Vincent Van Gogh - Der Sämann


van Gogh Sämann

Vincent van Gogh, Der Sämann (Arles 1888)

 

 

Der Maler Vincent van Gogh war der bäuerlichen Bevölkerung immer sehr zugetan. Säen, Sonne und Felder, aufgebrochene Scholle, Erntefeld, und links hinten das Häuschen des Sämanns. Von dort ist er ausgezogen, dorthin kehrt er zurück, jeden Tag auf’s Neue. Und für seine Familie ist das Korn schon reif – oben im Bild unter der Sonne!

 

Die Sonne ist am Untergehen, der Bauer ist mit seiner Arbeit weit voran, ja am Ende des Ackers. Einige Krähen „helfen“ ihm. Von vorne führt ein Wegpfad in die Mitte hinein, die einzige Perspektive des Bildes. Am aufregendsten: die Aufhellung des ocker gehaltenen Bodens durch Blau – die Gegenfarbe. Der Betrachter überlässt sich dem unglaublichen Gegensatz, der bis in die Arbeitskleidung des Sämanns zu sehen ist. Das Bild bekommt in der längeren Betrachtung zwei, ja mehrere Ebenen. Sonne und Sonnenstrahlen, zum Erspüren, zum Gesundwerden!

 

Es ist als ob der Sämann mit seinem Tun die ganze Erde in Bewegung bringt. Oder ist es umgekehrt? Dass die Erde in Bewegung ist, samt dem Baum und samt der Sonne, dass der Sämann sich einschwingt mit seiner Bewegung, mit seinem Tun? Eine Bewegung, eine Schwingung, ein gemeinsames Tun. Eine Sehnsucht, in diesen Gleichklang der Bewegung mit hineingenommen zu werden.  


„Ein Sämann ging …“ 
Einiges fiel auf guten Boden - 

heißt es in der Bibel. Überlassen wir uns dem Bild: Fruchtbarer Boden, Saat, Sämann, Sonne, Getreide, Hitze und Verheißung einer guten Ernte. Aber auch Krähen, Steine, Disteln und harter Weg!

 

  Sämann bei untergehende Sonne

Van Gogh Sämann untergehende Sonne

Im Gleichnis vom Sämann sagt Jesus: „Der Same ist das Wort Gottes!“ Aber die Kirche füttert damit die Vögel auf dem Weg. Anderes auf steinigem Grund wächst nur bis zum nächsten Tag (etwa die Firmvorbereitung), und manches verschwindet ohne Wirkung im Papierkorb.

Nur einiges fällt auf guten Grund – und höre Jesus, das ist genug! Denn es wächst und blüht und trägt hundertfach. Wenig Salz für eine Schüssel Knödel, wenig Germ für den Teig genügt.

So auch im Leben, z.B. was Eltern ihren Kindern oft an Überfülle mitgeben – einiges bleibt und trägt hundertfach! So auch im Glauben: Jesus, das Wort Gottes, begegnet vielen Menschen, wird aber nur von einigen erkannt – und diese können für die Kirche hundertfach aufholen.  (bf)
 

 

Van Gogh religiöser Maler, religiöses Bild


Van Gogh  ist ein zutiefst religiöser Menschgewesen, auch wenn seine Bilder an der Nahtstelle zur Moderne nicht mehr im traditionellen Sinn als religiöse Malerei gelten können. Im Gegensatz zu anderen Malern hat van Gogh es beispielsweise abgelehnt, Christus zu malen, weil ihm dies Motiv zu groß schien. Stattdessen versucht van Gogh Religion über die Landschaft und das Symbol zu vermitteln.

 

Der Sämann erinnerte van Gogh zunächst an Jesus, der sich in seinen Gleichnissen als Sämann bezeichnete und von seiner Hörerschaft verstanden wurde (vgl. Mk 4,10-12). Vorübergehend Landprediger in seiner Heimat war er bibelkundig. In einem weiteren Schritt verglich van Gogh seine Arbeit selbst mit der eines in den Feldern arbeitenden  Bauern. Der Sämann war für ihn eine archetypische Ausdrucks- und Identifikationsfigur, ein Garant ewiger Wiederkehr und steten Neubeginns, deren bedeutungsschweres Gegenstück in der Natur die Sonne war.

 

Die meist kreisrund gemalte gelbe Sonne durchzieht in mancherlei Variation viele Bilder van Goghs. Sie ist ein Symbol, das in seiner Leuchtkraft und Form göttliche Vollkommenheit und Präsenz verkörpert. „Wer nicht an die Sonne glaubt, der ist gottlos“, so hat van Gogh einmal formuliert. Wichtig war für van Gogh nicht nur der Sonnenschein (wie etwa im gleichzeitigen Impressionismus), sondern die Sonne selbst. Das Gelb der Sonne setzt den Menschen in Ekstase, das Gelb als Farbe den Maler (soweit Steffen Marklein, Mit Kunst unterrichten).

 

Der Sämann und 

König Salomon

 

Im Feld der König Salomon
Schlägt unter'm Himmel auf den Thron;
Da sieht er einen Sämann schreiten,
Der Körner wirft nach allen Seiten.

 

"Was machst du da?"
          der König spricht,
"Der Boden hier trägt Ernte nicht.
Lass ab vom törichten Beginnen,
Du wirst die Aussaat nicht gewinnen."

 

Der Sämann, seinen Arm gesenkt,
Unschlüssig steht er still und denkt;
Dann fährt er fort, ihn rüstig hebend,
Dem weisen König Antwort gebend:

 

"Ich habe nichts als dieses Feld,
Geackert hab' ich's und bestellt,
Was soll ich weiter Rechnung pflegen?
Das Korn von mir,
          von Gott der Segen."

 

von Friedrich Rückert

 

Saatfäden

 

Welch fleißiges Schaffen und Treiben
herrscht droben auf dem Feld!
Kein Wunder, es wird jetzt wieder
die Wintersaat bestellt.

Die frischen Furchen glitzern
im Herbstessonnenschein;
der Sämann geht mit seinem Sack
gar hurtig hinten drein.

Es hängen weiße Fäden sich
an seinen weichen Hut,
er weiß: Wenn diese fliegen,
dann ist’s zum Säen gut!

Im Geist sieht er schon fahren
den Garbenwagen schwer,
drum streut er schnell und hurtig
auch seinen Säsack leer.

Gibt er doch seinen Samen
dem Feld nur lehensweis,
und vielfach holt er’s wieder
für seine Müh und Fleiß.

Regine Merkle