Mein Leid - ich frage mich:


Wo und wie ist mein persönliches Leid?

Seit wann leide Ich?

Leide ich mehr außen oder mehr im Inneren?

Hat mich das Leid schwach, traurig, mutlos gemacht?

Wurde ich aggressiv, verbittert - oder depressiv, verwundet?

Leide ich, weil ich liebe - oder weil ich hasse?

Bin ich mir selbst das größte Leid?

Bin ich schuld dass andere leiden?

Trage ich mein Leid selber oder wälze ich es auf andere ab?

Habe ich in meinem Leid Grenzen erfahren, dass ich da und so nicht weiter kann?

Hat mich das Leid weise, erfahren, liebevoll und demütig gemacht?
 

Der Aufgeklärte sagt: "Mit dem Leid sollen sich jene Menschen beschäftigen, die ein Spiel brauchen -
wie der Häftling mit seinen Ketten spielt."

Der Lebemensch sagt: "Ich will 100 Jahre gut leben, das Sterben geht in 5 Minuten vor sich -
ich mache dann die Augen zu und vorbei ist es!"

Sobald ein Kind geboren - empfangen! - ist, ist es alt genug, um zu leiden und zu sterben. Es beginnt, was Jesus in einem Bild gesagt hat: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.." "In die Erde fallen" heißt "drinnen stehen im Leben" - dann heißt es "sterben", gerupft werden und Federn lassen, fallen und sich verletzen, Wunden und Narben tragen, gebraucht und verbraucht werden.

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Trostworte für Trauernde

 

Fassungslos, schweigend und staunend stehen wir jedes Mal vor dem Geheimnis des Todes. Ob er ungestüm hereinbricht in ein junges Leben, ob er nach Krankheit und Gebrechen erlösend den Stock aus der Hand nimmt - wir empfinden den Tod immer als Herausforderung. Wir möchten sagen, dass der Tod nicht zum Leben gehört, dass es so nicht sein darf! Und wenn auch mit der Zeit der Kopf die Tatsache begreift und er um den Sinn des Ganzen zu ringen beginnt - das Herz wehrt sich noch lange und blutet aus offener Wunde. Plötzlich meinen wir, bekannte Schritte zu hören oder ein Lachen oder Fragen, die Art zu klingeln und die Art, die Treppe heraufzustürmen. Wir möchten das Zimmer machen, noch ein bisschen warten, nur noch ein Wort hätten wir zu sagen… Vor allem kleine Dinge werden wie ein Fenster hin zur Ewigkeit, ein halb fertiges Werkstück, ein angefangener Brief, eine zufällig gefundene Freizeitspur, eine akustische Aufnahme - und es kommt uns vor, als ob wir sehen, hören, greifen könnten - doch es ist nicht mehr, es wird niemals mehr sein, wie es war!

Adler auf seinen FittichenWir stehen dann schweigend bei unseren liebsten Angehörigen. Wir leiden mit, Worte versagen. Wir verstehen nichts mehr, wir können nicht einmal beten. Wie Jesus am Kreuz - auf seinen Schrei „Mein Gott, warum?“ bekommt er keine Antwort. Und doch betet er weiter: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben!“ Wenn uns die Zeit geschenkt wird, dass wir wieder denken und fühlen, handeln und beten können, dann können wir einander als gläubige Menschen mit folgenden Trostworten Mut machen.

 

1.  Dein Wille geschehe!

Wie schwer fällt es oft, dieses Wort zu beten. Auch Jesus im Ölgarten hat Blut geschwitzt, bis er beten konnte: „… nicht wie ich will, sondern dein Wille geschehe.“ Es ist dies nicht eine Einsicht, dass wir jetzt alles verstünden. Aber es steckt doch unendlicher Trost darin, dass auch unser größtes Leid Sinn hat und im Willen des Vaters im Himmel beschlossen ist. Ich bin nicht einem blinden und willkürlichen Schicksal ausgeliefert, nicht einer grausamen und strafenden Macht, sondern ich bin Gott anvertraut wie einem treu besorgten Vater und einer liebenden Mutter. Kinder vertrauen Papi und Mami, auch wenn sie nicht verstehen und es lieber anders haben möchten. Wird es einmal möglich sein, den Willen Gottes zu erahnen, zu erfahren? Jetzt schon darf ich ihn darum fragen, wenn ich leide, hoffe, bete.
 

2.   … der für uns das Kreuz getragen hat!

