Gestirne - Götter oder Lampen?


Gerade von der modernen Physik können wir etwas Hilfreiches lernen: im alltäglichen Erfahrungsraum können auch heute noch die Planetenbahnen mit den Kepler‘schen Gesetzen berechnet werden ("kompatibel").

So kann ich als gläubiger Mensch im Alltag auch heute noch mit den Bildern der alten Bibel oder des Mittelalters, mit der hilfreichen Philosophie der Griechen oder der modernen Aufklärung leben, glauben, meditieren und beten (kompatibel!).

Allerdings ist für mich persönlich der Himmel nicht mehr "oben" und vor allem gibt es unten nicht Hölle oder Fegfeuer, ich denke nicht mehr "zeitlich nach dem Tod" oder "zeitlich am Anfang schuf Gott die Welt" - er erschafft jetzt und immer. Gott und Welt, Mensch und Leben bleiben absolut ein großes, wunderbares Geheimnis, Mysterium, real und wahr – aber „Stückwerk ist unser Erkennen“ (1 Kor 13,9).
 


Ägypten - Himmelsgöttin Nut

Häufige Darstellung in altägyptischen Tempeln und Gräbern

 

Die wundervoll gestirnte Himmelsgöttin Nut wird durch den eifersüchtigen Vater, den Luftgott Schu, von ihrem heiß geliebten Erdgott Geb getrennt, indem er sie buchstäblich hoch in die Lüfte stemmt. Vom Morgen bis zum Abend jeden Tages fährt der Sonnengott Re mit seinem Gefolge in einer Barke über ihren Körper. In den antiken Religionen sowie bis heute noch im Animismus vieler Naturreligionen stellten sich die Menschen die ganze Natur mit allen ihren Erscheinungen als von Geistern und Göttern beseelt vor. Sie verehrten die Gottheiten durch Gebete und Opfer, um sie gnädig zu stimmen.

Die Bibel der Juden nahm dagegen Stellung: Sonne, Mond und Sterne sind nichts als große Lampen, die der Schöpfergott an das Firmament heftet. Die Natur und das Leben sind von Gott geschaffen und gelenkt, genauso wie die Geschichte der Völker und eines jeden Menschen. Und was Gott erschaffen hat, ist gut, schön und wahr.

Frage: Ist das nicht auch die physikalische Erkenntnisebene der modernen Naturwissenschaften? Nüchterne, allgemeine und absolute Gesetze für das Weltall mit all seinen Erscheinungen und Gesetzen! Faszinierend die neuen Fragestellungen für Philosophie und Theologie, ausgehend von "Warum ist da etwas und nicht einfach Nichts"?

 

 

Griechische Naturforscher bis Ptolemaios


Seit dem 6. Jahrhundert vor Christus versuchten großartige griechische Gelehrte, das Ganze der Natur mit ihren Wirkkräften und Gesetzen zu erfassen. Dabei gingen sie sehr methodisch vor, mit wissenschaftlicher Beobachtung, Theorien und Experimenten. Statt eines direkten göttlichen Eingreifens suchten sie nach reinen Naturgesetzen, und bis zu den modernen Physikern heute blieb dieser erkenntnistheoretische Ansatz in voller Geltung.

Ihre Leistungen sind erstaunlich: etwa Demokrit mit seiner einheitlichen Atomlehre oder Aristoteles mit seinen Theorien zu Raum und Zeit und zu den Bewegungen. Eratosthenes berechnete mathematisch durch den Winkel beim verschiedenen senkrechten Lichteinfall in zwei Brunnen in Alexandrien und im heutigen Assuan sowie durch den vermessenen Abstand dieser Orte den Erdradius mit einer Genauigkeit von 4 %!

Ptolemaios entwarf um 150 n.Chr. auf Grund astronomischer Beobachtungen das „Ptolemäische Weltbild“: Die Erde im Mittelpunkt, Sonne und Planeten umkreisen auf Kreisbahnen die Erde, der Sternenhimmel ist fix. Sowohl Römer als Christen nahmen dieses „Standardmodell“ an, unternahmen allerdings kaum mehr naturwissenschaftliche Forschungen. Die Kugelgestalt der Erde war für das Christentum nie ein Problem, Hauptsache dass der Mensch im Mittelpunkt des Universums blieb. Und so blieb es bis Nikolaus Kopernikus (+ 1543)!

 

geozentrisches Weltbild - Grafik
Oben geozentrisches Weltbild, unten die Sonne als Mittelpunkt

Im Bild sind unten die elliptischen Bahnen der Planeten erkenntlich, wie sie zuerst Keppler beschrieb.
Beeindruckend die Sinnhaftigkeit, Präzision und Schönheit beider Weltsysteme!


Da in der modernen Relativitätstheorie ein absoluter Beobachtungspunkt fehlt, die Sonne also nicht mehr den absoluten Mittelpunkt des Weltalls darstellt, könnte man auch gut nach dem Ptolemäischen Weltbild oben denken - oder von der Singularität des Urknalls her bzw. auf ein (heute wissenschaftliche mögliches) Szenario vieler anderer Weltalls hin…

„Geozentrisch oder heliozentrisch“ ist nicht mehr die Frage: Das Weltall ist in der modernen Raumzeit absolut in seiner Ordnung und seinen Gesetzen, jedoch relativ von dem jeweiligen Standpunkt des Beobachters aus!

