Weihnachtskrippe - Ursymbole

Weihnachtskrippe - Kunst oder "nur Volkskunst"?

 

Ja Kunst, nämlich als echte Volkskunst! Wie die Volksfrömmigkeit! Die offizielle Liturgie war bis 1965 lateinisch, fremdartig in ihren Zeremonien und streng in den Formen. So bildete sich daneben die Volksfrömmigkeit in einer Formen- und Farbenfülle sondergleichen: Prozessionen, Wallfahrten, Andachten, Kreuzweg, Rosenkranz, Maiandacht, Wegkreuze und Bildstöckchen, Krippe und Christbaum.
 

Weihnachtskrippe Salzburg

Krippe Salzburg (zeitgenössisch)

 

Noch heute gibt es Krippenspiele, in Schule, Kindermette und sogar im Altersheim. Von der Phantasie und dem Aufwand solcher Spiele wurde die Krippe beeinflusst, wir spüren auch deutlich dieses "Spiel" zwischen Andacht und Aktion. Wie arm ist dagegen der Weihnachtsmann, der die echte Krippe (bisher) nicht verdrängen konnte! Werden dies die konsumorientierten Weihnachtsgeschenke erreichen? Oder wird das Christkind es machen wie jenes Kleinkind, das am Weihnachtsabend Geschenke auspackte, und als es fertig war, weinte und schrie: "Ich will noch Christkind!" Dass also das Spiel des Auspackens und Wegwerfens wichtiger wird als das Geschenk selber?

Was mir am Wichtigsten vorkommt: die Weihnachtskrippe ist ein  Beispiel für "Inkulturation", d.h. für ein Bibelverständnis in der heimatlichen Welt. Ob Tiroler krippeoder orientalisch, immer ist eine Interpretation von Weihnachten im Bildnis! Und dies führt weiter zu anderen biblischen Ereignissen: eine Leiter in der Krippe deutet auf die Himmelsleiter des Patriarchen Jakob (Gen 1, 23-31), Christus am Brunnen mit der Samariterin (Jh 4,6-42), Leidens- und Ostermotive. Natürlich steht das Insgesamt der Kindheitsgeschichte im Vordergrund, Verkündigung an Maria, Herbergsuche usw. bis zur Flucht nach Ägypten und dem Kindermord des Herodes. Ein eindringliches Meditationsbild auch für heute!

Krippe Zäune Vorlage

Vorlage für Krippenzäune

Krippenbau hat nichts mit Geschäft zu tun, "süßer die Kassen nie klingeln" passt nicht zur Krippe im Wohnzimmer, eher zum Kitsch des Tannenbaums, der schon längst nicht mehr ein Lebensbaum und Naturwunder im Winter ist. Spielerische Freizeitbetätigung - ja, auch sinnvoll und kreativ, sogar für den Vater! Etwas für die Volkskunde? Ja, durch Krippenkurse gepflegt, mit wahren Kunstwerken in den Museen. Vor allem aber ist die Krippe ein Ausdruck der Volksfrömmigkeit, hat mit Gottesdienst un Andacht zu tun, mit Meditation.


 

Südamerika - Flucht nach ÄgyptenKrippe Südamerika

"Krippele schaugn" sagen wir zu den Kindern, nicht nur sie ansehen! Vieles an der Krippe lädt uns ein, in die Tiefe zu gehen, z.B. horchen und lauschen auf so vieles im Krippengeschehen, die Babysprache Mariens - eine Einheitssprache aller Mütter deser Welt, die Laute der Tiere, die Verkündigung an die Hirten und deren Männergeschrei bei ihrem Aufbruch, die Glückwünsche an Kind und Eltern, den orientalischen Auftritt mit Farbenpracht und Lärm im Königszug, vor allem aber das Singen und Spielen der Engel: "Ehre Gott und Friede den Menschen!"

Wahrnehmen, schauen und horchen in der Stille, in die Tiefe - wie es nur ein Kind zuwege bringt! Wenn die Mutter zu einem lauten Gast sagt:"Still, das Kind schläft!" - dann wird der ärgste Grobian still. Warum sollte es bei uns anders sein?

 

 

Krippenberg Weihnachten


Krippenberge waren beliebt, um viele Figuren und Bauwerke darzustellen. In den alpenländischen Weihnachtskrippen waren die Figuren immer auf das Geschehen im Stall von Betlehem ausgerichtet. "Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ." (Lk 2,15)

 

 

 

 

 

 

Neapolitanische Krippe
Neapolitanische Krippe

In den berühmten neapolitanischen Krippen dient der Berg, um den ganzen Jahrmarkt des städtischen Lebens darzustellen. Hier z. B. der Wurstladen - Maria erkennt man kaum in ihrem blauen Kleid, oben links betete sie das Kind an, vor ihr der Besucher in weißem Hemd und grüner Hose. Für Tiroler Krippenschnitzer unvorstellbar!

