Ikone - Darstellung Jesu im Tempel

 

Darstellung Jesu - Ikone

Darstellung Jesu im Tempel, russische Ikone um 1800

 


Diese herrliche Ikone ist vor 200 Jahren im Künstlerdorf Palech am Heiligen Ring von Moskau gemalt worden. Überbordende Tempelformen beleben den Hintergrund. Nach außen sieht man noch die Stadtmauer, nach innen die von sechsflügeligen Seraphim (eigentlich müssten es Cherubim sein) bewachten Bundeslade vor dem Vorhang. Rechts aus dem Vorhang im Hintergrund hervor wird der Tempelpriester treten, hin vor das Ehepaar Josef und Maria und die Gaben in Empfang nehmen. Der Erstgeborene wurde nach dem Gesetz Gott geweiht – deshalb wird er durch das symbolische Opfer von zwei Tauben wieder als Eigentum der Eltern ausgelöst. 

 

Jedem Mädchen und jeder Frau wurde nach der Geburt eine „Zeit der (kultischen) Reinigung“ zugesprochen, während der sie unter Schutz stand und sich ganz dem Kind widmen konnte. In der Tradition trat sie mit einem Kerzenopfer vor dem Priester gesellschaftlich wieder ein mit allen Pflichten einer Mutter.
 

Daraus entwickelte sich in der katholischen Kirche der Ritus des „Aussegnens“ der Frauen nach ihrer Geburt. Dies wurde nicht immer so froh und stolz erlebt wie in meiner Familie, wo ich bei der Aussegnung meines jüngsten Bruders dabei war und die Kerze hielt, ich spüre noch heute den Stolz und den Dank unserer Mutter für ein gesundes Kind.

 

 

Simeon und Hanna - Ikone

Die Prophetin Hanna sagt über Maria: 

"Auch deine Seele wird ein Schwert durchdringen!"

 

Simeon und Hanna 


Die Inschriften dürften eigentlich nicht im Heiligenschein stehen, sondern daneben wie beim Jesuskind – Simeon und Hanna sind ein Seniorenpaar in alter Zeit. Sie gehören nicht zusammen, doch lebten sie ihr Leben „in der Kirche und auf dem Friedhof“, das heißt in den Tempelhallen. Und jetzt geschieht das Wunder – Begegnung! In den zwei alten Menschen begegnet Jesus seinem Volk mit einer doppelten Botschaft: er ist das Heil, das Gott vor den Augen aller Völker bereitet hat, und vor zugefügtem Leid und erduldeter Schmach wird seiner Mutter ein Schwert in die Seele dringen. Das steht Jesus vor Augen, auf Pergament geschrieben. Vor 60 Jahren wurde das Fest „Maria Lichtmess“ wieder als Herrenfest eingestuft, denn der Herr steht hier in der Mitte der Betrachtung.

 

Wer in der Bibel eine Schriftstelle für Senioren sucht, findet kein schöneres Beispiel als dieses. Hier geschieht Begegnung zwischen alt, erwachsen und jung, zwischen Senioren, Eltern und Kind. „Begegnung“ heißt das Fest in der Ostkirche! Das Verhältnis der Generationen in alter Zeit war einerseits problematisch, andererseits erfüllt und zufrieden nicht anders als heute. Simeon und Hanna geben ein Beispiel dafür: sie sind voller Glaubenskraft und Hoffnung, weltweit denkend an „das Heil der Völker“ und an den Segen für Israel, Simeon umfängt das Kind und Hanna umarmt Maria und spricht Josef an, er muss aufpassen auf seine Familie. Wo Menschen so gelungen und glücklich sind, sprechen wir von Engeln und daheim bei ihnen ist ein Paradies.