"Du bist mein geliebter Sohn" - Taufe Jesu

 

Letzter Sonntag der Weihnachtszeit:
Fest der Taufe Jesu

 

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa
und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete
und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.

Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
Mk 1,9-11

 

Taufe Jesu - Ikone
Taufe Jesu, alte russische Ikone

                                              

Ein einfaches, religiös tief empfundenes Bild ist uns zur Meditation gegeben. Auf das Wesentliche beschränkt, mit großer Ehrfurcht gemalt. Jesus steht im dunkeln Wasser, oft sind Dämonen darin zu sehen. Das Wasser des Jordan wie ein flüssiges Grab, das die Form einer dunklen Höhle hat, die ihrerseits das ikonographische Zeichen für den Hades, die Unter­welt, die Hölle ist. Das Hinabsteigen Jesu in dieses flüssige Grab, in dieses Inferno, das ihn ganz umschließt, ist  Symbol seines Abstiegs in die Unterwelt. Der Kirchenvater Johannes Chrysostomus schreibt um 400: "Untertauchen und Auftauchen sind das Bild für Abstieg in die Hölle und Auferstehung." Erst in den westlichen Kirchen bekam das Wasser die Kraft der Reinigung (von Sünden), sozusagen frisch und sauber wie ein Bad – beide Deutungen schenken uns Leben, Vertrauen und Freude, Glaube Liebe Hoffnung.

Johannes tauft und hat in der Rechten das geschriebene Wort Gottes, das er Jesus übergeben wird. Eventuell ist es auch das Bekenntnis des Johannes selber, das er überreicht: Kehrt um und bekehrt euch! Ich muss abnehmen, er aber zunehmen – das Lamm Gottes! Er wird mit Geist und Feuer taufen – am Pfingstfest! Auf den Ikonen, den Bildern des unsichtbaren Gottes, ist immer auch das Wort der unaussprechlichen Geheimnisse Gottes genannt. Seit dem letzten Konzil hat unsere katholische Kirche das Wort Gottes wieder entdeckt, und zwar nicht nur in der Form des Dogma und der moralischen Vorschrift, sondern den reich gedeckten Tisch des Wortes neben dem Tisch des Altares. Die Entdeckung des Bildes gelingt uns leichter als den Juden, Moslems und der evangelischen Kirche, es könnte aber noch viel Tiefe, Wärme, Schönheit, Farbe und Form gefunden werden. Das Bild wendet sich an das Gefühl, was die Liebenden schätzen, die Kinder, die Begeisterten in Arbeit und Sport, die Frauen und auch die Männer mit großem Herzen.

 

Der Himmel öffnet sich und zeigt den Geist Gottes im Symbol der Taube. Die Engel halten Badetuch und Kleid bereit und beten an. Und das göttliche Geschehen vollzieht sich in der tiefsten Wüste, nicht im Tempel oder in der Stadt, nicht daheim oder draußen in der Natur, sondern an einem Wüstentag im Jordanfluss. Bei der Taufe eines jeden Menschen öffnet sich der Himmel und der Geist Gottes schwebt über die ganze Familie herab und Gottes Stimme ist zu hören: „Dies ist mein viel geliebtes Kind!“ Welch ein Trost für Eltern, die ihre (großen) Kinder nicht verstehen – auch zu ihnen hat Gott seine Liebeserklärung gesprochen, und Gott ist treu – wie der barmherzige Vater beim „verlorenen“ Sohn.

 

In späterer Zeit sah man im Jordan auch das Rote Meer abgebildet, durch das die Israeliten den Ägyptern entflohen. In den Gesängen der Ostkirche heißt es an diesem Tag:  "Der Jordan wich damals zurück wie vor dem Mantel des Propheten Elischa. Die Wasser teilten sich und gaben einen trockenen Weg frei durch das Rote Meer als wahrhaftiges Bild für die Taufe, durch die wir die Straße des Lebens durchschreiten".

 

Erscheinung des Herrn vor den Völkern, Taufe Jesu und Anfang seiner Zeichen bei der Hochzeit zu Kana bilden in der Ostkirche eine weihnachtliche Einheit. Alle drei „Wunder“ haben österlichen Charakter, ein richtiges Osterfest im Winter! Während im Osten „Tod und Auferstehung“ das innerste Mark des Kirchenjahres bilden, ist es Westen immer mehr die “Menschwerdung Gottes“ geworden. Wenn bei Christen heute das Glaubenslicht erlöscht, sind es noch die Kerzen am Weihnachtsbaum, reines Gefühl, vielleicht doch eine Ahnung von einem offenen Himmel.

 

Troparion zur Taufe Jesu


Als Du im Jordan getauft wurdest, o Herr,
wurde offenbar die Anbetung der Dreifaltigkeit.
Denn des Erzeugers Stimme
gab Dir das Zeugnis
und nannte Dich den geliebten Sohn.
Und der Geist in Gestalt einer Taube
verkündete des Wortes Untrüglichkeit.
Der Du erschienen bist, Christus, als Gott,
und die Welt erleuchtet hast,
Ehre sei Dir.