 

Weihnachtskrippe Romantisierung
Romantisierung der Tiroler Krippe (ab 19. Jh.)

Krippenfiguren und Szenen
Maria - Jungfrau, Braut, Gemahlin, Mutter, Königin
Josef - Bräutigam und Gemahl, Vater und Schutzpatron
Engel, Hirtenfeld, Anbetung der Hirten, Weise und Sterndeuter oder Könige
Ochs und Esel, Schafe, paradiesische Natur oder heimatliche Landschaft
König Herodes, Tempelpriester, Soldaten, Kindermord
Flucht nach Ägypten, Darstellung Jesu mit Simen und Hanna
Taufe Jesu, Hochzeit zu Kana

 

Krippele schauen gehen
"Auf, lasst uns eilen und das Kind suchen!"
Sich auf den Weg machen und suchen - wie im Traum, das ist so wichtig in unserem Leben. Besnders im "Krippele schauen" hat dies Ausdruck gefunden: Krippenfreunde gehen gerne mit Kindern von Haus zu Haus, um die Weihnachtskrippen zu sehen und zu bestaunen.

Höhle oder Stall - oder der rohe Erdboden:
auf den Ikonen der Ostkirche gibt es die Höhle am Krippenberg, im Alpengebiet den Stall mit der hölzernen Futterkrippe. In der neapolitanischen Krippe kann das Kind auch auf der Straße liegen, in Lateinamerika oder Afrika fast immer nackt auf dem harten Boden mit etwas Stroh. Wo es in uns und in der Welt am fnstersten ist, wo Leid und Sorgen drücken, dorthin trifft der Gnadenstrahl Gottes.


 

 

Weihnachtskrippe Hirten und Schafe

Jedes neugeborne Kind ist immer bestimmend die Mitte jungen Familie
im Leben der jungen Eltern

Der innere Kreis: die heilige Familie und anbetende Engel, Hirten, Könige. Hirten und Könige stehen für alle Menschen  auf Erden, Ochs und Esel sowie die Schafe für den ganzen lebenden Kosmos. Pferde, Elefanten und Kamele deuteten auf das hin, was wir heute Weltmacht und Globalisierung heißen (Zug und Anbetung der Könige!).

Im äußeren Kreis geht es freier und lebhafter zu: Berufe und Tätigkeiten, Ereignisse und Zufälle,  Bergleute und Kraxentrager, Bauern und Fischer, Brotträgerinnen und Jäger. Kaminkehrer (Neujahr!) und Porträtfiguren.
click auf Friedrich Gurschler, Krippenbauer

 


Krippenbau Weihnachten

Brunnen und Bächlein, Feuer,
Frühling und Paradies:

 

in Bauernkrippen glänzen oft Äpfel, Trauben und Maiskolben, auf den Ikonen der Ostkirche fällt Himmelslicht von oben auf die Berge und es beginnen phantasievolle Paradiesespflanzen zu sprießen. Wenn nur irgenwie möglich, rinnt auch ein Bächlein durch die Wiese - mit einfachster Brücke. 

Auch fehlt kaum ein Ziehbrunnen, nicht nur um die Windeln zu waschen und um die Tiere zu tränken, sondern als Symbol der Quellen des Lebens aus der Tiefe. Nicht nur bei Wüstenvölkern, sondern auch bei uns im Land und im Gebirge. Wichtig auch die Hirten am nächtlichen Feuer - und die Engel der Verkündigung in himmlischem Licht.

 

Es gibt keine Krippe ohne Zaun und ohne Brunnen! Der Zaun ist die verbindende und schützende Schwelle zwischen Realität und Krippenwelt, zwischen irdischer und himmlischer Welt. zwischen Erde und Paradies. Krippe in den romanischen Sprachen heißt presepio, lateinisch praesaepium, d.h. der umzäunte Hof vor dem Gebäude. Der Zaun schützt den inneren Kreis der Krippe und die Figuren, er sagt aber auch dem Betrachter: "Halt an, werde still und öffne dein Herz, du du stehst vor heiligem Boden!" Gitter und Metallzäune sperren ab, aber hölzerne und geflochtene Zäune in einer Landschaft schützen, gliedern und verbinden das Gesamt zu einer großen, übergeordneten Einheit.



