Die Mosaiken von Ravenna (5./7. Jh.)


San Vitale in Ravenna - die drei Könige eilen zur Krippe Jesu

 

Ravenna Mosaiken Drei Känige
Balthassar, Melchior und Caspar (SCS für Sanctus - Heiliger)
eilen mit ihren Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe zum Thron Mariens, um Jesus zu huldigen.


Wer könnte ein solches Bild erfinden? Wo gibt es künstlerisches Duplikat davon? Gewiss gab es vor 1500 Jahren bereits Vorbilder und präzise ikonographische Erwartungen an die Sterndeuter, die Weisen, die Könige - aber eine solche Darstellung ist doch einmalig und wunderschön.

Die Weisen eilen, ja laufen zur Anbetung des Gottessohnes auf den Knien der thronenden Maria Gottesgebärerin. Wir erinnern uns daran, dass die Juden zum Sabbatgebet eilen sollen, ohne nach rechts und links zu schauen oder sich ablenken zu lassen. Die drei Lebensalter sind deutlich ausgeprägt zu sehen, also eigentlich eilen "alle Menschen, jung, erwachsen und alt" zur Anbetung des Kindes.

Der Stern und die Gaben Gold Weihrauch Myrrhe, die Blumen am Boden und die Palmen in der Höhe, die bunt geschmückten orientalischen Reiterhosen und wallenden Mäntel - und die roten phrygischen Mützen (ursprünglich ein Phallussymbol, was aber in Italien sicher nicht mehr erkannt wurde). Und der Einklang der wenigen Farben mit dem goldenen Hintergrund, wirklich himmlische Meditation. Mitreißend ist die Wirkung, wie schon die Hirten machen auch wir uns auf den Weg: "Kommt, lasst uns nach Betlehem eilen und sehen, was der Herr dort gewirkt hat."

 

 

Mosaiken von Ravenna - römisch und byzantinisch

 

Abraham bewirtet die drei Engel bei der Eiche von Mamre

Opfer des Abraham Mosaiken Ravenna
Ravenna San Vitale, Urbild der orthodoxen Dreifaltigkeit (die drei Männer/Engel aus Genesis 18,1f)

 

Wer die Ikonen der späteren Tafelbilder vor Augen hat, dem werden vor den Mosaiken der alten byzantinischen Zeit vor allem zwei Dinge auffallen: die Freiheit in der Zeichnung und die Farbigkeit der Malerei. In den Kirchen von Ravenna strahlen heute noch die wunderbaren Bilder in den eher ungewöhnlichen Farben Grün und Blau vor dem Goldgrund, grün wie die Pinienhaine an land und blau wie die Adria draußen auf hoher See. Während die Mosaike im Fußboden eher zurückhaltend sind in den Farben, steigern sich diese in den Wandbildern bis hin zu einem geradezu naturhaft und biographisch echten Ausdruck in den Gesichtern. 

Wie einfach geschürzt treten Abraham und Sara auf, um die drei unbekannten Gäste aus der Wüste zu bewirten. Das Brot auf dem Tisch und das gebratene Kälbchen in der Schüssel, die Botschaft der alten Eiche und der frisch aufsprießenden Blumen, die strenge Haltung der drei Männer in jenseitig grauen Faltenkleidern - eine Botschaft über das Wesen Gottes, in höchster Kunst und aus tiefer Kontemplation erwachsen. Für die Christen damals noch eine kleine Chiffre: der gebogene Ringfinger, der zusammen mit dem Daumen in der Innenhand ein X, das griechische Zeichen für CH=Christus zeichnet, übrigens auf allen Christusikonen bis heute 
erhalten!

 

Kaiser Justinian und Theodora

 

Justinian Mosaiken Ravenna

Die Kunst  des Mosaiks hat in Ravenna einen frühen Höhepunkt erreicht und wird bis heute von zahllosen Handwerkern geübt. Auf dem Bild links sieht man die eher großen tesserae (Steinchen), die in unglaublicher Präzision und Sicherheit gesetzt wurden. 

Die unglaubliche Farbenechtheit und Leuchtkraft kommt daher, dass echte (Halb-)Edelsteine sowie hochkarätiges Gold (oft zwischen zwei dünne Glasplättchen geklemmt!) verwendet worden ist. Da Ravenna ähnlich wie Aquileia, Grado und Venedig eher geschützt im Meer lagen, etwas abseits von jedem geschichtlichen Getümmel, sind uns diese Wunderwerke der Kunst unverändert erhalten geblieben. 

 

Kaiser Justinian Ravenna Schmuck

 

 

 

 

 

    Oben: Kaiser Justinian (er sprach noch Latein!)

    Rechts groß: Das Ehrenzeichen auf seiner rechten Schulter

    Unten: Kaiserin Theodora


 

 

 

Theodora Kaiserin Ravenna Mosaiken

 

 

 

 

 

Kaiserin Theodora war eine faszinierende Persönlichkeit. Ihre Gegner lästerten sie wegen einer bewegten Vergangenheit - sie  wäre die Tochter eines Bärentreibers gewesen und später Schauspielerin, was in der Antike eng mit Hetärentum verwandt war.

Ihre Ehe mit Justinian muss eine Liebesehe gewesen sein, denn immer hatte er sie in höchster Achtung. Sie hielt in kritischen Momenten zu ihm, stand ihm als Kaiserin auf Augenhöhe zur Seite und bewegte ihn zu viel Menschlichkeit und Kunstliebe. Sie war sanft und besänftigend an seiner Seite, aber doch mit Weitblick und zielstrebiger Willenskraft. Sie war sicher eine sehr kluge Frau - von ihrem Gemahl als "Gnade Gottes" geschätzt.