Mandala - im Kreis der Sonne

 

Stupa Thailand - Buddhismus

"Mandala" bedeutete in den ältesten hinduistischen Überlieferungen (Veda) den heiligen Raum, der ein Opferzentrum umgab. Dieser Raum wurde mit einer Umzäunung oder einer Mauer geschützt, meist in runder Form. Wer sich der Gottheit im Mittelpunkt nahen wollte oder zum Opfer schritt, umkreiste zur inneren Sammlung dreimal den Ort; zunächst um die Außenmauer, dann innen um die Mauer
und schließlich die Opferstätte bzw.
das Heiligtum in der Mitte.

Diese Prozessionsordnung orientierte sich meistens an der Sonnenscheibe, der vor allem Licht, Leben und göttliche Kraft zugeschrieben wurde. Dem Aufgang und Untergang der Sonne entsprechend umschritt man im Uhrzeigersinn das Heiligtum.  Die Sonne mit ihren Strahlen wurde vielfältig beim Bau von Heiligtümern oder Grabanlagen brücksichtigt.

Rechts: Wat Chang Lom (Thailand) 
Stupa - Tempel im Schutz von 4 x 8 Elefanten 
Halle, Säulen, Außenmauer heute Ruinen 

Buddhismus - achtspeichiges RadVor allem seit der jüngeren Tradition des Buddhismus entwickelten sich im fernen Asien Bauwerke, die Buddha, seine Lehre und die Glaubensgemeinschaft darstellten, also Buddha, Dharma, Sangha. 

Aus den runden aufgeschütteten Erdhügeln als Grabmälter für Herrscher in uralter Zeit entwickelte sich der STUPA als religiöses Zeichen der Buddha-Verehrung. Im Heiligtum wurden Reliquien und religiöse Symbole verwahrt. Die Lotusblüte oder ein Mandala dienten oft als Symbol für Grundriss und Ritus, genauso das achtspeichige "Rad der Lehre Buddhas" als Lebensgesetz. 

Oft wurde das Viereck (oder ein Vielfaches davon) mit dem Kreis verbunden, als Hinweis auf die "Vier edlen Wahrheiten" Buddhas: Leiden, Ursachen des Leidens, Pfad der Ausübung, Nirvana.

Mandala Kalachakra - Tibet
Mandala Kalachakra, im 11. Jahrhundert in Tibet entstandene Meditations- und Erlösungspraktiken.

Dieses Mandala ist die Projektion des Stupa auf eine Ebene, und zwar nicht nur als Grundriss.
Im zweidimensionalen Bild sind Symbole und Gottheiten enthalten, der ganze Weg hin zur Erlösung.
Dieses "Kalachakra-Tantra" hatte großen spirituellen Einfluss auf alle Buddhaschulen in Tibet. 

 

In den westlichen Ländern versteht man unter Mandala meist ein Ausmalbild für Kinder oder Erwachsene, zum Spiel oder zur Unterhaltung, aber auch um hier und jetzt zu Ruhe zu kommen und geistige Entfaltung zu üben. So entstehen durch geübte Exerzierende oft wahre Kunstwerke, die auf die spirituelle, meditative und künstlerische Erfahrung der ostasiatischen Religionsschulen hinweisen.

Das Mandala wurde im Westen erst spät entdeckt. Es war vor allem der Psychologe C.G. Jung, der die seelische Kraft des Mandala entdeckte. In der Ausübung und meditativen Hingabe an diese Kunst fand er einen Ausdruck für das Selbst der malenden Person, im Gegensatz zum ichsüchtigen Ego. So siegen Echtheit und Wahrheit über Einbildung und Abhängigkeit, das Mandala schenkt Freiheit und Heilung von Zerrissenheit.


Allerseelen Jerusalem
Friedhofsumgang

 

Eine Urahnung davon ist auch im christlichen Brauchtum erhalten, wenn bei Prozessionen wie zu Allerseelen die Kirche (oft der Friedhofsmauer entlang) dreimal umschritten und der Hauptaltar als Zentrum mit Weihrauch umschritten wird.

 
Eine ähnliche Bedeutung aus der Mitte heraus zum Opferaltar entwickelte sich aus dem Brauch, Kirchen über Märtyrer- oder Heiligengräbern zu bauen; dann schritten Priester und beteiligte Personen aus der Krypta (Grabstätte) singend zum Kirchenraum hinauf, von wo sich dann die Gebete wie Weihrauchwolken in den Himmel des Kirchen- und Weltraumes erhoben. 

In dieser Hinsicht gibt es viele Gemeinsamkeiten in Liturgie und Architektur zwischen den Religionen der Erde heute sowie in der Vergangenheit, vor allem von den Natursymbolen her., z.B Sonne/Leben oder Nacht/Tod. So entstand auch das Weihnachtsfest als "Geburtsfest der unbesiegten Sonne, das ist Christus", das die römische Tradition des Sol invictus beendete (Unbesiegter Sonnengott nach babylonischem Vorbild).