Die ERZÄHL-KRIPPE in Bozen Haslach
 Pfarrei St. Gertraud 1982

Bei der Betrachtung dieser Bilder ist es wichtig, die Größen zu beachten:

Ausmaße der Krippe: 200 x 110 m und 160 cm hoch

Figuren: 18 bis 40 cm groß

Maria (blau als Leitfigur vieler Szenen): zwischen 25 und 35 cm groß

 


Die linke Seite der Krippe: Der Stall von Betlehem mit der hl. Familie, Anbetung der Hirten, links Tempelszenen,
rechts unten das Zollhaus mit der Herbergsuche, oben der Kindermord in Betlehem, die musizierenden Engel.

 

DER UNFALL 

Am 21. November 1981 ist Pater Bernhard Frei mit dem Auto unterwegs zu einer internationalen liturgischen Tagung in Augsburg. Der 40jährige ist damals als Seelsorger in der jungen, aufstrebenden Pfarrei St. Gertraud in Haslach, einem Stadtviertel in Bozen, tätig. 

Vor Brixen kommt P. Bernhard Frei mit seinem Auto von der Straße ab. Der Wagen überschlägt sich. P. Bernhard wird schwer verletzt, von Carabinieri als tot geborgen. 10 Stunden liegt er im Koma, mehrere Tage schwebt er zwischen Leben und Tod. Sein Kopf ist verbunden, seine Augen sind bedeckt, am Körper trägt er zahlreiche Wundpflaster und Verbände. 

„Während dieser Tage im Krankenhaus“, sagt er rückblickend, „sah ich einen großen Engel an meinem rechten Bettende. Der Engel war größer als das Zimmer, größer als das Krankenhaus, in dem ich lag. Der Engel war hell, ruhig, lebendig – es genügte, dass er bei mir war. Nach drei Tagen war der Engel nicht mehr da. Aber sein Trost ist geblieben.“ 

 

NOCH IM KRANKENHAUS 
reift in P. Bernhard eine Idee: Er möchte mit seiner Pfarrgemeinde eine große Erzählkrippe bauen. Zu Weihnachten kehrt er wieder nach Hause zurück. Unmittelbar danach beginnt er, den Menschen in der Pfarrei von seiner Idee zu erzählen…. 

 

EINE IDEE NIMMT GESTALT AN 

Die Knochen schmerzen noch, die Glieder tun ihm weh. Aber mit leuchtenden Augen erzählt P. Bernhard Frei der Pfarrgemeinde von dem Engel, der über ihn gewacht hat und dass ihm als Dank, dass er den Unfall überlebt hat, die Idee einer Erzählkrippe mit 14 Engeln vorschwebt. 

Er habe dazu sogar schon Skizzen angefertigt. Die Menschen hören ihm zu - der Funke der Begeister-ung für dieses einzigartige Projekt springt über. 

Die 21 Szenen der Erzählkrippe stellen
jeweils eine biblische Begebenheit dar. Die erste Szene zeigt einen Engel, der dem alten Ehepaar Zacharias und Elisabeth sagt, dass sie Eltern werden. Ihr Sohn wird Johannes der Täufer sein, der Herold Jesu Christi.


In der letzten Szene der Erzählkrippe sieht man Johannes den Täufer, der die Menschen aufruft, ihr Leben zu ordnen und sich neu auszurichten. Er kündigt an, dass mit Jesus ein großartiger, liebender Mensch gekommen sei, Gottes Sohn, der die Menschen erlösen und retten wird. 

In der Erzählkrippe kommen 14 Engel vor. Die Engel sind größer als die anderen Krippenfiguren. Sie kommen als himmlische Botschafter auf die Erde, beschützen die Menschen, warnen sie vor Unheil, erscheinen ihnen im Traum, verkünden Neues. Sie loben Gott und erbitten Frieden für die Menschen. 

 

   

Im Tempel mit der goldenen Kugel zu Jerusalem

schwenkt der Priester Zacharias gerade das Weihrauchfass.

Er erschrickt sehr, als er den Engel Gottes sieht,

der sich vor ihm niederkniet und die Botschaft bringt:

"Der Herr hat dein Gebet erhört:

deine Frau Elisabeth wird noch in ihrem hohen Alter

einen Sohn empfangen und gebären.

Du sollst ihm den Namen Johannes geben."

Johannes wies auf Jesus hin und taufte ihn im Jordan. 
 

"Ich bin der Rufer in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Er wird Israel erlösen."


Eine Pfarrei krempelt die Ärmel hoch

Der Funke der Begeisterung springt über. Bereits im Jänner 1982 geht es an die Arbeit. An die 120 Mitglieder der Pfarrei bringen ihr Können ein und helfen mit bei der Entstehung der Erzählkrippe. 

Eine Gruppe von Männern zimmert und baut den großen Unterbau für die Krippenanlage mit 8 Gebäuden. Die Berge und Hügel der Krippenlandschaft formen sie aus geleimtem Jutesack. Eine Gruppe von Frauen unter der Leitung von Maria Tschager fertigt die 85 Krippenfiguren an. Die Köpfe der Figuren werden aus Wachs gegossen. Die Frauen nähen prächtige Kleider und einfache Umhänge. Sie stricken Jacken aus Schafwolle für die Hirten und häkeln Kettenpanzer aus Silbergarn für die Soldaten. 

Aus alten Coladosen basteln Pfarrmitglieder Soldatenhelme, Kronen und Laternen. Kindergartenkinder formen die Steine für Häuser, Straßen und Plätze. Aus Ton modellieren sie Ochs und Esel. Jungscharkinder und Pfadfinder schnitzen aus Lärchenholz die Holzklötzchen für die Dächer. Die Senioren sammeln Moos und bauen maßgeschneiderte Zäune. Viele setzen ihre vielfältigen Talente ein und fertigen Musikinstrumente, Lederaccessoires, Waffen , Arbeitsgeräte und Werkzeuge an. 

Die drei Kamele gelangen dank des damaligen Abtes von Kloster Neustift nach Haslach. Gabriel Berger entwirft die komplizierte Lichtanlage mit insgesamt etwa 60 Lämpchen, die alle dezent in die Krippenlandschaft integriert werden. Acht Punktstrahler heben fast unmerklich die wichtigsten Orte hervor. Jede Szene kann einzeln beleuchtet werden.

 


      Die rechte Seite: Burg des Herodes, Nazareth und oben Elisabeth, unten der Zug (und Traum!) der Könige

 

Advent und Weihnachten in Südtirol

Friedrich Gurschler (+ 2019) aus Schnals, von Kind an Krippenschnitzer


Menschen und Tiere aus aller Welt kommen zur Krippe, um das göttliche Kind anzubeten