Neuschöpfung und Kunstwerk:

Martin Luther - Biblia

die gantze Heilige Schrifft Deudsch (1534)

 

Lutherbibel deutsch 1534
Originalbibel 1534, Lutherhaus Wittenberg, Foto Torsten Schleese
 

  • Erste Übersetzung aus den biblischen Ursprachen Hebräisch und Griechisch (Neues Testament), bis dahin galt das Latein der Vulgata von Hieronymus (nach 382) als Liturgie- und Theologietext. Dem einfachen Volk wurde lediglich die "Biblia pauperum" gestattet, also Bilderzyklen und Predigt.
     
  • Alle 72 biblischen Bücher in einer einzigen, übersichtlichen Ausgabe (es fehlen lediglich wenige spätkanonische Bücher).
     
  • Die sprachliche Leistung: eine dem Wortsinn gemäße Übersetzung, die über den Klerus hinaus allen zugänglich und verständlich war.
     
  • Anstelle traditioneller Autoren und Dogmen hat Martin Luther die Bibel als Grundlage der Wissenschaft und Spiritualität ernst genommen - sola scriptura!
     
  • Neues Deutsch, ein Meilenstein in der Entwicklung der deutschen Hochsprache, zugleich Eindeutschung wichtiger biblischer Begriffe.
     
  • Auch noch nach 500 Jahren überzeugt die Lutherbibel, sie wird heute von der evangelischen Kirche in einer revidierten Ausgabe von 1984 im Gottesdienst, in der Schule sowie als offizieller Text gebraucht.
     
  • Die schöpferische Leistung erfuhr durch das damals neue Medium Buchdruck die gewünschte Verbreitung.
     
  • Es sei noch erwähnt, dass der Glaubens- und Kulturaufbruch jener Zeit (religiöse Renaissance) Zeit auch theologisch und spirituell Bibelbegeisterung erzeugte - in unserer Klosterbibliothek gibt es sogar eine kleine Reihe katholischer Bibelübersetzungen jener Zeit.

     


   Erste Bibelübersetzung der Germanen (nach 350)  
 

Wulfila - Bibelübersetzung der GotenBischof Wulfila - gotiche Bibelübersetzung

Im Jahr 341 wurde der Westgote Wulfila vom Patriarchen Eusebius von Konstantinopel zum „Bischof der Christen im gotischen Land“ geweiht. Wulfila entfaltete eine schwierige Missionsarbeit bei den herandrängenden Germanen- stämmen der Goten, Vandalen, Langobarden, Franken, Burgunder.

 

Im Exil in Nordbulgarien arbeitete er an der Übersetzung der Bibel in die westgotische Sprache. Dafür schuf er aus griechischen, lateinischen und germanischen Zeichen ein eigenes Alphabetn - und erhob dadurch die verschiedenen germanischen Dialekte zu einer gemeinsamen Schriftsprache. Der Text ist vor allem im Codex Argenteus erhalten (um 500, in Purpur getränkte Blätter und Silberschrift, vgl. Bild oben). Das Vater unser beginnt so:  "Atta unsar thu in himinam, weihnai namo thein . . . "

Die Missionierung der Germanenstämme verlief dann anders, eigentlich erst nach 600 vom früh christlichen Irland aus, und dauerte bis in das 12. Jahrhundert (Schweden). Als Sprache für Liturgie und Bildung diente Latein - einheitlich für das ganze karolingische Reich. Die Machtpolitik der leichteren Regierbarkeit mit einer gehobenen Sprache verhinderte die Entwicklung des Deutschen - bis endgültig Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung den Durchbruch "Heilige Schrifft deutsch" schaffte.

 

 

Erste Bibelübersetzung der slawischen Völker (nach 860) 
 

Glagoliza Bibelübersetzung altslawisch

Kyrill und Methodius

Um 860 entwickelten die beiden Slawenapostel die alte "Glagóliza" oder Glagolitica als dem Slawischen entsprechende eigene Schrift (nach Fortent-wicklung im 10. Jahrhundert "Kyrillische Schrift" genannt).

Als in Europa das volksfremde Latein als Gelehrtensprache felsenfest etabliert war, einigten Missionare die bis dahin schriftlosen Ostslawen durch eine einheitliche Schrift für Liturgie und Bibelübersetzung.

Vor allem durch die Taufe der alten Rus' im Jahr 988 setzte sich dieser Siegeszug in der Ukraine und in Russland fort!
Rom stand dieser Entwicklung eher misstrauisch gegenüber, es hatte die Abgrenzung begriffen und musste sie hinnehmen - bis heute!

 

 


 


Durch die Übersetzung von Bibel und Liturgie ist auch anderen Völkern die Schritsprache geschenkt worden, im Altertum z.B. den Armeniern und Georgiern, in der Neuzeit vielen Missionsländern. Auch für den Handel sowie für die Regierbarkeit der Völker (Frieden, Gesetze, Verträge usw.) geschah durch die Schaffung einer geeigneten Schrift immer ein Qualitätssprung. Sogar durch neue Schreib- oder Druckmedien geschah solches, z.B. wie oben erwähnt durch den Buchdruck - oder in der modernen Zeit durch elektronische Schrift-, Bild- und Tonverarbeitung.