Kreuzweg 2003 - in schwerem Leid naiv entstanden


Nach der Hauptschule wollte ich nie mehr zeichnen, schuld daran war der unfähige Zeichenlehrer! 

Krank und untätig auf der Station kam ich durch Meditation zum Kreuzweg Jesu. In einzelnen Stationen (nicht im Zusammenhang!) erfuhr ich eine tief heilende Wirkung. Ohne eigentlich zu wollen, entstanden dann nach und nach die hier erstmals gezeigten Zeichnungen. 

Ich wage dies, weil vielleicht andere auch ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Bitte schreiben Sie mir dann doch zwei Zeilen - ich antworte Ihnen gerne:  click auf bernhard.frei@kapuziner.org 
 


 

 

I. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

 Kreuzweg 1. Station

Pontius Pilatus hat sich die Hände schmutzig gemacht. 
Er wäscht sie in Unschuld, doch das Wasser rinnt trüb. 
Tatenlos und feige schaut er zu, wo es um Gerechtigkeit geht.

Jesus, der gut ist und nur Gutes tat, wird gefesselt und verklagt: 
„Weg mit ihm, ans Kreuz mit ihm!“  
"Ecce homo - Seht, der Mensch!“

Pilatus bleibt am Leben, Christus muss sterben. 
Verkauft und verraten, gefangen und in Ketten gezwungen,
gegeißelt und mit Dornen gekrönt, am Pranger versteigert:

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner!

II. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf sich.

Kreuzweg - 2. Station

Wer das Leben liebt, darf vom Kreuz nicht schweigen.
Leid und Schuld fallen uns zu wie Glück oder Unglück, wie das Wetter.

Der Herr hat Peitsche und Dornenkrone nicht selber gewählt,
er wurde zur Geißelung an die Säule gezwungen, gebunden.
Den Marktpreis für sein Leben, den Judaslohn von 30 Silberstücken, hat er nie erfahren.

Er hat die Hammerschläge des Schicksals angenommen,
die Nägel haben ihm Knochen und Sehnen zerrissen.
Er hat das Würfelspiel um sein letztes Hemd zu seinen Füßen gesehen,
in kalter Rohheit und mit wüstem Lachen. 
Er hat Essig, Spott und Speer erduldet.

„Meine Seele ist zu Tode betrübt. 
Vater, lass den bitteren Kelch vorübergehen,
aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“  (Mt26,38f)

III. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Kreuzweg - 3 Station

Stolpersteine, Schlaglöcher, Fallen: Jesus stößt an und fällt.
Anstößig auf Erden, Geheimnis im Himmel.

Der Soldat wird aktiv, mit Fußtritt, Wurfstein und Lanze.

Christus wird vom Kreuz noch nicht erdrückt, er wird wieder auf die Füße kommen.
Gott hilft dem, der zu ihm ruft.

Stolpersteine tragen Namen von Menschen, Ängsten und Problemen.

Ob mit Gewalt oder mit Gottes Gnade (Soldat oder Himmelssegment) -
es kann und wird weitergehen.

Doch ganz ans Ende, an ein gutes Ende geht es nur mit Gottes Allmacht und Weisheit.

IV. Station: Jesus begegnet seiner Mutter Maria

Maria am Kreuzweg

Begegnung und Einssein, Mutterherz und Kindessinn, 
Gotteswort und Frauenliebe.
Gemeinsames Leid in zwei Herzen,
gemeinsam Hand und Arm am selben Kreuz, Jesus und Maria.

Der Purpurmantel der Gnade umhüllt Gott und Mensch
im tiefsten, gemeinsamen Leid.

„Stark wie der Tod ist die Liebe, 
die Wasser der Trübsal können sie nicht löschen.“

V. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Simon von cyrene hilft Jesus Kreuz tragen

Helfen müssen, helfen dürfen - ein Kampf der Gefühle. 
Das erste Zupacken ist am schwersten, wie immer!

Dann geschieht das Wunder:  
Simon hilft zuerst dem Menschen Jesus, dem geschundenen,
dann tragen sie gemeinsam wie Brüder das Kreuz.

