Völker. Jesus Christus gekreuzigt von Sündern und für die Sünder!

 

 


Allein den Betern

Sonett von Reinhold Schneider (1936)

 

Allein den Betern kann es noch gelingen,
das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
und diese Welt den richtenden Gewalten
durch ein geheiligt Leben abzuringen.

 

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen wird sich wieder spalten,
was sie erneuern über Nacht veralten,
und was sie stiften Not und Unheil bringen.

 

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
indes im Dom die Beter sich verhüllen.

            Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
            und in den Tiefen, die kein Aug' entschleiert,
            die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.


 

Dieses Gebet wurde während des 2. Weltkrieges oft von Hand vervielfältigt und besonders den Soldaten sowie religiös- und freiheitliebenden  Menschen weitergereicht.

Ostern – Sterben und Leben

 

„Im Tode bezwang er den Tod“ – so spricht die Ostkirche das Ostergeheimnis aus. Der Tod ist bezwungen, aber nicht tot. Der Tod ist noch da und verrichtet täglich sein Werk. Leid und Tod gehören zur Schöpfung der endlichen Dinge, vor allem des Menschenlebens.

    Die Endlichkeit, die Gebrechlichkeit aller Geschöpfe zeigt sich in dem ungleichen Kampf um Leben, Liebe, Glück, um einen Platz an der Sonne. 

    Der kleinste Wurm, die Mücke, die Blume zeigt es uns. Wir kämpfen und siegen, aber wir sterben auch oft eines kleinen Todes. Der letzte Tod fasst die vielen kleinen Tode unseres Lebens zusammen.

    Mit Gottes Hilfe haben wir im Leben gegen Gebrechlichkeit und Anfeindung gekämpft, beim letzten Tod kämpft Christus für uns! 

    Ob wir dann erfahren, warum der Tod „bezwungen“, aber eben nicht tot ist? Warum gibt es Leid und Schuld in einer vom allmächtigen Gott erschaffenen und vom allbarmherzigen Herrn erlösten Welt?

    Christ allein ist vom Tod erstanden, halleluja!