Alle Könige werden ihm dienen

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mit dem Bild "Maria Verkündigung" - klick
 

Rogier van der Weyden Dreikönigsaltar
Rogier van der Weyden, Königsaltar von St. Columba Köln (um 1455, Ausschnitt)


Die Künstler des Mittelalters und der Neuzeit waren immer froh, wenn sie ein Bild "Die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland" malen durften. Denn da war immer viel Phantasie, Farbenpracht und Bewegung gefragt. Sowohl der große niederländische Maler Rogier van der Weyden als auch der Herrscherhof der Herzöge von Burgund im 15. Jahrhundert (vor dem jähen Ende 1477) konnte sich in diesem herrlichen Bild ausdrücken. 

 

Die Gesichter der drei Könige sind als Portrait der großen Herzöge Johann Ohnefurcht, Philipp des Guten und Karl des Kühnen gemalt! Die prächtigen Kleider waren große Mode des kulturellen Zentrums Burgund für ganz Europa. Der Maler hat das Geschehen der Bibel ganz in die Zeit und politischen Gegebenheiten des Herzogspalastes in Dijon und von ganz Burgund hereingeholt. Besonders der junge König rechts fällt auf durch seine Selbstinszenierung und seinen Stolz - er wird gut 20 Jahre später sein Leben und sein Reich verlieren, tragisch und im selbst verschuldeten Kampf.

 Bild reechts: Karl der Kühne,
1477 in der Schlacht bei Nancy gefallen 

 

 

Die ungeheure Genauigkeit, mit der Gegenstände und Menschen, Natur und Architektur erfasst und wirklichkeitsgetreu dargestellt werden, war in der Malerei des 15. Jahrhunderts ein entscheiden­der Fortschritt und ermöglichte den Betrachtern die Erfahrung, Bild und Wirklichkeit miteinander zu verbinden und die darge­stellte Geschichte als „wirklich“ zu erleben und nachzuvollziehen. Während sich in Italien bereits der Humanismus, die Renaissance bemerkbar machte, glaubte man nördlich und westlich der Alpen noch an die großen Zusammenhänge hinter der sichtbaren Welt. Diese wollte man darstellen und zu unbedingtem Glauben sowie zur Anbetung des allmächtigen, ewigen, allbarmherzigen Gottes aufrufen.
 

Maria ordnet durch ihre Ruhe, Sicherheit sowie malerisch durch das tiefe Blau ihres Mantelkleides die ganze Szene der hereinflutenden Anbeter - Frauen sind nicht dabei. Von den behutsamen zärtlichen Händen des Königs ganz vorne bis zum stolzen Barett des sich selbst aufspielenden jungen Königs rechts pulsiert Leben, Farbe und Bewegung. Wenn wir uns vom Bild führen lassen, werden wir stufenweise wie die drei Magier niederfallen und das Kind berühren, das nackt auf dem weißen Linnen seiner Mutter uns dargeboten wird. Das Kind könnte an jene Stunde mahnen, da es als Gekreuzigter nackt in den Schoß seiner Mutter Maria gelegt wird - der Maler hat am Hintergrund des Stalles sogar ein kleines Kruzifix gemalt (hier nicht sichtbar), eine etwas sonderbare Eigenmächtigkeit gegen die geschichtliche Treue. Ähnlich der zerfallende Stall, eigentlich eine zerfallende Kapelle oder Kirche, in mitten einer neu erstrahlenden Welt mit Palästen und pulsierendem Leben - aus den Ruinen der Vergangenheit entsteht neues Leben. Burgund ging allerdings zugrunde, doch in Europa regte sich damals ein neues Zeitalter, ein sehr menschliches noch dazu.

 

 

Schrein der Heiligen Drei Könige in Köln


Im Jahr 1164 raubte der Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, in Mailand die Reliquien der heiligen Drei Könige und ließ dann über ihrem "neuen Grab" den Kölner Dom bauen. Die Goldschmiede an diesem größten Reliquiar des Mittelalters (Nikolaus von Verdun) arbeiteten 30 Jahre daran, der Kölner Dom wurde erst nach 7 Jahrhunderten fertiggestellt. Auch wer nicht glaubt, wird über die Tragfähigkeit solch religiöser Ideen und deren Wirksamkeit staunen.


                          Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom

Flankiert von Engeln thront Christus, der Weltenrichter, über den Schädeln der Heiligen. Nur einmal im Jahr, am 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, sind Caspar, Melchior und Balthasar zu sehen. 

