Klöster der Bettelorden - Kapuziner

 

Franziskus (gestorben 1226) leitete mit seiner charismatisch radikalen Lebensweise etwas vollkommen Neues, Alternatives und Modernes in der Kirche ein. Am liebsten hätte er keine Ordensregel mehr, das Evangelium genügte. Auch keinen Ordensoberen, der hl. Geist war seine oberste Autorität. Und er wollte keine Klöster mehr, sondern "Orte", wo sich die Brüder jeweils befänden.

Die Bewegung des Poverello von Assisi umfasste bereits zu seinen Lebzeiten Menschen aller Stände, Berufe und Lebensweisen: innerhalb und ausserhalb der Kirche. Franziskus hat diese Kirche ebenso bejaht wie er in ihr einen ganz neuen Weg zu gehen wagte. Seine Kunst, Mystik und Politik zu verbinden, den inneren Reichtum aus Tradition und grösserer Gemeinschaft auszuschöpfen und zugleich der Inspiration jedes einzelnen zu trauen, lässt die franziskanische Bewegung kirchlich, sozial und politisch in jeder Zeit neu innovativ werden.

Die Brüder Franziskaner verbreiteten sich vor allem in den Städten mit einer unglaublichen Dynamik. Ihre Botschaft verkündeten sie vor allem durch ihre Predigttätigkeit. So wurden ihre Hallenkirchen gerade in vielen deutschen Städten neben dem Dom zum großten Baudenkmal der Stadtsilhuette. Dieser Einsatz erforderte nicht nur Energie, Einsatz und finazielle Mittel, er forderte auch immer wieder Brüder und ganze Bewegungen heraus, wieder zur Einfachheit und Armut des Ordensgründer zurückzukehren. Am auffälligsten war die Reform durch die Kapuziner, die seit 1525 wieder zur ursprünglichen franziskanischen Lebensform zukehrten.

Die Klösterchen der Kapuziner für meist nur 12 Brüder entstanden auf dem Land oder am Stadtrand, außerhalb der Mauer. Die bot Einsamkeit und Stille, aber auch Nähe zu den Menschen. Die Kirche klein und einfach, ohne Gold und nur in Holz gehalten, das Kloster einem Bauernhof nachemfunden, nicht einem Schloss oder einem Schul- oder gar Universitätsgebäude. Nur ein Versammlungsraum, das Refektorium. Vier Stunden Gebet und Meditation am Tag und um Mitternacht. Seelsorglicher Eros für Bekehrungspredigt und Volksfrömmigkeit, in deutschen Ländern voller Einsatz für die Gegenreformation. Kein Eigentum außerhalb der Klostermauern, durch die Hausbesuche ("Bettel" um Naturalien) ständiger Kontakt mit dem einfachen Volk. So wurden die bärtigen Brüder mit ihrem auffallend einfachen Lebenstil zu einer eindringlichen Botschaft, selbst für höhere Schichten des Volkes.


Kapuzinerkloster München
Altes Kapuzinerkloster iMünchen bis 1802, vor den Schanzanlagen der Stadt (heute Lenbachplatz)
 

 
  
Kapuziner Neumarkt  

Rechts:
Kapuziner Neumarkt 1621

 

Das kleinste Kloster der Provinz,
auch das ärmste an Einnahmen:
dafür wurde es erhalten
mit allen Infrastrukturen
eines Kapuzinerklosters -
heute eine Rarität,
eine Singolarität!
 


 

 

 

 

 

 

 

Stadttor Meran

Links: Kapuzinerkloster Meran
von außen.  

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m Bild links:
Das Vinschger Stadttor

Typisch für die Lage der Kapuzinerklöster ist Meran: das Kloster wurde so gebaut, dass die Kirche von innerhalb der Stadtmauern zugänglich war, das Kloster selbst aber steht außerhalb. So waren die Brüder nahe bei den Menschen in der Stadt, aber hatten ein stilles Kloster. Fast alle Klöster im deutschen Sprachraum sind so gebaut.

 

 

Im Mutterland der Kapuziner Italien war die Situation oft anders: da hatten die Kapuziner ihr Klösterchen etwa 10 Minuten oberhalb der Stadt, auf einem Hügel vor allem in der Nähe eines Santuario (Heiligtum). So konnten sie hinausschauen in das weite Land zu den Leuten, diese aber hatten immer die armen, einfachen, etwas rabautzigen Brüder vor Augen, die für sie und ihre Familien beteten und sorgten. Dies betraf Krankenbesuche und Krankenpflege, freundschaftliche Hausbesuche und seelsorgliche Betreuung in den verschiedensten Formen.


Vgl. als Beispiel:  http://www.kapuziner.at
 

Kapuziner seit 1525 – reformierte Franziskaner

 

Kapuziner sind die jüngste weltweite Reform innerhalb des Franziskanerordens. Ihr Name leitet sich von der Kapuze ab, welche die Reformer unterwegs wirkungsvoll schützte, die ab 1525 aus den grossen Klöstern der Franziskaner auszogen, um entschieden am Wanderleben des Franziskus anzuknüpfen.

Neben dem Zweig der Kapuziner, die heute knapp 11.000 Brüder zählen, gehen auch die stärker städtisch geprägten Minoriten (Konventualen) mit schwarzem Habit und die Franziskaner als 1897 erfolgte Fusion aller anderen Zweige (brauner Habit) auf Franziskus zurück.
 

Reform: zurück zu den Ursprüngen, zu Franziskus, zu Jesus!



ZingulumEin Strick um die Mitte statt eines ledernen Gürtels - Franziskus erfand dies als Zeichen der Armut. Die drei Knöpfe sind eine Erinnerung an die drei Gelübde.

Ich erklärte dies einmal in einer Schulklasse den Kindern: ein Knopf, weil wir nichts selber besitzen und das Geld abgeben; ein zweiter Knopf, weil wir ohne Familie und Frau und Kinder leben; ein dritter Knopf, weil wir einen Oberen wählen und ihm gehorchen. Nach der Stunde kam ein kräftiger Bub zu mir und sagte: "Du, Pater, den Knopf mit dem Folgen tat i auflösen!!" Das hat der Bub richtig gespürt - Gehorsam ist am härtesten, es geht um die Einordnung des eigenmächtigen Willens.

 

 

 

Der Habit -  oder die Kutte


Der erdbraune Habit der franziskanischen Orden war der arbeitenden Landbevölkerung abgeschaut, das Material nicht behandelte Schafwolle (zwischen grau und braun).

 

Franziskaner

Franziskus richtete sich den Habit in Form des Kreuzes zurecht, er machte ihn aus rauestem Stoff, recht armselig und schmucklos, nach dem Vorbild der arbeitenden Bevölkerung seiner Zeit.

 


KapuzeAls sich 1528 die Kapuzinerreform durchsetzte, wurden spitze Kapuze, langer Bart, Barfüßigkeit (Sandalen) zu ihren Wahrzeichen. Dies war damals sozusagen das Logo der Einsiedler. Sie lebten im éremo der Meditation und gingen dann in die città zu den Menschen, also vom Gebet zur Predigt, von der Einsiedelei in die Stadt. Volksnähe war das große Ziel der Brüder.