Gott erniedrigt sich bis zum Tod am Kreuz - das wahrhaft christliche Mysterium des Glaubens und Lebens. Wieder keine Erklärung, aber volle Solidarität mit allen Leidenden, Sterbenden, Trauernden. Ob wir Menschen überhaupt fähig wären, Leben und Sterben zu begreifen und die großen Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen? Ist es da nicht tröstlich, dass Gott uns hilft, trotz allem zu leben? Dass er Angst in Hoffnung wandelt, Trauer in Trost und Not in Hilfe? Dass er uns seinen eingeborenen Sohn als großen Bruder schenkt, der von den Sternen herabsteigt und unser menschliches Elend teilt? „Was hat die Familie jetzt ein schweres Kreuz zu tragen“, sagen wir oft - "Isch dess en Éllend"  - dabei schwingt aber im Ton immer Ergebung und Gottvertrauen mit. 

 

3.  Das Wiedersehen im Himmel.

Eine Ahnung aller Menschen und Völker wird uns im Glauben zur Gewissheit:  wir werden uns wiedersehen. Deshalb haben die Menschen seit ältesten Zeiten die Gräber ihrer Lieben besorgt und geschmückt, deshalb ist die Menschheit reich geworden an Zeichen der Hoffnung über den Tod hinaus. Liebe und Wahrheit sind ewig, das spürt nicht nur der Dichter. „Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes, so tröstet uns doch die Hoffnung auf Unsterblichkeit. Denn deinen Gläubigen wird das Leben nicht genommen, sondern gewandelt – wenn die Herberge dieser irdischen Pilgerschaft zerfällt, steht uns im Himmel eine ewige Wohnung bereit.“ (Totenpräfation). Und das wird ein Fest sein, wenn wir uns wiedersehen! Dann gibt es nicht mehr Klage, Gebrechen, Schuld. Meist in Bildern wird uns das Leben nach dem Tod geschildert. Wir sollten nicht an einzelnen Bildvorstellungen oder Begriffen hängen bleiben, aber auch nicht ängstlich fragen und dürftig in Frage stellen. Beten wir mit den Toten, nicht nur für sie - sie sehen und schauen im Licht des himmlischen Vaters, wir aber sind noch unterwegs im Tal der Tränen.
 

4.  Im Tod vollendet.

Die heutige Todesforschung berichtet, dass im Sterben auch Kinder zu vollendeten Menschen heranreifen und dass bei einem plötzlichen Sterben der Augenblick des Todes überzeitlich erlebt wird und so lange dauert wie das ganze Leben. Auch wenn ein Kind nicht erwachsen werden durfte, auch wenn ihm unser Leben mit seinen hohen und schönen Werten versagt blieb, wenn kein Beruf ergriffen und keine Familie gegründet werden konnte, kein Haus gebaut und nicht viel Freizeit erlebt wurde – der Tod ergänzt und vollendet auf seine wunderbare Weise. Wenn die Mutter stirbt, ist da nicht „eine achtzigjährige Frau“ gestorben, sondern die Mutter. Es zählt der Mensch, wie er vom ewigen Gedanken Gottes gedacht ist, ohne Alter und Stand, ohne Gebrechen und Schuld, ohne „Spitze!“ oder Pfui. Und was von Kindern gilt, dürfen wir doch auch von uns Erwachsenen denken.

 

Hände liebender Menschen im Alter5.  Reifen durch Leid

Leid lässt reif und weise werden. Leid führt weg von unseren eigenen Sorgen, lässt unsere kleinen Vorstellungen verschwinden und gibt uns eine Ahnung vom großen Geheimnis des Lebens. Leid und Tod, Versagen und Gebrechen, Schuld und Niederlagen gehören zum Leben dazu. Wir werden zwar nie verstehen, aber im Glauben und in der Hoffnung können wir annehmen und ertragen. Wie werden dies oft erst aus der Distanz späterer Jahre erkennen und annehmen können. Weisheit, Demut und Geduld reifen in echter Form ganz von unten herauf! Und niemand wird zu einem guten Ratgeber werden, der nicht selbst Schweres ertragen hat. Wenn wir von einer Beerdigung kommen – sind es da nicht oft einfache, echte, geprüfte Menschen, deren Persönlichkeit uns am meisten zu Herzen geht, die wir als „Nothelfer/-innen“ anrufen können? Ja, manchmal haben wir das Gefühl, dass der Verstorbene selbst die Atmosphäre der Trauernden schafft. Geboren zum Sterben, gestorben zum Leben – jetzt, ewig.
 

