El Greco - Petrus und Paulus
nehmen Abschied und gehen zum Martyrium

 


Petrus und Paulus bereiten sich zum Martyrium -
die beiden ungleichen Apostel nehmen Abschied

Christus, unser Gott, gepriesen bist du!
Du hast die Fischer zu Allweisen gemacht
und ihnen den heiligen Geist herabgesandt.
Du hast durch sie die Welt eingefangen,
wahrer Menschenfreund, Ehre sei dir!

Troparion der Ostkirche

 

Ein ungewöhnliches Bild und ein ungewöhnliches Lied: Petrus und Paulus als alte Männer und die offizielle Festantiphon aus der Ostkirche. Die frische, sprunghafte Melodie hebt das aktive Geschehen hervor: du hast sie zu „Allgemein-Wissenden“ gemacht und hast durch sie die ganze Welt eingefangen.

Jetzt aber steht den beiden Aposteln der Tod vor Augen: der Überlieferung nach unter Kaiser Nero erlitten beide für ihren Herrn das Martyrium, Petrus durch das Kreuz und Paulus durch das Schwert. Das Bild drückt ihr letztes Zusammentreffen aus, sie nehmen Abschied voneinander auf ihrem letzten Gang in den Tod. Ungebrochen, treu ihrem Meister und Lehrer, dem Herrn und Messias, Jesus Christus, dem Sohn Gottes.

Es begegnen sich jeweils zwei Hände: in der Linken hält Petrus „die Schlüssel des Himmelreiches hier auf Erden“, Paulus aber weist kraftvoll hin auf seine Briefe, die in einem Buch gesammelt sind. Mit ihrer Rechten drücken beide Apostel Ergebung aus, zugleich aber die Annahme ihres Blutzeugnisses, ja sie halten dies als größten Schatz in ihrer Hand und in ihrem Herzen.

Beide Apostel sind in schwere Mäntel gehüllt, die durch ihre ruhigen Falten die beiden Köpfe hervortreten lassen. Charakterköpfe, wie wir sie schon von den ältesten Zeichnungen und Bildern her erkennen. Vor allem auf den Ikonen bedeckt struppiges, graues Haar den Kopf des Fischers, dagegen glänzt die Denkerstirn des Paulus und umrahmt ein passender Bart die beiden Gesichter. Diese bilden die eigentliche Aussage des Bildes: fast schon sich auflösend die Gesichtszüge des Petrus, ruhig zurückblickend jene von Paulus. Fast scheint Petrus um Paulus zu werben – im Leben hatten es die beiden miteinander nicht leicht. Petrus der Jude und Paulus, der römische Bürger: beide zusammen gossen das Fundament der Kirche in Fels und Wort, Autorität und Lehre. 

 

Petrus der Fels im See Gennesareth -
Paulus der Völkerapostel am Mittelmeer! 

So verschieden war das Leben der beiden,
des Fischers mit dem guten Hausverstand,
des Intellektuellen mit einer leidenschaftlichen Lebensaufgabe. 

Petrus mit seiner langsamen Bekehrung,
Paulus mit dem Blitzstrahl der Erleuchtung. 

Doch in einem kamen sie zusammen:
Petrus hat den Herrn "bis zum Hahnenschrei" verleugnet,
Paulus hat die Anhänger Jesu bis aufs Blut verfolgt.

Und so kamen sie zusammen in der Treue zu ihrem Herrn Jesus, 
und nachdem sie "sich ins Angesicht widerstanden" haben,
auch eins in der Verkündigung des Evangeliums.

Eins miteinander und mit ihrem Herrn Jesus, dem Gekreuzigten,
wurden beide Apostel vor allem durch ihr Sterben -
freiwillig als Märtyrer, als Blutzeugen der Frohen Botschaft.

Paulus, du dem Petrus intellektuell weit überlegen,
es kam für dich alles darauf an,
ihn als Führer unter seinen Brüdern anzuerkennen.

Petrus, du als Fels und Fischer mit viel Hausverstand, 
es kam für dich alles darauf an, 
den Sturmwind und geistigen Marathonläufer Paulus anzuerkennen.

Petrus und Paulus, auf euch hat der Herr die Weltkirche gebaut.

 

Petrus und Paulus - Vorbilder für uns heute

In einer Familienrunde wurde die überlegt und ausgesprochen wie folgt:

Meditation durch Begegnung und Austausch - unvergesslich für alle

 

 


Petrus hat den Herrn bis zum Hahnenschrei verleugnet – 
(Fragen an sich selbst...)  hatte auch ich solch schwache Stunden, Tage, Zeiten? Hat der Herr dann auch mich angesehen und mir geholfen? 

Petrus war ein fester Fels, auf dem die Kirche gebaut wurde – war ich stark, oder wie bin ich mit meiner Schwäche umgegangen? 

Petrus war Fischer und wurde zum Menschenfischer berufen – kann ich mit meiner Ausbildung und Arbeit zufrieden sein? 

Petrus verwaltete die Schlüssel zum Himmelreich – war ich im Kleinen oder Großen ein treuer Verwalter vor Gott? 

Petrus erlebte den Pfingststurm, Paulus den Blitz seiner Bekehrung – wurden auch mir solch erhabene Schlüsselerlebnisse geschenkt? 

Beide lebten aus dem Glauben, der Eucharistie und dem Gebet – habe ich mir trotz aller Gebrechlichkeit Mühe gegeben? 

Die beiden waren ganz verschieden und haben sich doch respektiert – konnte ich mit den anderen auskommen, kann ich verzeihen? 

Petrus und Paulus zeigten Gefühle und wurden stark mit ihnen – wie gehe ich mit Leidenschaften um, was spüren andere davon? 

Beide hatten ein reiches und vielseitiges Leben – schätze ich den Reichtum und die Vielfalt meines Lebens? 

Petrus und Paulus waren tragfeste Säulen der Kirche – habe ich meine Kirche geachtet, trotz ihrer Mängel und Menschlichkeiten? 

Petrus und Paulus waren Fischer und Zeltmacher – wie habe ich in meinem Leben zugegriffen, geschafft, gearbeitet? Bin ich froh, auch ein wenig stolz auf mein Leben?

Beide haben im Glauben ausgeharrt bis zum Gang in den Tod – nehme ich das Altwerden, Behinderungen oder Krankheiten an, wie bereite ich mich für meine allerletzten Lebenstage?

 

 


Paulus hat die Christen verfolgt –
wird jemand auch mir einmal sagen,
dass ich ihn verfolgt habe?

 

Paulus war gelehrt und gebildet –
hätte er Freude mit mir,
wie ich mich weitergebildet habe?

 

Paulus hat das Hohe Lied der Liebe gedichtet –
war meine Liebe wahr und grenzenlos,
konnte sie Leid ertragen?

 

Paulus hat unter einem „Stachel im Fleisch“ gelitten –
wenn ich leiden muss,
jammere ich dann und verzage ich?

 

Paulus hat als Missionar
Meere und Wüsten durchquert – 
habe ich mit Freude
das Geschenk des Glaubens weitergegeben,
war mir die Ausbreitung des Glaubens wichtig?

 


 „Hilf, Herr, wir gehen zugrunde!“

  Ikone – äthiopisch             Ihr Kleingläubigen! Warum habt ihr Angst?“-