Constantin Brancusi - Der Kuss

 

Constantin Brancusi - Der Kuss

Constantin Brancusi -
Der Kuss (1912)


Die Skulptur stellt zwei sich küssende Menschen dar, die so eng aneinander sind, dass sie zu einem kompakten Block werden. Trotzdem erkennt man noch klare Strukturen (Körperabtrennung, Arme, Haare, Augen). Wenn man genau hinguckt, erkennt man, dass die Beiden am Mund verbunden sind.

Man spürt die Nähe und die gegenseitige Beschützung dieser zwei Menschen. Man bekommt das Gefühl, dass die Beiden sich nie wieder loslassen und für immer zusammen bleiben wollen. Man erkennt auch keine Anzeichen von Bekleidung. Das führt auf Adam und Eva zurück, wo es nur die Beiden gab und niemand sonst.

"Obwohl ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich zuerst dachte, dass diese Skulptur ein Hintern wäre, aber beim genaueren Hinschauen ist mir sofort alles klar geworden."
Aus der Schularbeit eines Mädchens,  http://www.lerntippsammlung.de/Constantin-Brancusi.html

 
 

Heilig war der der Kuss für die ersten Christen als Zeichen ihrer Gemeinschaft aus dem Geist der Liebe.
 

Eng, warm, weich und feucht war der erste Kuss, heiß und kalt zugleich, unvergesslich.

Ehrlich ist der Kuss, der nicht mehr aufhören möchte, der einen aufnimmt "wie ein See der Liebe" (Shakespeare).
 

"Sie dürfen sich jetzt küssen" heißt es dann für Neuvermählte, oft vor laufender Kamera - sogar in der Kirche.

Voller Erwartung und Verpflichtung der Verlobungskuss, wie im Mittelalter bei wichtigen Verträgen üblich.
 

Der Überraschungskuss - plötzlich beim Tanzen, Lachen, Weinen - oder ein Baby "zum Fressen gern haben".

In Ehren sind das Bussi der Kinder, der Wangenkuss bei der Begrüßung und der Gutenachtkuss.
 

Beim Küssen gebraucht man beide Hände, doch leider nicht immer den Verstand.

Begehrt war der Handkuss für die Dame des Herzens, nicht so ehrlich der Handkuss für den Pfarrer.
 

Im Gottesdienst küsst der Priester den Altar, ebenso werden in der Ostkirche die Ikonen geküsst.
 

Billig ist der über die Hand zugeblasene Luftkuss, manche Küsse erwiesen sich sogar als falsch und trügerisch.

Unanständig ist der Kuss, der lediglich eine Anfrage im oberen Stock ist, ob das Parterre frei wäre.
 

Tödlich war der Judaskuss, verlogen war der Bruderkuss der Politiker im Ostblock sowie der Mafia heute.

(Bernhard Frei)

 

      Gustav Klimt  

    Entrückt und im Kuss versunken    
    

Klimt Kuss


Gustav Klimt, Der Kuss -
Liebespaar (1908/09)


Ein Liebespaar im Kuss verschmolzen, ineinander versunken und in einer goldenen Aura entrückt, zugleich vereinigt und abgeschieden von der Umwelt: so sehen wir das großflächige Bild von Gustav Klimt (180 mal 180 cm). Es ist die goldene Zeit von Wien mit europäischer Ausstrahlung.


"Der Kuss" ist auch der Höhepunkt der "Goldenen Phase" des bekannten Malers von raffinierten Frauenbildnissen und faszinierenden Landschaftsbildern Österreichs.


Goldfarben, flächig, ornamental, sinnlich fallen uns als Attribute des Bildes ein. Die innige, fast "ewige" Verbundenheit des Liebespaares verbirgt aber nicht die kniende Untergebenheit der Frau und das Liebeserlebnis buchstäblich am Abgrund. Wie lange wird der Schmuck halten, bis er als Tand verfällt?

 

    Verrat und Tod - Der Judaskuss

 

Judaskuss St. Gillesabendland

schöner judas

da schwerblütig nun und maßlos

die sonne ihren Untergang feiert

berührst du mein Herz

und ich denke dir nach

ach was war dein einer verrat

gegen die vielen der christen 

die dich verfluchen

ich denke dir nach

und deiner tödlichen Trauer

die uns beschämt

Kurt Marti (1980)


                                         St. Gilles (Provence) - um 1150                    

 

Originaltext in der Bibel: "Noch während Jesus redete, tauchte plötzlich eine Schar Männer auf, an ihrer Spitze Judas, einer der Zwölf. Er ging auf Jesus zu, um ihn mit einem Kuss zu begrüßen. Jesus aber sagte zu ihm: »Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?"  Lukas 22,48
 

"abendland" - Das oben zitierte Gedicht des Pfarrers Kurt Marti nimmt eine Tradition auf, die in Judas weniger einen Verräter und habgierigen Bösewicht sieht, sondern seine Entscheidung als Apostel  für seinen geschätzten, jedoch für ihn unbegreiflichen Meister ernst nimmt. Treue, Scheitern, Tragik!