Teresa von Ávila - Johannes vom Kreuz

 

Teresa von Ávila:  Die drei Stufen des inneren Betens.
 

„Wisst, Töchter, dass sich das innere Gebet nicht dadurch vom mündlichen unterscheidet, dass ihr den Mund schließt.  Wenn ich mündlich spreche und mir dabei voll bewusst bin, dass ich mit Gott spreche, so ist das zugleich mündliches und inneres Gebet. –

Ich denke mir das innere und das mündliche Beten immer zusammen. Bedenkt also, wenn ihr vor den Herrn tretet, wer der ist, zu dem ihr sprechen wollt.  Das ist das innere Gebet, meine Töchter, versteht es doch bitte.“ 
 

Bienenkorb

A)   Aufmerksam  -  Das Gleichnis vom Bienenkorb. 

„Wir werden sehen, dass, sobald wir zu beten beginnen, die Bienen zu ihrem Korb fliegen und in ihn hineinschlüpfen, um dort den Honig zu bereiten, und das ganz ohne unsere Nachhilfe.  

Und je öfter der Wille sie ruft, umso rascher sammeln sie sich, bis sie durch ihre Einkehr ganz im Innern bleiben, weil der Herr die vollkommene Kontemplation geben will.  Ich habe es erprobt und halte es immer noch für die beste Methode, dass man sich bemüht, den Geist auf den gerichtet zu halten, an den sich die Worte wenden.“


 

      B)  Andächtig – Meditation.    
Man suche möglichst tiefe Einsamkeit, um dem Herrn Raum zu geben und Ihre Majestät walten zu lassen wie in ihrem Eigentum. Sonst nur ein Wort von Zeit zu Zeit, wie jemand, der eine Kerze, die zu erlöschen droht, leicht anbläst, damit sie wieder aufflamme. Aber wenn sie wieder voll brennt, würde das Blasen sie nur aus-löschen, wie mir scheint. Ich betone, dass sehr sanft geblasen werden muss, denn die Liebe (Wille) verträgt es nicht, wenn der Verstand wortreich mit ihr in Wettstreit tritt.“

Rubens: Die hl. Theresa von Avila (1515-1582). Kunstdruck, Leinwandbild
Teresa von Avila, Gemälde von Peter Paul Rubens (gest. 1640)

     
      C)  Gesammelt – Kontemplation.

Wir sollten uns bewusst sein, dass wir im Inneren einen Palast (Seelenburg) von höchstem Wert haben, ganz aus Gold und Edelsteinen, wie es dem höchsten Herrn gebührt. In diesem Palast wohnt der große König, der euer Vater sein wollte, und sein kostbarer Thron ist euer Herz.

Wie wunderbar ist es doch: Er, dessen Größe tausend und abertausend Welten füllt,
schließt sich in etwas so Kleines ein wie unsere Seele!


Als der Herr hat er alle Freiheit, er passt sich unserem Maße an, weil er uns liebt. Darum sage ich, er hat alle Freiheit, denn er kann dem Palast jede beliebige Form und Größe geben.

Der springende Punkt  dabei ist, dass wir uns dem Herrn rückhaltlos überlassen und ihm die Hindernisse wegräumen, damit er schalten und walten kann wie in seinem Eigentum. Dazu ist Ihre Majestät berechtigt.

Weil er aber unseren Willen nicht zwingen will, nimmt er nur, soviel wir ihm geben. Doch schenkt er sich uns nicht ganz, solange wir uns ihm nicht gänzlich hingeben.
 

Zitate aus Erika Lorenz, Praxis der Kontemplation, München 1994

 

 

Johannes vom Kreuz (1542-1591)

Teresa von Avila (1515 - 1582)

 

Von armen Eltern geboren, etwas ungeschickt zu handwerklichen Arbeiten (Weber z.B. wie seine Familie) zeichnete er sich in der Krankenpflege von Syphiliskranken aus. Nach seinem Eintritt in den Orden der Karmeliter Studium an der Universität von Salamanca und Priesterweihe - und kurz darauf eine schicksalhafte Begegnung mit Teresa von Avila.

Johannes ließ sich von den Reformideen Teresas begeistern, verzichtete auf einen in Erwägung gezogenen Ordensübertritt zu den Kartäusern und wurde mit Teresa der Gründer des neuen Ordens der Unbeschuhten (reformierten) Karmeliten. Der Weg dahin führte über viele Verdächtigungen und Verfolgungen, die in einer neunmonatigen Kerkerstrafe im Ordensgefängnis von Toledo gipfelte. Der "verstockte Mönch und hartnäckige Rebell" sollte auf Befehl der Inquisition durch psychische und physische Gewalt (Hunger und Schläge) gebrochen werden, und nur durch eine abenteuerliche Flucht entging Johannes dem Tod. 

Nach seiner Genesung setzte er sich tatkräftig für die Refom ein, die in der Errichtung zahlreicher neuer Klöster sowie in der Anerkennung als unabhängiger Orden gipfelte. Noch kurz vor seinem Tod erlitt Johannes wieder Absetzung von allen Ämtern und Verdemütigung, was aber den Siegeszug der der gemäßigten Christusmystik von Teresa und Johannes nicht mehr aufhalten konnte.