Straßenkinder werfen Steine, von den Großen haben sie es gelernt. 
Alle schlagen und beißen den Letzten, den Schwächsten.

Die Steine treffen Simon gleich wie Jesus,
Christus aber wird durch sein Kreuz die Kraft aller, die Kreuz tragen. 
Helfen heißt, mit anderen das Kreuz tragen.Die Zeit der Hoffnung ist angebrochen, 
eine bessere Welt entsteht und lässt Wunden heilen.  

VI. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Veronica – vera Icona: nicht von Menschenhand gemaltes Bildnis Christi,
sondern wahrhaft ursprünglich und ohne Fehler, original Jesus Christus selber leibhaftig.

Veronika erwies Jesus einen kleinen, intimen Dienst,
und als Belohnung erhielt sie den Herrn selbst in seinem wahren Blut und Bild.

Blut, Schweiß und Staub als Abdruck auf dem Linnen,
doch ein gütiges Antlitz mit schönen Augen und mit einem Mund,
der von nun an tröstend zum Herzen der Frau sprechen wird.

„ Das nicht von Menschenhand, sondern von Gott
geschaffene Bildnis des wahren Menschseins, 
anerkennend verehren wir es, indem wir es mit Andacht küssen“ 
(Ostkirche, Hymnus zum Fest des Mandylion)

VII. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Jesus fällt unter dem Kreuz

Jesus ist wieder gefallen, diesmal ganz von allein,
er ist einfach so hingestürzt - er schafft es nicht mehr. 
Die Füße schwinden, die Beine tragen nicht mehr.

Kein Feind, kein Stolperstein und keine Falle.
Nicht das Kreuz hat ihn erdrückt,
und der Vogel ist nicht weggeflogen, ihn hat es nicht einmal erschreckt.
Keine Bühne mehr für den Wiederholungstäter!

Der Soldat reagiert nicht mehr, niemand tadelt oder hilft,
und Gott ist fern, weiß Gott wo.
Kein Lichtstrahl aus dem Himmel fällt auf die Erde.

„Ich bin elend und voller Schmerzen, doch deine Hilfe wird mich erhöhen.“ (Psalm 69,30)

VIII. Station: Jesus begegnet weinenden Frauen

Jesus begegnet weinenden Frauen

Weinende Frauen aus Jerusalem, Tränen in Strömen und lautes Schluchzen.
Mitleid, Angst, Verzweiflung. 
„Wenn das am grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren sein?“

Jesus, Freund der Kinder und weinenden Frauen,
Freund aller, die ohne Namen sind in dieser Welt:
er tröstet alle, die von Herzen trostlos sind.

Der Schatten des Kreuzes fällt auf die Häuser von Jerusalem,
es werden Tage kommen, da Berge von Leid über sie fallen.
Auch heute weinen Frauen mit ihren Kindern,
es bricht Unheil herein, Druck und Gewalt,
und ganze Völker sind in Not:

Herr Jesus Christus, erbarme dich unser.

IX. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Kreuzweg - Jesus fällt dreimal unter dem Kreuz

Gestolpert, gestürzt, kraftlos am Boden, vom Kreuz erdrückt, vernichtet.
Kein Feind, der angreift, niemand und nichts, dass man fliehen müsste.
Alles ist schwarz, ein Abgrund ohne Boden.

Der Himmel schwarz von Wolken, die Erde kalt, wüst und grau.

„Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" 
"Ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; 
ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.“ (Ps 22,1f)

X. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

 

Kreuzweg - 10. Station

Kleider, Haut und Haare, der Leib mit allen Sinnen,
die Seele mit Gemüt, Gefühl und Liebe:
erniedrigt, gedemütigt, geschunden und zertreten,
schamrot und gnadenlos.

„Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave, den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen.
Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz. 
Darum hat Gott ihn über alle erhöht,
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.“ 
(Phil 2,6-9)

XI. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt.

Jesus wird gekreuzigt

O du mein Volk, was tat ich dir? Betrübt ich dich? Antworte mir!