Auf der Frontseite aus purem Gold ist die Taufe Christi dargestellt. Maria, die Mutter Gottes, hat die Hand zum Empfang der Gaben ausgestreckt. Hinter den drei Königen steht ein weltlicher Monarch: König Otto IV. Er stiftete um 1200 Gold und Edelsteine für die Vorderseite des Schreins.

Verteilt auf zwei Stockwerken versammelt er über siebzig historische und biblische Figuren. Unter Email beschlagenen Arkaden erkennen wir die Jünger Christi. Jede Gestalt scheint individuell porträtiert. Ausdruck hoher Kunst - nicht nur des Golges wegen ist also der Dreikönigsschrein von Köln das bedeutendste Kunstwerk dieser Art in Europa.

  Die heiligen drei Könige huldigen der Gottesmutter mit Kind
und bringen ihre Gaben dar.

 

 

 

 
 

Alle Könige werden ihm dienen

 

Rogier van der Weyden Dreikönigsaltar
Rogier van der Weyden, Königsaltar von St. Columba Köln (um 1455, Ausschnitt)


Die Künstler des Mittelalters und der Neuzeit waren immer froh, wenn sie ein Bild "Die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland" malen durften. Denn da war immer viel Phantasie, Farbenpracht und Bewegung gefragt. Sowohl der große niederländische Maler Rogier van der Weyden als auch der Herrscherhof der Herzöge von Burgund im 15. Jahrhundert (vor dem jähen Ende 1477) konnte sich in diesem herrlichen Bild ausdrücken, Die Gesichter der drei Könige sind als Portrait der großen Herzöge Johann Ohnefurcht, Philipp des Guten und Karl des Kühnen gemalt! Die prächtigen Kleider waren große Mode des kulturellen Zentrums Burgund für ganz Europa. Der Maler hat das Geschehen der Bibel ganz in die Zeit und politischen Gegebenheiten des Herzogspalastes in Dijon und von ganz Burgund hereingeholt. Besonders der junge König rechts fällt auf durch seine Selbstinszenierung und seinen Stolz - er wird gut 20 Jahre später sein Leben und sein Reich verlieren, tragisch und im selbst verschuldeten Kampf.

Die ungeheure Genauigkeit, mit der Gegenstände und Menschen, Natur und Architektur erfasst und wirklichkeitsgetreu dargestellt werden, war in der Malerei des 15. Jahrhunderts ein entscheiden­der Fortschritt und ermöglichte den Betrachtern die Erfahrung, Bild und Wirklichkeit miteinander zu verbinden und die darge­stellte Geschichte als „wirklich“ zu erleben und nachzuvollziehen. Während sich in Italien bereits der Humanismus, die Renaissance bemerkbar machte, glaubte man nördlich und westlich der Alpen noch an die großen Zusammenhänge hinter der sichtbaren Welt. Diese wollte man darstellen und zu unbedingtem Glauben sowie zur Anbetung des allmächtigen, ewigen, allbarmherzigen Gottes aufrufen.

Maria ordnet durch ihre Ruhe, Sicherheit sowie malerisch durch das tiefe Blau ihres Mantelkleides die ganze Szene der hereinflutenden Anbeter - Frauen sind nicht dabei. Von den behutsamen zärtlichen Händen des Königs ganz vorne bis zum stolzen Barett des sich selbst aufspielenden jungen Königs rechts pulsiert Leben, Farbe und Bewegung. Wenn wir uns vom Bild führen lassen, werden wir stufenweise wie die drei Magier niederfallen und das Kind berühren, das nackt auf dem weißen Linnen seiner Mutter uns dargeboten wird. Das Kind könnte tatschlich an jene Stunde mahnen, da es als Gekreuzigter nackt in den Schoß seiner Mutter Maria gelegt wird - der Maler hat am Hintergrund des Stalles sogar ein kleines Kruzifix gemalt (hier nicht sichtbar), eine etwas sonderbare und doch verständliche Eigenmächtigkeit gegen die geschichtliche Treue. Ähnlich der zerfallende Stall, eigentlich eine zerfallende Kapelle oder Kirche, in mitten einer neu erstrahlenden Welt mit Palästen und pulsierendem Leben - aus den Ruinen der Vergangenheit entsteht neues Leben. Burgund ging allerdings zugrunde, doch in Europa regte sich damals ein neues Zeitalter, ein sehr menschliches noch dazu.

 

Eine umfassendee Betrachtung zu diesem Bild siehe
bei meinem Kapuziner-Mitbruder Pius Kirchgessner:

https://www.pius-kirchgessner.de/