 

Von Newton zu Albert Einstein


Nach der „kopernikanischen Wende“ dauerte es noch lange, bis sich das heliozentrische Weltbild mit der Sonne als Mittelpunkt durchsetzte. Isaac Newton (+1727) brachte dieses zur Vollendung: demnach galt das Weltall wie eine durch Raum und Zeit ewig und absolut geordnete, astronomisch große Bühne, auf der sich nach unwandelbaren Naturgesetzen alle Erscheinungen, Bewegungen sowie Auswirkungen der Naturkräfte abspielten. Im 19. Jahrhundert aber stieß die Naturwissenschaft immer mehr auf Abweichungen und Lücken, z.B. in der Astrophysik und Atomforschung, in der Erforschung der Naturkräfte wie Elektromagnetismus oder Gravitation.
 

 

Zusammenstoß zweier Galaxien im Sternbild Jungfrau (Hubble-Foto)
 

Zusammenstoß zweier Galaxien Hubble
Rchts zwei viel nähere Sterne.

Wegen der riesigen Ausdehnung der Galaxien kann eine solch gegenseitige Durchdringung
hunderte Millionen von Jahren dauern, im „Schneckentempo“ von ca. 100 km pro Sekunde.

Durch die Gravitation werden die Milliarden betroffener Sterne stark verändert,
es wird wohl in etwa 500.000.000 Jahren eine neue und größere Galaxie entstehen.

So wird in 3,2 Milliarden Jahren auch unsere Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie kollidieren,
dann wird auch unsere Erde in der Hitze verglühen, ohne eine Spur zu hinterlassen.

 

Absolut oder relativ?


„Alles ist relativ“ – das ist eine falsche Auslegung des Relativitätsprinzips sowie der modernen Physik. Gerade bahnbrechende Gelehrte wie Max Planck, Albert Einstein und Werner Heisenberg haben immer von der wunderbaren absoluten Ordnung des Kosmos und seiner Gesetze gesprochen. Und entscheidend ist, dass keine Physik den Weg zur Philosophie und Theologie versperrt! Sehr viele große Physiker haben sich zu philosophischen und ethischen Problemen geäußert (Theologen meiden eher diese Begegnung, die hohe Ebene von Mathematik und Physik ist dabei eine große Hürde).


Christliche Theologen haben die faszinierende Aufgabe, viele Fragen neu zu durchdenken, zu formulieren (!) und zu beantworten, z.B. Schöpfung und Weltende, Transzendenz Gottes und Menschwerdung Jesu, freier Wille und Wunder, Schuld und Leid, Gnade und Erlösung, Jenseits und Ewigkeit. Auch die Moral und Spiritualität des Christentums wird neue Impulse erfahren – und erst die Herausforderungen, wenn durch die allerneuesten Forschungen Leben auf anderen Planeten gefunden wird.


Galileo Galilei schaut durch das FernrohrIm Jahr 1633 verurteilte die Inquisition den Astronomieprofessor von Pisa Galileo Galilei, dem von ihm wissenschaftlich begründeten Heliozentrismus abzuschwören. Mit Berufung auf ihre wörtliche Bibelauslegung weigerten sich seine Gegner, selber durch das von ihm erbaute Fernrohr zu schauen und sich überzeugen zu lassen. Die Kirche hatte Angst vor der Relativierung und damit befürchteten Nivellierung des Menschen und der Menschwerdung Jesu als Mittelpunkt der Schöpfung.


Aus einem ähnlichen Denkzwang heraus wandte sich das Christentum jahrzehntelang gegen die Relativitätstheorie und die moderne Physik insgesamt. Jetzt haben aber neue Generationen begonnen, die gerade in der Wissenschaftlichkeit der modernen Physik einen neuen Reichtum für Philosophie, Ethik und Theologie erkennen und schätzen.
 

Erfahrungsgemäß sind dies Aufgaben für Jahrhunderte, und es wird Fortschritt und Irrtum, Kämpfe und Fanatismus geben! Wer aber an einen absoluten Gott glaubt, vertraut auf Wahrheit und das Gute und freut sich an der Schönheit. Meine Frage ist eher – wie kann man angesichts des Universums ohne Gott leben, ohne Schöpfung, Sinn und Ziel? Wer kann der Frage ausweichen: Warum gibt es nicht nichts, sondern vielmehr etwas, alles? Oder wenn ich doch denke, fühle, lebe – dann bin ich doch! Dann könnten Intelligenz und Liebe doch auch naturhafte Dimensionen des Universums sein, oder?

 


Milchstraße fotografieren? Anleitung von Thomas – 19. November 2013

Milchstraße Anleitung zur Fotografie
Wer sich als Fotograf am Nachthimmel versuchen will, findet hier eine einfache erste Anleitung:
http://pixelsucht.net/milchstrasse-fotografieren-anleitung/
Solchen Hobbyfotografen gebührt Anerkennung und Bewunderung!