Hilfreich & nützlich - Anregungen

 

Inhalt auf dieser Seite:

Stufen - Gedicht von Hermann Hesse
Einander Bruder und Schwester sein
Trostworte in schwerer Zeit
Schritte zur Versöhnung
Die Mauer - Meditation
 

Linke Spalte:

Nur für heute (Johannes XXIII)
Grundbedürfnisse des menschlichen Lebens
Gebet beim Anzünden einer Kerze

 

Stufen - von Hermann Hesse 1941


Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
 

Einander Bruder und Schwester sein

 

Einander Bruder und Schwester sein heißt:

-  sich zum einen Vater im Himmel und zum Bruder Jesus bekennen
-  gemeinsam ein hohes Ziel anstreben und fördern
-  einander auf dem je eigenen Lebensweg begleiten
-  die persönliche Eigenart des anderen hochschätzen
-  freundlich und zuweilen auch herzlich sein
-  loben, danken, bitten, füreinander eintreten
-  miteinander Leid teilen und Geduld üben
-  Freude haben und Frieden suchen, dankbar sein
-  einander treu sein in kleinen Dingen, Vertrauen ausstrahlen
-  nicht zu weit springen, sondern kurze Schritte machen
-  blühen, wachsen, reifen, rasten wie die vier Jahreszeiten
-  einander nicht überfordern – nur Gott ist fehlerlos
-  jeden Tag miteinander beten und einander segnen

 

Pflege der Gemeinschaft:

-   an eigenen Erkenntnissen und Entscheidungen teilhaben lassen
-  Geduld haben für geistige Entwicklungsarbeit
-   Humor, Fröhlichkeit, Lachen, Sonnenschein
-  das Gespräch miteinander suchen und Erfahrungen austauschen
-  gemeinsam Erreichtes nicht ständig in Frage stellen
-  bei Misserfolgen einander Mut machen und helfen
-  Lebenswerte und –werke nicht pauschal abwerten
-  innere Unruhe und Hektik meiden bzw. kontrollieren
-  „Ich habe den Eindruck…“  „Ich möchte gern…“
-  Tisch und Bet-Bank miteinander teilen
-  einander helfen und ergänzen, anerkennen und achten
-  Gefühle pflegen und einander zeigen dürfen
-  nicht zu empfindlich sein und zu kompliziert
-  vor allem sich selber ertragen und aushalten
-  nicht die eigenen Konflikte der Gemeinschaft anlasten
-  Konflikte vermeiden, indem ich mich selbst verändere

 

Bei Krisen in einer Gemeinschaft:

-  ohne Streit klare Verhältnisse schaffen
-  bei Angriffen von außen zusammenhalten
-  nicht plappern und hinaustragen, guten Ruf schützen
-  bei fälliger Kritik doch einiges Gute stehen lassen
-  nicht immer den Ton angeben und das letzte Wort haben müssen
-  das Spiel zwischen Nähe und Abstand beherrschen
-  bei Notwendigkeit u.U. den eigenen Platz räumen
-  den anderen nicht zum Blitzableiter nehmen
-  den Sündenbock zuerst bei sich selber suchen
-  nicht das Opferlamm und den ewig Gekränkten spielen
-  je größer die Liebe, umso schmerzhafter die Verwundung
-  vita comunis paenitentia maxima  
             (= das Leben in Gemeinschaft ist oft eine große Buße)

 

Schritte zur Versöhnung  (Bernhard Frei)


Voraussetzung zum Frieden ist die Bereitschaft, der gute Wille. Das Wort „Sünde“ kommt von „absondern“. Streit ist Sünde, tut Risse auf und isoliert, nimmt die Ruhe und kostet die Gesundheit. Wie bei einer Krankheit reicht es nicht, „alles gut sein lassen“, „ist ja gleich, ist schon recht“. Versöhnung betrifft zuerst Gerechtigkeit - und dann erst ist Frieden möglich!
 

1.      Wir wollen einerseits Gerechtigkeit suchen, andererseits aber bereit sein, um des Friedens willen nachzugeben. Wenn der Streit persönlich geworden ist, also das Sachliche nicht mehr abstandslos erkannt wird, verzichten wir darauf, ständig die Vergangenheit hervorzuholen: Wer hat wieweit Recht? Wer muss sich zuerst entschuldigen? Abstandslos Einzelheiten wiederholen ohne Ende ist wie vor lauter Bäumen keinen Wald mehr sehen.

2.      Was mich nichts angeht, muss und soll ich nicht beurteilen und vor allem nicht verurteilen. Wenn etwas nicht mehr zu ändern ist, wollen wir es liegen lassen, einen Stein drauf tun, und zwar auch dann, wenn es unfertig ist – solches darf nicht erst im Tode geschehen.

3.      Wir sind bereit, den Streit sterben zu lassen und ganz neu anzufangen. Wir willen aber, dass Versöhnung ein langer Weg ist. Versöhnung muss langsam und behutsam wachsen. Vor allem darf der Streit nicht auf die Kinder und Enkel übergehen – sie haben damit nichts zu tun. Wunden hinterlassen Narben – aber manchmal Eiter!

4.      Wir werden in alle Zukunft „auf freundlicher Distanz“ bleiben. Wir vermeiden jede Reibungsfläche. Wir billigen dem anderen guten Willen zu – auch er leidet am Streit. Ich reinige meine eigene Seele!

5.      Wir achten darauf, dass wir nicht bei jeder Gelegenheit dem anderen eins auswischen. Wir versuchen, Sticheleien zu vermeiden. Vor Drittpersonen wird über das Thema nicht gesprochen, und unter uns wird nicht geschimpft. Wenn ich aufgeregt bin, kann ich nicht sachlich bleiben und werde schweigen. „Wer schreit, hat Unrecht!“

6.      Weil wir überempfindlich sind, werden wir die Antennen unserer Beobachtung einziehen. Weil wir verwundet sind, reagieren wir viel zu intensiv – wie beten Gott um ein dickes Fell. Wir tragen ein Kreuz!

7.      Wir verzichten auf eine feierliche Versöhnung, setzen aber kleine Zeichen des Friedens, z.B. wir grüßen uns. Unsere Umgebung soll dies merken – aber auch, dass wir nähere Kontakte vermeiden.

8.      In einem neuen Konfliktfall verhandeln wir über eine geeignete Mittelsperson. Dies ist nicht sofort der Rechtsanwalt.
 

Wir wollen jeden Tag um Frieden beten,
für uns und für alle. 


 

Die Mauer – Meditation

 

eine Mauer zwischen unsEine Mauer steht zwischen mir und meinem Gegner.
Wir haben sie selbst gebaut, mit eigenen Händen,
mit Steinen vom eigenen Grund – und es haben andere mitgeholfen!
Keine Tür, kein Fenster, kein Loch, kein lockerer Stein.

Es sieht uns der, der im Himmel thront.
Gott ist über uns beiden und unserer Mauer.


Mauer - Meditation
Gott schaut auf mich,
er schaut auch auf meinen Gegner.
Gott sieht und kennt uns,
und er mag uns beide.


"Vater unser im Himmel, vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."