Krippe MusikantenMusik an der Krippe ist nicht wegzudenken - auch das Lied "Stille Nacht" ist zunächst das Lied für das Kind in der Krippe (holder Knabe im lockigen Haar!), dann erst wurde es Sinnbild des Glaubens "Christ der Retter ist da". Die Engel spielen immer die "besseren" Instrumente, die man stimmen muss: Geige, Harfe, Horn und Pauke. Die Hirtenn spielen auf einfachen Instrumenten: Blockflöte, Schalmei, Trompete und Dudelsack. Wie die Kleidung so entsprachen auch die Instrumente genau der jeweiligen Zeit. Wieviele Kinder haben ihr erstes Lied auf der Blockflöte dem Christkind gespielt, wie oft ist "Stille Nacht" als Familiengesang immer noch möglich!


Der Stern am Himmel wies den Königen den Weg. Er darf aber scon über der Krippe der Hirten nicht fehlen! in der Ostkirche steht der Stern als Himmelssegment oben an der Weihnachtsikone; dreifaltig fällt der Schein auf die Krippe Jesu, die meist geformt wie ein Steingrab mitten in einer schwarzen Höhle steht.

 

Kärntner Krippe
Kärntner Krippe  (zeitgenössisch)


Krippenberge waren beliebt, um viele Figuren und Bauwerke darzustellen. In den alpenländischen Weihnachtskrippen waren die Figuren immer auf das Geschehen im Stall von Betlehem ausgerichtet. "Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ."
              (Lk 2,15)

 

 

 

 

 

 

In den berühmten neapolitanischen Krippen dient der Berg, um den ganzen Jahrmarkt des städtischen Lebens darzustellen. Hier z. B. der Wurstladen - Maria erkennt man kaum in ihrem blauen Kleid, oben links betete sie das Kind an, vor ihr der Besucher in weißem Hemd und grüner Hose. Für Tiroler Krippenschnitzer unvorstellbar!

 

 

 


 

 

 

Älteste Krippendarstellungen 4./5. Jahrhundert

 

http://files.meditation-kunst.webnode.com/200000516-6114c620a6/Bild1.jpghttp://files.meditation-kunst.webnode.com/200000517-15ded16d8c/weihn-w180b.jpgDie Einsamkeit des Gottessohnes in einer Welt, in der nur Ochs und Esel zu ihm halten.
Wehrlos gewickelt, auf einem Steintrog, wie im Grab, ausgeliefert.

Unsere heutige Weihnachtsvorstellung ist romantisch, barock, mittelalterlich –
die Neuzeit hat kein eigenes Weihnachtsbild entwickelt, nicht die Kraft dazu gehabt.

      Marmorrelief Athen, 4. Jh                                                                                                                        Steinrelief römisch, 5. Jh
 

Zwischen idyllischem Mutterglück und der Tatsache des Weltleidens, zwischen Weihnachtsmann und Inkarnation Gottes: welche Bandbreite an Möglichkeiten, dieses Kind in unser Leben aufzunehmen!

Auf den ältesten Weihnachtskrippen fehlt die Mutter Maria - sie empfängt nebenan die Könige und nimmt die Geschenke entgegen. Später sind es Maria, Engel. Hirten und Könige, die das Königskind anbeten. Puer bedeutet nicht Knabe, sondern Erbsohn, der erste und älteste Sohn des Königs. Der Steintrog als Futterkrippe ist auch auf den ostkirchlichen Ikonen zu sehen - auch die Einsamkeit des göttlichen Kindes, das draußen im Feld, am Weg geboren wurde.
 

http://static-cdn1.webnode.com/_system/client/skins/2011/general/img/icon-block-close.png

Text bearbeiten


Romantisierung der Tiroler Krippe (ab 19. Jh.)

 

Krippenfiguren - Szenen

Maria - Jungfrau, Braut, Gemahlin, Mutter, Königin

Josef - Bräutigam und Gemahl, Vater und Schutzpatron

Engel, Hirtenfeld, Anbetung der Hirten, Weise und Sterndeuter oder Könige

Ochs und Esel, Schafe, paradiesische Natur oder heimatliche Landschaft

König Herodes, Tempelpriester, Soldaten, Kindermord

Flucht nach Ägypten, Darstellung Jesu mit Simen und Hanna

Taufe Jesu, Hochzeit zu Kana

 

Symbole und Urbilder im Krippenbau

 

 

Krippe
Salzburg
(zeitge-
nössisch)