Amedeo Modigliani
* Livorno 1884   -   Paris 1920 +

 

Wenn ich den Namen Amedeo Modigliani höre, überfallen mich geradezu eine Menge von Assoziationen. Zuerst tauchen Bilder seiner vielen unverwechselbaren Portraits und der einmaligen Frauenakte der Jahre 1916/18 auf. Dann einige seiner geliebten Skulpturen (natürlich ohne die "drei neu aufgefundenen echten Modigliani's" von 1988 in Livorno), sein unstetes Leben, seine Kränklichkeit und sein früher, tragischer Tod an Tuberkulose. 


Ich denke an seine Geliebte sowie die gemeinsame Tochter, beide mit Namen Jeanne - und bewundere letztere in ihrem lebenslangen Kampf um die wahrheitsgetreue Würdigung ihres Vaters. Das Bild des Bohémien in Paris flackert in unstetem Licht vor mir. Amedeo stammte aus einer sephardisch jüdischen Familie, vor allem seine Tochter Jeanne hatte später unter dem Faschismus darunter zu leiden.  Der Lebenstraum des genialen Künstlers gibt mir zu denken, eine Vision, die ihn zeitlebens antrieb - diese wurde einmal als Entwicklung  "von der italienischen Renaissance direkt zu Cézanne und Modigliani" beschrieben.

 

Modigliani, Selbstportrait

Seine Lebensdaten sind wie der falsche Rahmen für ein Bild: manche Bilder passen in keinen Rahmen. Geboren 1884 in Livorno, mit 35 Jahren in Paris gestorben (Januar 1920).

In der Kunstwelt bekannt als Zeichner, Bildhauer und Maler. Ein unstetes Leben an vielen Orten, eine große Liebe zu seiner Frau Jeanne, eine große Sicherheit für seinen mit niemandem und nichts vergleichbaren persönlichen Kunststil.


Weltruhm erlangte er durch seine unzähligen Porträts mit ungewöhnlicher psychologischer Ausdruckskraft. Für manche wäre es gut zu erwähnen, dass der Künstler in einer kurzen Schaffensperiode nicht nur seine unbezahlbaren Frauenakte gemalt hat, von denen "Roter Frauenakt" (Nu couché: schlafender Akt, die Arme geöffnet) im November 2015 vom New Yorker Augtionshaus Christie's zum Spitzenpreis von 170,4 Millionen Dollar nach China versteigert wurde.



Modigliani, Selbstportrait 1919 


Modigliani, der Cellist

Links: Der Cellist (Il violoncellista, 1909)

Durch seinen langen Aufenthalt in Paris und Südfrankreich setzte sich Modigliani mit der avant- gardistischen Kunstentwicklung seiner Zeit auseinander: Impressionismus, Expressionis-
mus, Kubismus, Les Fauves, Surrealismus, Symbolismus, Schule von Paris, italienischer Futurismus. Er nahm wesentliche Impulse von der damals bekannt gewordenen afrikanischen Kunst auf, mit Ihrer Einfachheit und den ausdrucksstarken überlängten Köpfen. Er verleugnete aber nie seine Wurzeln in der großen künstlerischen Vergangenheit seiner Heimat Italien.


Modigliani war trotz seiner zeitweisen Ausfälle (Lungenkrankheit seit der Kindheit, Alkohol, Haschisch) mit vielen großen Künstlern bekannt. Er vergab sich nie in seiner Würde und wurde allgemein geachtet, man hatte ihn gern. Dies zeigte sich auch in einem feierlichen Begräbnis nach seinem frühen, gewaltsamen Tod. Seine große Liebe zu seiner Lebensgefährtin Jeanne, Modell und Malerin zugleich, führte sie zur Verzweiflung, sodass sie sich am Tag nach seinem Tod vom 5. Stockwerk in die Tiefe stürzte, obwohl sie bereits im 8. Monat schwanger war. Tot mit ihrem Kind, doch die erste Tochter (auch als Jeanne benannt) wird ihr Leben lang um die Anerkennung ihres genialen Vaters kämpfen - und siegen!

 

Hébuterne e Modigliani: storia di una pittrice all'ombra di un pittoreAmedeo Modigliani mit der Muse seiner Kunst, mit seinem Modell und einer ebenbürtigen Malerin, mit seiner geliebten Jeanne Hébuterne

Unten: Amedeo portraitiert
immer wieder seine Lebensgefährtin




Jeanne, ModiglianiModigliani, JeanneModigliani, Jeanne die große Liebe

 

Unten:  Dieses weltbekannte Bild erinnert bezüglich der Komposition an die Aktfotografie der damaligen Zeit. Dabei ist die Erotik nicht überbetont, sondern melancholisch abgestuft. Von der dargestellten Frau geht Würde und Kühle aus, was an die Steinskulpturen Modiglianis erinnern kann. 
 

Akt von Modigliani, liegender Akt
Amedeo Modigliani, Liegender Akt (1917)

Modigliani, Selbstportrait mit 23 JahrenModigliani, Herrenportrait
     Amedeo Modigliani, Selbstportrait, 23 Jahre alt                         Späteres Herrenportrait             
  

Die Augen sind die Fenster der Seele. Modigliani malt oft geschlossene Augen, eher angedeutet Mund und Ohren, während die Nase wie eine Linie Gesicht und Bild strukturieren. Er hebt seine Figuren in eine teilweise flache Ebene, fast in eine psychologisch andere Welt. Die oft halb geschlossenen Augen ohne Augapfel, Pupille und Iris schauen ins Leere oder Ungewisse, sie öffnen sich nicht nach außen, bleiben eher im Inneren der Persönlichkeit bei sich selber. 

Erst in späteren Portraits fügt er Accessoires hinzu oder gestaltet den Raum mit Hinweisen auf Stand und Arbeit. Schnell und sicher erfasst er den Aufbau der Zeichnung und des Bildes, und wenn er es mit ruhigen Flächen und Strichen fertig hat, braucht er nichts mehr zu korrigieren. So kam er auch zu einer großen Zahl von Sujets und Zeichnungen, trotz zeitweiliger Behinderungen durch Krankheit, Reisen und einen unsteten Lebensstil.

Giorgio de Chirico

 

Giorgio de Chirico hat seine Bilder gut durchdacht. Seine Kunst ist noch gegenständlich, sparsam in Details und in einer ganz neuen Formgestaltung. Die Lauben in Form einer Riesenordnung der Mauer-Lauben  zeigen in ihrem Fluchtpunkt auf ein tempelartiges, kleines Monument mir windbewegten Fahnen. Vor dem hellen Hintergrund fährt eine Dampf-Eisenbahn vorbei - sein Vater hat am Eisenbahnnetz in Griechenland geplant und gearbeitet. Auch ist dies mit anderen kleinen Sujets eine Andeutung an den italienischen Futurismus, vom dem er aber weiterführte in die größere Bewegung des Surrealismus in Europa. 

Große Wirkung geht von den Schatten und dadurch sonnenüberfluteten Straßen und Plätzen aus, nur angedeutet ein Monument (Brunnen?) und zwei Männer. Auch der im Schatten verborgene Kastenwagen kommt öfters bei ihm vor, immer zurückhaltend und dezent in der Form. Diese Richtung in der damals quirligen Zeit wird mit "metaphysischer Malerei" beschrieben. Im Bild könnte vieles verborgen sein, jedoch nicht dargestellt, es lädt zum Schauen und Betrachten ein.