Du suchst  Stille
  und Meditation?
Du findest  Kunst
und Deutung.
Du erlebst  Bild
  und Wort.

 

 

Sterben - Trostworte für Trauernde


Wir stehen oft schweigend bei unseren liebsten Angehörigen. Wir leiden, Worte versagen. Wir verstehen nichts mehr, wir können nicht einmal beten. Wie Jesus im Ölgarten - er schwitzt Blut, um noch beten zu können. Wie Jesus am Kreuz - auf seinen Schrei „Mein Gott, warum?“ bekommt er keine Antwort. Und doch betet er weiter: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben!“ Wenn uns die Zeit geschenkt wird, dass wir wieder denken und fühlen, handeln und beten können, dann können wir uns als Brüder und Schwestern Jesu vielleicht mit folgenden Trostworten Mut machen.

 

 

Die vier Jahreszeiten - Wunder der Schöpfung


Die Jahreszeiten sind Symbole des Lebens. "Im Herbst des Lebens" klingt wie am Lebensabend, wie die Tageszeiten. Durch Blühen, Reifen, Pflücken und Winterruhe werden die Jahresringe unseres Lebens bezeichnet. Den Jahreszeiten sind (unter anderem!) Pflanzen und Blumen zugeordnet, wie Sternzeichen und Gedichte. In der Meditation beschränke ich mich auf einen einzigen Betrachtungskern.

 

Glyzinien - BlauregenFrühlingslied

Leise zieht durch mein Gemüt
liebliches Geläute, 
klinge,  kleines Frühlingslied,
kling hinaus ins Weite.

Zieh´  hinaus bis an das Haus,
wo die Veilchen sprießen;   
wenn du eine Rose schaust,
sag´,  ich lass sie grüßen.

Heinrich Heine

 

 

 

Sonnenblumen - girasole                   

      Mondnacht im Sommer


Es war,  als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,  
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.


Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,  
es rauschten leis'  die Wälder,
so sternklar war die Nacht.


Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,    
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

                    Joseph von Eichendorff

 

 

 

 

 

 

Vinschgau romanische Kirchen
Bild: Herbsttag in Südtirol
 

Herr, es ist Zeit. 
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde  los.

Befiehl  den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist,  wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern,  wenn die Blätter treiben
 

Rainer Maria Rilke

     

 


 


 

Winter - Vereinsamt 

Die Krähen schrein Gipfelkreuz im Winter
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, - 
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr, 
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon! 
Was bist du Narr 
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor 
Zu tausend Wüsten stumm und kalt! 
Wer das verlor, 
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich, 
Zur Winter-Wanderschaft verflucht, 
Dem Rauche gleich, 
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr 
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! - 
Versteck, du Narr, 
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein 
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: 
Bald wird es schein, - 
Weh dem, der keine Heimat hat!

Friedrich Nietzsche