6.  Liebe ist stärker als der Tod.

In Liebe zusammenstehen und Leid gemeinsam tragen, das ist in schweren Stunden etwas vom Wichtigsten. Ob ein Mensch, ganz allein auf sich gestellt, überhaupt Leid ertragen könnte? Bevor wir Gottes tröstende Nähe erfahren, braucht es die Erfahrung geschwisterlicher Lieben uns naher Menschen. Der Ehegatte kann dann im Glauben feststehen durch die typisch weibliche Kraft der Gattin - und genauso die Frau durch ihren Mann. Die Kinder können Hoffnung suchen im abgeklärten Ringen ihrer Eltern. Freundschaft und Liebe, Ehe und Familie können wachsen und reifen, wenn wir nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leiden und tragen, der eine mit der Kraft des anderen Als Priester war mir dies oft ein Lichtblick in der Trauer! Es sei nicht verschwiegen, wie oft hier Verletzungen geschehen und wie weh wir uns gegenseitig tun können, doch echte Liebe führt zum Guten, ist stärker als der Tod.

 

7.  Solidarisch mit dem Leid der Menschen und der Schöpfung.

Es hilft mir zwar nicht viel, wenn es auch anderen schlecht geht, und doch bekomme ich Schulterschluss zu Brüdern und Schwestern im Leid. „Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot“ heißt ein Sprichwort. Doch echte Freundschaft wird im Leid geprüft und geläutert. Freunde, die uns in schweren Stunden geschenkt werden, sind echt und wahr. Auch wir selbst werden wertvoll für andere. Es wird nicht nur uns Mitleid und Achtung entgegengebracht, sondern wir helfen anderen, sich an unserem Glauben aufzurichten und die Hoffnung zu bewahren. Wir werden solidarisch mit dem Leid der Menschen und der ganzen Schöpfung. Wir haben ein Herz für die Tränen und das Stummsein der Menschen, für das Leid der Völker und das „Seufzen der Schöpfung“.
 

die Liebe ist stärker als der Tod

8.  Selig die Trauernden.

Jesus lehrt nicht nur die Seligpreisungen, sondern er lebt sie, sie sind sein Lebens- und Glaubensbekenntnis. Er lässt alles los, schenkt alles hin, stirbt nackt den Tod der Menschen! Bedroht und fremd am Weg geboren, ins Holz der Krippe gelegt. Verlassen, trauernd und klagend betet er im Ölgarten. Arm, verfolgt und qualvoll stirbt er am Holz des Kreuzes. Wir haben von seinem Heiligen Geist empfangen, der uns „durch Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung“ führt. Selig die Trauerenden, denn sie werden getröstet werden.

In Liebe zusammenstehen und Leid gemeinsam tragen, das ist in schweren Stunden etwas vom Wichtigsten. Ob ein Mensch, ganz allein auf sich gestellt, überhaupt Leid ertragen könnte? Bevor wir Gottes tröstende Nähe erfahren, braucht es die Erfahrung geschwisterlicher Lieben uns naher Menschen. Der Ehegatte kann dann im Glauben feststehen durch die typisch weibliche Kraft der Gattin - und genauso die Frau durch ihren Mann. Die Kinder können Hoffnung suchen im abgeklärten Ringen ihrer Eltern. Freundschaft und Liebe, Ehe und Familie können wachsen und reifen, wenn wir nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leiden und tragen, der eine mit der Kraft des anderen Als Priester war mir dies oft ein Lichtblick in der Trauer! Es sei nicht verschwiegen, wie oft hier Verletzungen geschehen und wie weh wir uns gegenseitig tun können, doch echte Liebe führt zum Guten, ist stärker als der Tod.

 

7.  Solidarisch mit dem Leid der Menschen und der Schöpfung.

Es hilft mir zwar nicht viel, wenn es auch anderen schlecht geht, und doch bekomme ich Schulterschluss zu Brüdern und Schwestern im Leid. „Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot“ heißt ein Sprichwort. Doch echte Freundschaft wird im Leid geprüft und geläutert. Freunde, die uns in schweren Stunden geschenkt werden, sind echt und wahr. Auch wir selbst werden wertvoll für andere. Es wird nicht nur uns Mitleid und Achtung entgegengebracht, sondern wir helfen anderen, sich an unserem Glauben aufzurichten und die Hoffnung zu bewahren. Wir werden solidarisch mit dem Leid der Menschen und der ganzen Schöpfung. Wir haben ein Herz für die Tränen und das Stummsein der Menschen, für das Leid der Völker und das „Seufzen der Schöpfung“.

 

8.  Selig die Trauernden.

Jesus lehrt nicht nur die Seligpreisungen, sondern er lebt sie, sie sind sein Lebens- und Glaubensbekenntnis. Er lässt alles los, schenkt alles hin, stirbt nackt den Tod der Menschen! Bedroht und fremd am Weg geboren, ins Holz der Krippe gelegt. Verlassen, trauernd und klagend betet er im Ölgarten. Arm, verfolgt und qualvoll stirbt er am Holz des Kreuzes. Wir haben von seinem Heiligen Geist empfangen, der uns „durch Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung“ führt. Selig die Trauerenden, denn sie werden getröstet werden.