Christi Höllenfahrt/Auferstehung

 

Chorakirche in Istanbul - Anastasis
Anástasis  Auferstehung  –  Ostern  –  „Höllenfahrt“ Christi

Chora-Kirche in Istanbul, um 1315 gemalt
Lange Zeit übertüncht (Islam) und nach 1948 restauriert

 

Ein atemberaubendes Bild! Es ist das Osterbild der Ostkirche bis heute: Christus steigt nach seinem Tod ab in die Unterwelt (Hölle) und befreit die Toten.

Kraftvoll erscheint dieser Christus, in einem Nimbus von Licht und Sternen. Die Falten des Kleides zeigen die innere Erregung, vor allem der Saum an den Füßen sowie das flatternde Kleid. Nur noch der Verkündigungsengel Gabriel hat diese Einzelheit an sich!

Christus packt sicher zu und reißt Adam und Eva (unter der Verhüllung!) aus den Gräbern – welche Erregung in den Kleidern! Der Herr hat die Pforten der Unterwelt zertrümmert, Balken, Scharniere und Schlüssel fliegen massenweise durch die Luft! Der Fürst der Unterwelt ist besiegt und gefesselt.

Auf der linken Seite sehen wir Johannes den Täufer, Die Könige David und Salomo, auf der rechten Seite überraschenderweise Abel (Kain)  im hellgrünen Kleid mit gebogenem Stock, dahinter Apostel und Volk.

Die Berge neigen sich dem Betrachter zu, überhaupt die „umgekehrte“ Perspektive, so dass der Fluchtpunkt im Auge des Betrachters liegt. Da das Bild in der Wölbung steht, wird dieser Eindruck noch verstärkt.

Die Osternacht in der Ostkirche ist nicht zu vergleichen mit unserer Osternachtfeier. Es ist tatsächlich die Mitte des kirchlichen Lebens. Die Gläubigen haben vorher streng gefastet, sie stehen die etwa 6 Stunden lange Liturgie durch (meist nur teilweise!), und es ist ein Fest für Kinder und Erwachsene, eine Herrlichkeit! Die Kraft dazu strömt aus unserem Bild aus.

 

Christ ist erstanden von den Toten,
im Tode bezwang er den Tod, 
und schenkte den Entschlaf‘nen das Leben.

Ostertroparion, immer wieder gesungen              

 

Ikone - Höllenfahrt      Meister von Siena - Höllenfahrt
Ostern, Höllenfahrt Christi, Ikone 15. Jh                             Domenico di Pace Beccafumi (Siena 1551)


Zum Bild rechts von Beccafumi:  
Letzte Erinnerungen an die Rannaisance, die hier schon Manierismus ist. 
"Am schönsten" sind links der Türsteher, unten der Teufel und rechts Eva! 
Solche Bilder sind dem orthodoxen Christen ein Gräuel.
 

 


Höllenfahrt Christi Dürer Albrecht  Links: Albrecht Dürer, "Abgestiegen zur Hölle"

 

 

                    Unten: englische Buchmalerei, um 1100

 Höllenfahrt Christi, englische Buchmalerei

 

Zwei Beispiele, wie weit über das Mittelalter hinaus
sich Elemente der ostkirchlichen "Höllenfahrt" Jesu gehalten haben.
Suchen Sie und vergleichen Sie:

 

Hölleneingang oder Höllenmaul (rechts!)

Drachen und Teufel

Pforten der Unterwelt, Scharniere

Adam und Eva, zuerst erlöst

Jesu starker Handgriff 

Die Osterfahne

Sturm - Fahne, Kleid, Schritt Jesu

Dürer sieht schon Feuer in der Hölle

Buchmalerei: vorne Abel, erster Leidensdulder und Märtyrer 

 

Noch 100 Jahre nach 1453 n.Chr., als Byzanz unter die Herrschaft des Islam gefallen war und Tausende von Ikonenmalern nach Westen flüchteten, fragten die Maler bei einem Auftrag: "Soll ich in 'maniera greca' oder 'in maniera italiana' malen?"