Christus medicus - Martinsbrunn Meran
Einweihung der neuen Kapelle (27.10.2018)



 

Weit und hell, mystisch und alltäglich in hoher Qualität:  Die neue Kapelle neben dem Palliativzentrum in Martinsbrunn. Kapelle – das Wort leitet sich ab von der capa, dem geteilten Kapuzenmantel des Hauspatrons dieses Hauses Martin von Tours bzw. dem Schutz- und Verehrungsraum dafür. Das Wort Palliativ kommt ebenfalls von einem Mantel her, mit dem leidende Menschen fürsorglich bedeckt und aufmerksam betreut werden. Betritt jemand in Martinsbrunn die neue Kapelle neben der Palliativstation, dann taucht er in einen hellen, bergenden und beruhigenden Raum ein, ein Lichtdach über diesem Haus der Fürsorge und Krankenpflege.


 

Das milde helle Licht von oben und von den Seiten, das feste und zugleich leichte Dach aus weißen Streben, die angedeuteten Säulen für imaginäre Seitenräume, die durchdachte Struktur der Bauelemente und der Einrichtung laden zu Ruhe und Besinnung ein und weiten das Gemüt. 

Die originellen Ikonen an den Wänden halten den Raum zusammen und strahlen Kraft und Lebendigkeit aus. 

Es ist ein Raum zum Verweilen und Beten, zugleich aber einladend zu Begegnung und gegenseitiger Anteilnahme. Hier durchdringen sich das Sakrale und das Profane, und die betonte Einfachheit macht die Begegnung von Zeit und Ewigkeit, von Tod und Leben spürbar. 

Diese Kapelle lädt ein, wenn Sterbende und ihre Angehörigen, auch die da pflegen und ärztlich helfen, sagen müssen: „Da hilft nur mehr beten!“ 

Auch wenn kein Wunder geschieht – beten hilft, heilt und verbindet uns im Urgrund.

 

 

 

Wenn in diesem Raum das Gedächtnis von Leben, Tod und Auferstehung Jesu gefeiert wird, kann man nach den Liedern der Ostkirche beinahe den Flügelschlag der Engel hören, der Cherubim und sechsflügeligen Seraphim. Mögen die betenden Menschen in dieser Kapelle erfassen, wie tröstlich im Mittelalter zuweilen der Tod dargestellt wurde: er fasst dem gebrechlichen Menschen unter die Arme, nimmt ihm die Krücken aus den Händen und sagt: „Die brauchst du jetzt nicht mehr; geh nur schlafen und träume süß – du erwachst im Paradies.“

 
 
Links: Taufe Jesu - 

Rechts: Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen
Hintergrund: Martinsbrunn heute

 

TAUFE JESU - "Wer auf Christus getauft ist, hat Christus angezogen, halleluja" Troparion des Festes, klick.

 

SAMARITERIN - Im Gespräch mit der Samariterin stellt sich Jesus als das Wasser des Leben vor, in dem die Kinder des Lichtes die Taufe empfangen. Der quadratische Brunnen weist auf den quadratischen Altar in der Mitte des Raumes hin, auf Christus in der hl. Eucharistie.

 

 


Links: Jesus heilt den Blinden
Rechts: Jesus  selbst
als barmherziger Samariter

 

BLIND:  Jesus als Sohn Gottes (Schriftrolle, Weisheit, Wort Gottes) - er wendet sich den Menschen zu. Wie eine Mama ihrem weinenden Kind macht Jesus dem Blinden "heitscha" mit Speichel und ein bisschen blasen, dazu Das Wasser und sich waschen (oben im Bild) - die Natur ist von Gott erschaffen und gut. Das Kurhaus Martinsbrunn im Hintergrund beweist es! Gott öffnet die Augen der Menschen, um Gutes und Heilsames wirken zu können, damit sie das Schöne sehen und sich daran erfreuen.


SAMARITER:  Jesus selbst als barmherziger Samariter - gut und schön gedacht. Jeder Helfer ist wie Jesus! Das weiße Kleid Christi mit dem roten (purpurnen) Mantel lässt diese Assoziation zu. Der Wirt mit viel Öl im Krug gegen die Verwundungen und der geduldige Esel - vor allem aber der mit Liebe und Zuwendung gemalte Verwundete, er bekommt den roten Mantel der Gnade, Heilung und Rettung.

 

Links: HEILUNG des 
GELÄHMTEN.
"Deine Sünde ist ver-
geben" - heilen an
Seele und Leib.
Wenn die Seele
krank ist, spürt dies
der Leib. Menschen
in heilenden Berufen
tun, was Jesus tat:
begegnen, helfen,
aufrichten, heilen.

Oben: Arzt, Vinzenz
von Paul, Schwestern,
hl. Elisabeth (Verein).

 

Oben: VERURTEILUNG JESU               
"Seht der Mensch", Soldaten (Pilatus versteckt sich - dafür betet König David
demutsvoll für das königliche, verirrte Volk), Verleugnung des Petrus am Kohlefeuer,
Petrus in seinen Tränen (verzeihender Blick Jesu), der Hahn kräht, 
Gott wird sein Volk retten (Himmelsstrahl auf David herab).

 

Ikonentechnisch: die Berge verfließen nicht im Sfumato der Ferne, sondern in der "umgekehrten Perspektive" fallen sie fast auf den Betrachter zu. So schieben sie die Personen in unsere Nähe! Schön auch immer das Himmelssegment oben und der Erdboden unten in symbolischen Farben - auch wer solches nicht weiß, wird dadurch beeindruckt. Besonders gut durchdacht und mit sicherer Hand gezeichnet - gerade die Zeichnung erhebt diese neuen Ikonen zu hoher Kunst. 

 
  
  Das Motiv des Engels als Wegbegleiter in das ewige Leben wird von den großen Religionsgemeinschaften geteilt. Der Engel, Bote Gottes und Bringer des Heils, ist der erste Tröster, der die Trauer auffangen will durch seinen Fingerzeig hin zum Herrn und Schöpfer des Lebens. Deshalb singt seit dem frühen Mittelalter die Kirche zur Verabschiedung eines Verstorbenen den Ruf: 
 
"Zum Paradiese mögen Engel dich geleiten,
bei deiner Ankunft die Märtyrer dich begrüßen
und dich führen in die heilige Stadt Jerusalem.
Chöre der Engel mögen dich empfangen,
und mit Christus, der für dich gestorben,
soll ewiges Leben dich erfreuen."