Es sei noch erwähnt, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Mystik des Karmel durch das Dreigestirn Theresia vom Kinde Jesus, Elisabeth von der Dreifaltigkeit und Benedicta vom kreuz (Edith Stein) eine für diese Zeit als göttliche Vorsehung erachtete Glanzzeit erlebte.

 

 

 

Geboren in einer kinderreichen Familie (Großvater väterlicherseits sephardischer Jude!) erlebte sie mit 20 Jahren in den Karmel von Avila ein. Nach einer lebensbedrohenden Krankheit erholte sie sich und führte bis zu ihrem 40sten Lebensjahr ein eher unerfülltes Ordensleben. So erlebte sie eine innere Neubekehrung und sehnte sich nach einem Kloster mit reformierter Ausrichtung, wie es damals in vielen Orden geschah.

1562 erfolgte die erste Klostergründung in diesem Sinn, der weitere 16 folgen sollten. Die ursprünglichen Gemeinschaften waren mit etwa je 12 Schwestern klein, bei der Erreichung der doppelten Schwesternzahl wurde an eine Neugründung gedacht. Wichtig war ihre Abgrenzung zu jeder Form des Rigorismus, wie er damals in Spanien blühte: auffallende Formen der Buße und Zucht (Geißelungen, Fasten, Abstinenz), mit denen man Gottes Zuneigung zu gewinnen der gar zu erzwingen hoffte. Ihr Weg war die "suavidad", die Sanftmut, sowie eine christliche Freundschaftsmystik und Pflege einer intensiven Freundschaft mit Gott, die einige Merkmale von Franziskus von Assisi sowie von Bernhard von Clairvaux aufwies.

Ihr Gebet und Glaubensleben beschrieb sie so, „mir Christus in meinem Inneren vorzustellen, als Verweilen bei einem Freund“. Das bedeutet, dass der Mensch sich immer wieder von neuem als der, der er ist, Gott zuwenden soll, ohne dabei etwas zu verdrängen oder abzuwerten, im Bewusstsein, so vom menschgewordenen Gott geliebt zu sein, der sich über die Schwächen der Menschen nicht entsetzt, sondern Verständnis hat für unsere armselige Lage.

Nachtrag: Von Pius XII skurrilerweise zur Patronin der Schachspieler, von Paul VI. zur ersten Kirchenlehrerin erhoben.

 

Johannes vom Kreuz


Seine Gedichte und Lieder offenbaren mehr noch als seine Lehrschreiben, wer Juan de la Cruz ist: Ein in Gott verliebter Mensch, für den alles, was nicht Gott ist, zu gering, zu unerfüllt, zu ungenügend ist. So erweist sich Johannes vom Kreuz nicht als der ewige Nein-Sager und finstere Asket, der nur das Nichts (Nada) predigt, sondern als der ganz offene, in Gott Alles (Todo) bejahende Mensch, was in einem seiner schönsten Gebete deutlich wird:

 

Mein sind die Himmel und mein ist die Erde;
mein sind die Völker, die Gerechten sind mein, und mein sind die Sünder;
die Engel sind mein und die Mutter Gottes ist mein und alle Dinge sind mein,
und Gott selbst ist mein und für mich, denn Christus ist mein und mein Ein und alles für mich.
Was ersehnst und suchst du also noch, meine Seele?
Dein ist all dies, und alles ist für dich.

 

Du nimmst mir ja nicht weg, mein Gott,
was du mir in deinem einzigen Sohn Jesus Christus einmal gegeben hast;
und in ihm hast du mir alles gegeben, was ich mir überhaupt wünschen kann.

 

 

Johannes vom Kreuz - Bild
Im Stundenbuch der heiligen Teresia von Avila fand man nach ihrem Tod einen von ihr gelebten Wahlspruch, der von vielen Gelehrten dem heiligen Johannes von Kreuz zugeschrieben wird: Nada te turbe, nada te falta.

Nichts beunruhige dich,
nichts ängstige dich,
alles geht vorbei,
Gott ändert sich nicht.
Die Geduld erreicht alles.
Wer Gott hat,
dem fehlt nichts.
Gott allein genügt.

 

 

 

Die dunkle Nacht
Johannes vom Kre

1. In einer Nacht gar dunkel,
Da ganz mein liebend Herz
vor Inbrunst glühte,
O hochbeglückte Stunde!
Entschlich mit leisem Tritte
Ich meiner tief in Ruh
     versunknen Hütte.

 

 

 

Die dunkle Nacht
Johannes vom Kreuz


In einer Nacht gar dunkel,
Da ganz mein liebend Herz
vor Inbrunst glühte,
O hochbeglückte Stunde!
Entschlich mit leisem Tritte
Ich meiner tief in Ruh versunknen Hütte.

Im sichern Schutz des Dunkels
War die geheime Leiter bald erstiegen;
O hochbeglückte Stunde!
Verhüllt und tief verschwiegen
Ging ich und ließ in Ruh die Hütte liegen.

