Buchmalerei und Miniaturen


Ab dem 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. wurden die antiken Papyrusrollen von Pergament abgelöst, also von ungegerbten, aber speziell bearbeiteten Tierhäuten vor allem von Ziege und Schaf. Die zugeschnittenen Seiten nähte man nun nicht mehr nebeneinander zu einer Schriftrolle zusammen, sondern legte sie übereinander zu einem Buch. Die Buchdeckel wurden kostbar verziert und auf den planebenen Seiten entwickelte sich die Buchmalerei zu hoher Kunstfertigkeit.

Erst im 15. Jahrhundert wurde das Pergament durch das billigere Papier verdrängt. Holzschnitt, Kupferstich und nachträglich kolorierte Druckgraphik lösten die kunstvolle Buchmalerei ab. Das Buch wurde nun maschinell gedruckt und eine billige Massenware, fand aber dadurch breite Verbreitung in allen Gesellschaftsschickten. Die wertvollen alten Kodizes behielten ihren historischen und künstlerischen Wert, Pergament wurde in Zukunft allerdings nur mehr für die Buchdeckel und für Urkunden verwendet.

Der meist in zwei Kolumnen geschriebene Text wurde nach einem künstlerischen Gesamtkonzept illuminiert. Die Initialen, Miniaturen und Randstreifen ergaben mit dem sorgfältig geschriebenen Text ein wunderbares Kunstwerk. Die Schreibstuben überboten sich in der Anschaffung teurer Materialien und in der zeitaufwändigen Gestaltung eines Kodex. Kirche und Adel waren meistens die Auftraggeber, dementsprechend auch der Inhalt der Bücher. Vor allem für den Vollzug der Liturgie war keine Mühe zu groß und kein Detail zu kostspielig. So bilden handgeschriebene und illuminierte Kodizes heute noch die Glanzlichter jeder Bibliothek und jeden Museums. 

 

Prachtbibel "Altes Testament deutsch" 1390/1400

Wenzelsbibel, Werkstatt Wenzel Böhmen
Wenzelsbibel, böhmische Werkstatt.
1214 Pergamentblätter, 654 Miniaturen.
Eine der ältesten deutschsprachigen Bibeln mit dem Alten Testament.

 

Mindestens sieben Buchmaler haben für König Wenzeslaus IV. von Böhmen diese Prachtbibel gemalt. In der Bibel sind auch Miniaturen alltäglichen Lebens enthalten. 

Sowohl für die Schrift als auch für Zeichnung und Malerei ist ein klarer Aufbau zu erkennen. Der Text wird nicht nach Silben getrennt, sondern läuft einfach in Buchstaben weiter. Wir sehen eine schlichte Initiale und eine Miniatur-darstellung der Majestas Domini, die nicht mehr an Ikonen erinnert, sondern frei entworfen ist. Die prächtige Randbemalung greift als Lieblingsmotive Tier und Pflanzenmuster auf, wobei auf große Natürlichkeit geachtet wird. Unten ist eine verspielte Genreszene mit tanzenden Bademädchen hinein komponiert; der blaue Buchstabe W steht für Wenzeslaus, der auch als versteckte Gestalt angedeutet ist (als "Wilder Mann"?). 

 



Miniaturmalerei - Genre


Detail aus dem unteren Rand. Das linke Mädchen mit dem blauen "luftigen" Kleid kommt im Buch immer wieder vor!
Auch rechts vom Wilden Mann
ist eine Szene mit drei Bademädchen. 
Wegen solcher erotischer Szenen hat diese Prachtbibel das Missfallen der Kirche hervorgerufen, weshalb sie von ihr eher übersehen und vergessen wurde.

 

 

 Goldener Münchner Psalter - Oxford 1200


Osterbild: Christus abgestiegen zu den Toten.

Beim Übergang in die Gotik waren neben Hochadel und Klerus auch selbstbewusste Städte und Universitäten bemüht, hochwertige Schreibwerkstätten zu unterhalten. Damals wurde auch neben der Liturgie der Kirchen zusehends die individuelle Frömmigkeit gepflegt. Als Buch bot sich dafür das Psalterium an:es war nicht so umfangreich, in seinem Inhalt vielfältig und leicht verständlich und auf das Leben bezogen. Auch konnten so der Kalender und das Kirchenjahr durch Bilder den Gläubigen nahe gebracht werden.

Aus diesem Prachtband, der iin England wahrscheinlich für eine Frau aus dem Hochadel geschrieben und illuminiert wurde, ist hier die Höllenfahrt Christi dargestellt. Wie in den alten byzantinischen Ikonen reißt der Herr Adam und Eva sowie alle Toten aus dem Höllenschlund, nachdem der Fürst der Unterwelt besiegt und in Ketten gelegt worden war (unten links).

 


Goldener Münchner Psalter:

Salome tanzt vor König Herodes
und erwirkt dadurch für die Königin Herodias
das Haupt Johannes des Täufers.


Auf Goldgrund treten in herrlichen Farben die am Gastmahl des Königs Herodes teilnehmenden Personen hervor. Die schlanke Gestalt der Tänzerin in dem langen blauen Kleid weist schon auf die sich anbahnende gotische Zeit.

Durch die sich ausrenkend nach hinten beugende Bittstellerin - von der Zeichnung her wäre auch eine einfache Verbeugung möglich gewesen - sowie durch das auffallende Zopfspiel wollte der Maler wohl die widernatürliche Kindesbitte und die makabre Enthauptung im unteren Bild anprangern. Tanz und Willfährigkeit einer Tochter der von Hass gesteuerten Mutter gegenüber - mitten in das Bild komponiert. 

 

   Mohammed und Erzengel Gabriel

Mohammed und Erzengel Gabriel
Arabische Weltchronik 1307

Nach einer allgemeinen Tradition ist Mohammed vom Tempelberg in Jerusalem aus Felsendom) mit seinem Reittier al-Buraq zum Himmel aufgefahren, um Allah zu sehen. 

Allah warnte ihn, dies wäre sein sicherer Tod. Mohammed habe darauf mit dem mehrflügeligen Erzengel Gabriel gesprochen und seine Botschaft auf Erden verkündet.

Dieses Ereignis wurde oft mit dem heiligen Franziskus in Zusammenhang gebracht, der auch in der Vision eines sechsflügeligen Seraphs im Jahr 1224 auf dem Berg La Verna die Wundmale empfangen hatte. Aus diesem Grund wurde z.B. im größten muslimischen Staat Indonesien Franziskus als Schutzpatron des Landes für die Christen anerkannt.