Ägyptens Joch entriss ich dich, du legst das Kreuzesjoch auf mich.

Ich führte dich durch vierzig Jahr und reichte dir das Manna dar;
das Land des Segens gab ich dir, und du gibst mir das Kreuz dafür.

Was hab ich nicht für dich getan?
Pflanzt dich als meinen Weinberg an, und du gibst bittern Essig mir,
durchbohrst des Retters Herz dafür.

Ich führte dich durchs Rote Meer, du durchbohrst mich mit dem Speer.
Der Heiden Macht entriss ich dich, du übergabst den Heiden mich.

Ich nährte in der Wüste dich, und du, du lässt verschmachten mich;
gab dir den Lebensquell zum Trank, und du gibst Galle mir zum Dank.

Ich schlug den Feind, gab dir sein Land,
doch grausam schlägt mich deine Hand.

Das Königszepter gab ich dir, du gibst die Dornenkrone mir.
Ich gab dir Gnaden ohne Zahl, du schlägst mich an des Kreuzes Pfahl.

O du mein Volk, was tat ich dir? Betrübt ich dich? Antworte mir!

(Impropérien Karfreitag, Totenklage, Gotteslob 206)

XII. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Jesus stirbt am Kreuz

Wir danken dir, Herr Jesus Christ,  dass du für uns gestorben bist,
und hast uns durch dein teures Blut  gemacht vor Gott gerecht und gut.

Wir bitten, wahrer Mensch und Gott:  Durch deine Wunden, Schmach und Spott
erlös uns von dem ew'gen Tod  und tröst uns in der letzten Not.

Behüt uns auch vor Sünd und Schand  und reich uns dein allmächtig Hand,
dass wir im Kreuz geduldig sein,  getröstet durch dein schwere Pein,

und schöpfen draus die Zuversicht,  dass du uns wirst verlassen nicht,
sondern ganz treulich bei uns steh'n,  dass wir durchs Kreuz ins Leben geh'n.

XIII. Station:  Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt.

Mater Dolorosa - die Leidensmutter

Jesu Leib wird vom Kreuze abgenommen 
und in den Schoß seiner Mutter Maria gelegt.

Sie hat das Kind in ihrem Schoß getragen,
sie hat es Tag für Tag ins Leben gehoben:
„Gewoben im Schoß der Mutter,
gewirkt in den Tiefen der Erde.“  (Ps 139,13.15)

Jetzt nimmt sie ihren toten Sohn wieder auf in ihren lebendigen Schoß. 
Jesus ist eins mit seiner Mutter in Leben und Tod.
Ihr Glaube wird zum Auferstehungsgrab für Jesus.

Er wird auferstehen, 
er wird leben 
und Leben schenken.

XIV. Station: Jesus ruht im Grabe

Grabesruhe Jesu

Ohne große Worte und Gebete wird der Leichnam Jesu ins Grab gelegt,
in höchster Eile, in größter Aufregung, provisorisch in ein geliehenes Grab.

Leinenbinden, Salböl, Rollstein und Totenlampe -
erst nach dem Paschafest kann dies alles richtig geschehen.

Zeit und Raum halten inne, Totenruhe, Grabesstille.
Doch in der Mitte der Nacht beginnt der neue Tag, 
Morgenrot und Hahnenschrei kündigen ihn an.

XV. Station: Jesus ist vom Tod erstanden

Kreuzweg 15. Station - Jesus ist vom Tod erstanden

Wo es am dunkelsten ist, in der Höhle, im dunklen Grab,
im Schoß der Erde wird neues Leben geboren. 
Das Firmament erglüht im Morgenrot,

Himmelslicht fällt auf die Berge 
und neue Blumen wachsen wie im Paradies.

Der Wächter schläft, die Frauen staunen.
Der Engel hat den Rollstein versetzt. 
Der Botenstab des Allerhöchsten und das Diadem im Haar 
geben dem Engel Vollmacht, aller Welt zu verkünden:

„Christ ist erstanden von Toten,
im Tode bezwang er den Tod
und schenkte den Entschlaf'nen das Leben.“

(Oster-Troparion in der Ostkirche)