Therapie: die Krankheit annehmen, behandeln und heilen:

Meditation der Kreuzweg-Stationen
Depressionen 2003 - Coronavirus 2020

Coronavirus 2020 - die zwei Monate Isolierung in der eigenen Wohnung wird niemand vergessen. Die täglich gemeldeten Infizierten und Opfer und die Aussicht, noch lange mit der COVID-19 Gefahr leben zu müssen. Jede Ansammlung von Personen ausgeschaltet, zwar keine Flugzeugstreifen am Himmel und die Straßen frei, abe dafür Ostern ohne religiöse Feiern und ein Leben ohne Freunde und Besuche. 

Ältere Leute erinnerten sich noch an den Krieg, an Bombenalarm und verhangene Fenster. Mir geschah zwar nichts Besonderes, aber ich erinnerte mich an Juli 2003. Damals verfiel ich in eine schwere Krankheit, burn out und Depressionen. Plötzlich fand ich mich in der Psychiatrie in Brixen, vieles war nun anders, ich musste mit der Krankheit leben, sie annehmen, um zu heilen. 
 

 

Damals war ich isoliert und allein. Meine Gedanken waren ganz beim Kreuzweg Christi, beim Rosenkranz, beim Stundenbuch. Zunächst taten es mir die 1. und 9. Station an, dann Maria, Jesus fällt dreimal usw. Je nach meiner Befindlichkeit blieb ich immer 2 oder 3 Tage bei einer Station, und langsam begann ich zu zeichnen, was ich in der abgeschlossenen Krankenstation innerlich erlebte und sah. 

 

In der Isolation hatte ich damals zum Malen nur zur Hand:
 
        -  einen kleinen Block im Format einer Postkarte,
 
        -  12 Kinderfarbstifte,
 
        -  einen Bleistift und meinen Kugelschreiber. 


Ich hatte vorher nie gezeichnet, wohl aber mich eindringlich mit Ikonen befasst. Als ich entlassen wurde, war ich bei der letzten Station angelangt, Auferstehung zu neuem Leben. 

Wenn ich heute zurückdenke, bin ich den verwunderten Ärzten, der ganzen Belegschaft sowie meinen Zimmer- und Leidensgenossen dankbar, dass sie mich nicht behindert oder belästigt haben, auch nicht gelobt, sondern eher neugierig beobachtet. Für mich ist es die schönste Erinnerung an jene Zeit.
 

 


 

Vielleicht haben in der Coronazeit auch andere plötzlich überraschende Dinge versucht, vielleicht mit wenig Mitteln und ungelenk wie ich - so wage ich es, hier meine Bilder und Texte zu zeigen. Vielleicht schreiben Sie mir, wenn Sie Ähnliches erfahren haben?  

Ich antworte Ihnen gerne:  click auf 
bernhard.frei@kapuziner.org 

 

 

Klick - erste Station