O seligste der Nächte,
Da ich beherzt den dunklen Pfad erklimmte,
Da mich kein Blick erspähte,
Kein Licht den Tritt bestimmte,
Als das, das in der innern Brust mir glimmte.

Johannes vom Kreuz

 

2. Im sichern Schutz des Dunkels
War die geheime Leiter bald erstiegen;
O hochbeglückte Stund!
Verhüllt und tief verschwiegen
Ging ich und ließ in Ruh
die Hütte liegen.

3. O seligste der Nächte,
Da ich beherzt den dunklen Pfad erklimmte,
Da mich kein Blick erspähte,
Kein Licht den Tritt bestimmte,
Als das, das in der innern Brust mir glimmte.

 

 

Die dunkle Nacht
Johannes vom Kreuz


In einer Nacht gar dunkel,
Da ganz mein liebend Herz
vor Inbrunst glühte,
O hochbeglückte Stunde!
Entschlich mit leisem Tritte
Ich meiner tief in Ruh versunknen Hütte.

Im sichern Schutz des Dunkels
War die geheime Leiter bald erstiegen;
O hochbeglückte Stunde!
Verhüllt und tief verschwiegen
Ging ich und ließ in Ruh die Hütte liegen.

O seligste der Nächte,
Da ich beherzt den dunklen Pfad erklimmte,
Da mich kein Blick erspähte,
Kein Licht den Tritt bestimmte,
Als das, das in der innern Brust mir glimmte.

Joha

 

 Worte der heiligen Sr. Theresia Benedicta vom hl. Kreuz (Edith Stein)

Die gemeinsame und verschiedene  Berufung von Mann und Frau
 

Die natürliche Bestimmung, die Gott dem Menschen gegeben hat, ist eine dreifache: durch die Entfaltung seiner Kräfte Gottes Bild in sich auszuprägen, Nachkommenschaft hervorzubringen und die Erde zu beherrschen. Dazu kommt das übernatürliche Ziel: die ewige Anschauung Gottes, die als Lohn für ein Leben aus dem Glauben und im persönlichen Anschluss an den Erlöser verheißen ist. Die natürliche wie die übernatürliche Bestimmung ist gemeinsam für Mann und Frau.

Aber es gibt innerhalb der gemeinsamen Bestimmung eine Differenzierung der Aufgaben, der die verschiedene Natur der Geschlechter angepasst ist. Der primäre Beruf des Mannes ist die Herrschaft über die Erde, die Frau ist ihm darin als Gehilfin zur Seite gestellt. Der primäre Beruf der Frau ist Erzeugung und Erziehung der Nachkommenschaft, der Mann ist ihr dafür als Beschützer gegeben.

Dem entspricht es, dass dieselben Gaben bei beiden auftreten, aber in verschiedenem Maß und Verhältnis. Beim Mann vornehmlich die Gaben, die für Kampf, Eroberung und Beherrschung erforderlich sind: die Körperkraft zu äußerer Besitznahme, Verstand zur erkenntnismäßigen Durchdringung der Welt, Willens- und Tatkraft zu schöpferischem Gestalten.

Bei der Frau die Fähigkeiten, um Werdendes und Wachsendes zu bewahren, zu behüten und in der Entfaltung zu fördern: darum die Gabe, körperlich eng gebunden zu leben und in Ruhe Kräfte zu sammeln, andererseits Schmerzen zu ertragen, zu entbehren, sich anzupassen; seelisch die Einstellung auf das Konkrete, Individuelle und Persönliche, die Fähigkeit, es in seiner Eigenart zu erfassen und sich ihr anzupassen, das Verlangen, ihr zur Entfaltung zu verhelfen. In der Anpassungsfähigkeit ist die Ausstattung mit den gleichen Gaben, die dem Mann eigen sind, und die Möglichkeit, die gleiche Arbeit wie er zu verrichten - mit ihm gemeinsam oder an seiner Stelle - eingeschlossen.

Quelle: Edith Stein: Die Frau - Ihre Aufgabe nach Natur und Gnade.
Edith Steins Werke, Bd. 5. Freiburg - Louvain 1959.

Gedicht von Edith Stein

1. Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
Leg ich meinen Tag in Deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein Morgen,
Sei mein Gestern, das ich überwand.

2. Frag mich nicht nach meinen
     Sehnsuchtswegen,
Bin aus Deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen,
Deinen Händen bette ich mich ein.


 

3. Lass blind mich, Herr, die Wege gehen, die deine sind.
Will deine Führung nicht verstehen, bin ja dein Kind.
Bist, Vater der Weisheit, auch Vater mir.
Führst durch Nacht mich auch, führst doch zu dir.

4. Herr, lass gescheh’n, was du willst, ich bin bereit.
Auch wenn du nie mein Sehnen stillst in dieser Zeit.
Bist ja du der Herr der Zeit, das Wann ist dein.
Das ew’ge Jetzt, einst wird es mein.

5. Mach alles wahr, wie du es planst in deinem Rat.
Wenn still du dann zum Opfer mahnst, hilf auch zur Tat.
Lass überseh’n mich ganz mein kleines Ich,
dass ich, mir selber tot, nur leb’ für dich.